Richard Plepler hat den „Game of Thrones“-Sender HBO lange erfolgreich geführt. Nun geht er wohl nicht ganz freiwillig. Foto: dpa

„The Sopranos“, „The Wire“ oder „Sex and the City“: Der Sender HBO hat schon lange vor „Game of Thrones“ TV-Geschichte geschrieben. Nun steht er unter Druck durch Netflix. Der langjährige Chef gibt auf.

New York - Der Chef des US-Bezahlsenders HBO („Game of Thrones“), Richard Plepler, hat nach fast 28 Jahren im Unternehmen seinen Rücktritt eingereicht. Es falle ihm zwar schwer, doch es sei der richtige Zeitpunkt, die Firma zu verlassen, schrieb Plepler in einem am Donnerstag (Ortszeit) vom US-Sender CNBC veröffentlichten Memo an die Mitarbeiter. „Dank Euch allen kann ich zum nächsten Kapitel in meinem Leben voranschreiten, wissend, dass das beste Team in der Branche hier bleibt, um unseren kontinuierlichen Fortschritt und Erfolg weiterzuführen“, hieß es in der Nachricht weiter.

Vertrauen auf die Intelligenz

Unter dem 59-jährigen Plepler wurde HBO, das zum jüngst vom Telekom-Riesen AT&T geschluckten Medienkonzern Time Warner gehörte, mit Serien wie „The Sopranos“, „The Wire“ oder „Sex and the City“ weltberühmt. Lange vor Netflix galt HBO als radikaler Erneuerer der TV- und Serienkultur. Die besten HBO-Produktionen waren nicht nur hochwertig und originell, sie waren im Gegensatz zum lächerlich verklemmten Angebot der großen US-Sender nicht nur sexuell aufgeweckt – sie vertrauten auch auf die Intelligenz der Zuschauer.

HBO trat entschieden gegen die nicht nur im US-Fernsehen weit verbreitete These an: Je dümmer und kitschiger, desto erfolgreicher. Zwei Jahrzehnte lang waren die drei Buchstaben, die für „Home Box Office“ standen, ein Qualitätssiegel. Zwar zählte nicht alles, was HBO produzierte, zum Allerbesten des Fernsehens. aber viel vom Allerbesten des Fernsehens war bei HBO zu finden.

Unter Druck durch Netflix

Dieser Nimbus ist durch das Aufkommen der Streamingdienste, vor allem durch den spektakulären Erfolg von Netflix stark beeinträchtigt worden. Anspruch und Intelligenz, sexuelle Freizügigkeit und einen prickelnd lebensnahe, nicht desinfizierte Sprache der Figuren – all das ist nicht mehr nur bei HBO zu finden. Im Gegenteil, hätte der Sender nicht das phänomenal erfolgreiche Zugpferd „Game of Thrones“ im Stall, wäre er bei jüngeren Zuschauern wohl – wenn auch zu Unrecht - längst als „Elternfernsehen“ ausrangiert.

Noch immer steckt in HBO viel kreatives Potenzial, der kleine Sender hätte aber mit seinen bisherigen Budgets im Kampf der Medienkonzerne um den Boombereich Streaming nicht mithalten können. Das jedoch könnte anders werden. Der Telekommunikationsgigant AT&T will nach dem Kauf des Hollywoodstudios Warner Bros. und des Kabelsenders HBO sehr bald eine eigene große Netflix-Konkurrenz an den Start bringen. Wie dabei die Rolle von HBO im Konzern definiert werden soll, welche Produktionen für welche Zielgruppe geplant sind, darüber herrscht noch Unklarheit. Aber der Abgang von Richard Plepler wird in der Branche als Zeichen gewertet, dass in der Firma ein großer Kulturkampf tobt, den das alte Management nun wohl verloren hat.

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