Mit seinen gerade einmal 20 Jahren ist Fynn Atzler Einsatzleiter der Fieberambulanz am Klinikum Stuttgart. Unter der Woche absolviert er ein duales Studium, am Wochenende kümmert er sich um Corona-Kranke. Warum tut er sich das an?
Stuttgart - Links die Schutzanzüge, Masken und Flaschen mit Desinfektionsmittel, rechts die Tests und Patienten-Fragebögen. Alles ist ordentlich aufgeräumt in dem kleinen Container vor dem Klinikum Stuttgart. Fynn Atzler geht dort mehrmals täglich hinein, verräumt neue Lieferungen oder holt Nachschub, wenn Schutzausrüstung benötigt wird. Der 20-Jährige ist als Einsatzleiter mit dafür zuständig, dass die 30 Mitarbeitenden der Fieberambulanz immer genügend Schutzausrüstung haben. „Ich bestelle pro Monat mindestens 10 000 Handschuhe, 1000 FFP2-Masken, rund 50 Liter Desinfektionsmittel und zwischen 2000 und 3000 Schutzkittel.“
Pro Tag kommen 100 Menschen in die Fieberambulanz
Die Fieberambulanz ist so etwas wie die Notaufnahme für alle Menschen, die ahnen, dass sie sich mit Corona infiziert haben. Etwa ein Drittel der rund 100 Patienten, die zurzeit dort pro Tag vorstellig werden, haben bei einem Schnell- oder Selbsttest ein positives Ergebnis erhalten, ein Drittel war Kontaktperson von einem Corona-Infizierten oder hat eine Warnung in der Corona-App erhalten, ein Drittel hat verdächtige Symptome. Allen gemein ist die Unsicherheit – und die versuchen Fynn Atzler und seine Kollegen den Menschen mit PCR-Tests, Antigentests und Beratung zu nehmen. Selten hat auch mal jemand so schwere Atembeschwerden, dass er oder sie direkt im Krankenhaus behalten wird.
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Bereits Ende Februar 2020 wurde die Fieberambulanz aufgebaut. Fynn Atzler ist der Einzige, der von Anfang an dabei war. Er war erst kurz zuvor, im Herbst 2019, fürs duale Maschinenbaustudium von Oldenburg nach Stuttgart gezogen. Dort fing er an, sich beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) zu engagieren – und weil das DRK die Fieberambulanz unterstützt, war er seit Pandemiebeginn für einen Tag pro Woche nebenberuflich dort tätig; meist am Wochenende.
„Für mich ist das eher ein Hobby als eine Arbeit“, sagt er. „Mir gefällt der Sinn hinter unser Arbeit hier und dass wir so ein junges Team sind. Unsere Tätigkeit, also vor allem das Testen, ist eine der wichtigsten Maßnahmen, um die Pandemie einzudämmen.“
Er spricht Leute an, die die Maske falsch tragen
Längst hat sein Nebenjob Auswirkungen aufs Private. Weil er im Job erlebt, was eine Coronainfektion bedeuten kann, ist er vorsichtig. So fällt ihm in seinem privaten Umfeld sofort auf, wenn Abstände nicht eingehalten werden. Und wenn er in der Bahn Menschen sieht, die ihre Maske falsch tragen, frustriert ihn das: „Meist spreche ich die Menschen darauf an. Nur wenn ich das Gefühl habe, es könnte Ärger geben, halte ich lieber mehr Abstand.“
Wegen seines Nebenjobs in der Fieberambulanz zog Fynn Atzler im Gegensatz zu vielen Kommilitonen auch während der „härtesten Coronazeit“ nicht zeitweise zurück zu seiner Familie nach Oldenburg, sondern blieb immer in Stuttgart. Der Einsatz für die Corona-Kranken war wichtiger.
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