Viele Mitarbeiter großer Firmen in Stuttgart können die Deutschland-Partie am Mittwoch nicht live verfolgen. Foto: dpa Themendienst

Das letzte deutsche Gruppenspiel gegen Südkorea am Mittwoch (16 Uhr) fällt für viele Leute in die Arbeitszeit. Wir haben bei einigen Behörden und großen Firmen in Stuttgart nachgefragt, ob und wie die Partie Berücksichtigung findet.

Stuttgart - Bislang hatten die deutschen Anhänger bei der WM in Russland keinen Grund sich über den Spielplan der DFB-Elf zu beschweren. Die ersten beiden Gruppenspiele gegen Mexiko und Schweden wurden zu fanfreundlichen Zeiten an Wochenenden angepfiffen, was der fußball-affinen Bevölkerung sehr gelegen kam. Am Mittwoch spielt die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw aber bereits um 16 Uhr gegen Südkorea, was Arbeitnehmer und -geber vor eine knifflige Situation stellt. Wie gehen Unternehmen und Behörden in Stuttgart damit um?

Am Bosch-Standort in Feuerbach wird der Betrieb während des Spiels nicht gestoppt. „Mitarbeiter im Büro müssen sich zum Fußball Schauen ausstempeln. In der Fertigung geht das aber nicht“, sagt eine Unternehmenssprecherin auf Anfrage. Dennoch wurden die Meister darauf hingewiesen, den Mitarbeitern ihre Wünsche hinsichtlich dem Tauschen und Verschieben von Schichten zu ermöglichen. Ein gemeinschaftliches Gucken mit Leinwand und Beamer gibt es allerdings nicht. Bei knapp 13 000 Beschäftigen mit 82 verschiedenen Nationalitäten falle es zudem schwer das „richtige Spiel zu zeigen.“

Daimler reagiert erst ab dem Achtelfinale

Ähnlich sieht die Lage in den Werken von Autobauer Porsche aus. Ein firmeninternes Public Viewing oder die Übertragung auf TV-Bildschirmen am Arbeitsplatz wird es nicht geben, wie der Konzern mitteilt. In den Standorten von Daimler läuft die Produktion gleichermaßen normal ab. Wie bei vergangenen Turnieren auch, gibt es erst zu „wichtigen K.o.-Spielen“ die Möglichkeit, Schichten früher enden beziehungsweise beginnen zu lassen. Das entscheide dann jedes Werk selbst je nach Auftragslage.

Falls sich die deutsche Elf für das Achtelfinale qualifiziert, steigt die Partie nächste Woche am Montag oder Dienstag um 16 Uhr – wieder ein Arbeitstag. Im Schichtbetrieb wäre davon dann die Spätschicht betroffen. „Wir klären das erst, wenn es soweit ist“, lässt ein Daimler-Sprecher verlauten.

In den öffentlichen Institutionen ist am Mittwoch ebenfalls WM-Flaute angesagt. Die Spiele werden weder auf der Arbeit gezeigt, noch zusammen angeschaut. „Wir können uns das nicht erlauben“, heißt es von der Stuttgarter Polizei. Der Pressesprecher fügt an: „Ich will aber nicht ausschließen, dass irgendwo in einer Dienststelle nebenher ein Fernseher läuft.“ Die Beamten im Stuttgarter Rathaus und in den anderen Ämtern der Stadt handhaben das identisch. Zum Anpfiff werde nicht früher Feierabend gemacht oder die Arbeit niedergelegt, wie eine Sprecherin berichtet.

Die Allianz veranstaltet ein internes Public Viewing

Eine Ausnahme bilden die beiden Standorte des Versicherungskonzern Allianz. „Es gibt Planungen für alle Standorte in Deutschland“, verrät ein Pressesprecher. In der Vertretung in der Stuttgarter Uhlandstraße sind die Mitarbeiter sowie deren Familienangehörige zum gemeinsamen Public Viewing im Innenhof eingeladen. Für das leibliche Wohl vom Grill und kühle Getränke sorgt der Arbeitgeber. Das sei kein Problem, da der Großteil der Beschäftigten eine Gleitzeitvereinbarung habe und an dem Tag etwas früher zur Arbeit komme.

In der Filiale in der Reinsburgstraße können die Allianz-Mitarbeiter das Spiel im Biergarten auf der Dachterrasse verfolgen. Insgesamt rechnet das Unternehmen in Stuttgart mit 200 bis 300 Mitarbeitern, die dieses Angebot wahrnehmen würden. „Wir machen das schon seit ein paar Jahren und es wird sehr gut angenommen“, begründet ein Sprecher den Schritt.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: