Es gibt immer weniger Handel und immer mehr Wirtschaften am Rathausplatz in Esslingen Foto: Ines Rudel

Der Gemeinderat findet die Fußgängerzone am Rathausplatz gut. Dort gibt es immer mehr Gastronomie, möglicherweise auch bald im benachbarten Kielmeyerhaus.

Esslingen - Eine Änderung ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht sinnvoll“, hieß es im etwas sperrigen Amtsdeutsch der Beschlussvorlage im Technischen Ausschuss am Mittwoch. Das bedeutet, der Verkehrsversuch, mit dem der Esslinger Rathausplatz zur Fußgängerzone erklärt worden ist, läuft weiter. Begonnen hat er in den Sommerferien des vergangenen Jahres. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird der Versuch irgendwann einmal damit enden, dass der Rathausplatz auf Dauer autofrei wird.

Die Aufregung um die jüngste Fußgängerzone der Stadt habe sich gelegt, so formulierte es der Leiter des Esslinger Ordnungsamtes Gerhard Gorzellik. Zu Beginn des Versuchs hatten Anwohner beklagt, dass es zu viele Kurzzeitparkplätze in der guten Stube der Stadt gebe und dass dafür Anwohnerparkplätze weggefallen seien. Die Marktbeschicker, die zweimal pro Woche von 5 Uhr an mit ihren Lastwagen anrollen, beklagten das genaue Gegenteil, ihnen gab es nicht genug Kurzzeitparkplätze. Auch den Arztpraxen fehlten die Kurzzeitparkplätze auf dem Rathausplatz.

Trotz des Gerangels um die Parkplätze hätten sich jedoch nicht nur der Marktverein, sondern auch die Esslinger Touristik Gesellschaft (EST) und die City-Initiative sehr wohlwollend über die neue Fußgängerzone geäußert, berichtet die Stadtverwaltung. Die Autofahrer hätten nach anfänglichen Schwierigkeiten die Fußgängerzone ebenfalls akzeptiert.

Dennoch will die Stadt weiter nachbessern. Die Fahrradabstellplätze sollen vom Rathausplatz weg in Richtung des benachbarten Marktplatzes verlegt werden, und die Wendeplatte vor dem Neuen Rathaus soll verkleinert werden. Die Stadtverwaltung beobachtet auch, dass die Zahl der Einzelhändler rund um den Markt und den Rathausplatz in den vergangenen Jahren zurückgegangen ist – zugunsten von mehr Gastronomie. Zur Zeit ist das Kielmeyer-Haus als Ort für eine weitere Gaststätte im Gespräch. Hier hatte die EST einst ihren Stützpunkt, jetzt ist ein Wolle- und Strick-Geschäft darin untergebracht.

Nicht alle wollen mehr Gastronomie

Eine Ausweitung der Gastronomie ist allerdings nicht von allen wohlgelitten. Der Bürgerausschuss in der lärmgeplagten Innenstadt lehnt es strikt ab, dass noch mehr Kneipen angesiedelt werden. Ebenso der Vorstand des Marktvereins, der fürchtet, dass sich durch eine Außenbewirtschaftung die Marktfläche verkleinert.

Der Technische Ausschuss des Gemeinderats nahm den Zwischenbericht zur Kenntnis. Weise beschworen Eberhard Scharpf (Freie Wähler) und Ulrich Fehrlen (FDP) offensichtlich eine der Grundregeln der Kommunalpolitik: „Wenn alle ein bisschen unzufrieden sind, dann haben wir das wohl richtig gemacht.“

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