Mehrere Verdi-Streiks legen diese Woche den Flugverkehr im ganzen Land lahm. Foto: 7aktuell.de/Kevin Lermer

Der gambische Altenpflegehelfer aus Kirchheim am Neckar (Kreis Ludwigsburg) hätte am Mittwoch abgeschoben werden sollen, ist aber noch immer in Deutschland. Möglicherweise spielte der Streik am Frankfurter Flughafen eine Rolle.

Eigentlich wäre am Mittwoch alles vorbei gewesen. Sedia Kijera wäre in einem Flugzeug gesessen und in seine Heimat Gambia geflogen worden. Gegen seinen Willen, gegen den Willen seiner Arbeitskollegen, Freunde und Unterstützer. Doch schon zum zweiten Mal hob das Flugzeug nicht ab. Hatte beim ersten Versuch noch der Pilot die Abschiebung verhindert, so hielt diesmal möglicherweise der Streik auf dem Frankfurter Flughafen das Flugzeug am Boden.

 

„Wir wissen es nicht genau, die Informationen sind widersprüchlich“, sagt Götz Schwarzkopf, Sprecher der Kirchheimer Ortsgruppe Seebrücke. Vielleicht spielte der Streik (der aber eigentlich erst am Donnerstag begann) eine Rolle, vielleicht untersagten die gambischen Behörden die Landung des Flugzeugs, vielleicht war der Flieger auch einfach nur ausgebucht. Fest steht: Sedia Kijera ist aktuell in Deutschland und der nächste Abschiebeflug geht frühestens Mitte Februar – dann werden sich die Vorzeichen aber geändert haben.

Kijeras Abschiebehaft in Pforzheim läuft bereits am 6. Februar aus. „Das Regierungspräsidium Karlsruhe wird dann vermutlich eine Haftverlängerung beantragen“, erklärt Schwarzkopf. „Dagegen wird sein Anwalt Widerspruch einlegen.“ Der Prozess würde vor dem Landesgericht weitergehen, mit Richtern, die bislang nichts mit dem Fall zu tun hatten.

Neue Hoffnung also, dass Kijera doch noch in Deutschland bleiben kann? „Die Abschiebung ist beschlossen, eine Duldung wird er sehr sicher nicht mehr bekommen“, winkt Schwarzkopf ab. „Es geht jetzt um die Länge der Haft.“ Wenn der Gambier aus dem Gefängnis entlassen wird, dürfte er zwar nicht wieder arbeiten, könnte aber zumindest zurück in eine Wohnung. Eine freiwillige Ausreise nach Gambia könnte dann die Zeit reduzieren, in der Kijera nicht wieder nach Deutschland einreisen darf.

Der Gambier hat seine Ausbildung zum examinierten Altenpflegehelfer im Pflegeheim am Mühlbach absolviert. Seitdem lebte und arbeitete er dort in Vollzeit. Zum Verhängnis wird ihm ein Delikt aus der Vergangenheit. 2020 war Kijera wegen des Handels mit Betäubungsmitteln im Jahr 2017 zur Bewährung verurteilt worden. Seine Unterstützer hatten erfolglos eine Petition mit tausenden Unterschriften beim Landtag eingereicht, auch ein Härtefallantrag war abgelehnt worden – juristisch ist die Abschiebung wohl nicht mehr zu verhindern.

„Ende 2025 könnte das Delikt verjährt sein. Dann könnten wir wieder eine Duldung beantragen“, sagt Götz Schwarzkopf, aus dem eine nicht zu überhörende Verzweiflung spricht. „Die Gesetze sind ein Desaster. Daran muss sich unbedingt etwas ändern.“