In der Kritik: Videoassistent vor seinen Bildschirmen in Köln. Foto: dpa

Der Videobeweis ist weiterhin umstritten. Er bringt zwar, statistisch gesehen, mehr Gerechtigkeit in den Fußball. Dennoch wünschen sich die Kritiker deutliche Änderungen.

Stuttgart - Die Entscheidungen der Schiedsrichter-Videoassistenten sorgen auch aktuell in der Bundesliga für Diskussionen. In der Vorsaison wurden in 306 Spielen (ohne Relegation) insgesamt 104 Entscheidungen dokumentiert, bei denen die Schiedsrichter die Situation per Videobild am Spielfeldrand überprüften oder ihre ursprüngliche Entscheidung nach Rücksprache mit Köln per Headset revidierten. 82 Fehlentscheidungen wurden so laut DFB korrigiert. Zwei Schiedsrichter standen bei diesen Eingriffen aus Köln besonders im Fokus: Felix Brych wurde fünf Mal überstimmt, Deniz Aytekin sieben Mal korrigiert.

Grund genug für den „FC Play Fair“, nach Ende der vergangenen Saison gemeinsam mit dem „Kicker“ eine Umfrage zur Akzeptanz des Videobeweises zu starten – an der sich mehr als 150 000 Fans beteiligt haben. Die Ergebnisse? Zeigen deutlich, dass die Szene gespalten ist. 50 Prozent der Fans finden den Videobeweis grundsätzlich gut, „weil dadurch klare Fehlentscheidungen korrigiert werden können“. Doch 40 Prozent der Befragten widersprechen dieser Aussage.

Klare Worte finden die Fans, wenn es um die Umsetzung des Videobeweises geht: 71 Prozent meinen: „Sie ist schlecht.“ Dazu trägt vor allem die Auslegung des Handspiels im Strafraum bei: Hier widersprechen 90 Prozent der befragten Fans der Aussage, dass „die Auslegung des Handspieles verständlicher und klarer geworden“ sei. Die Schwächen in der Umsetzung führen bei 62 Prozent zu der Aussage, dass „der TV-Videobeweis dem Fußball die Emotionen nimmt“.

Nach zwei Jahren Videobeweis lautet das Fazit der Umfrage: Statistisch wurde die Zahl der Fehlentscheidungen reduziert und mehr Gerechtigkeit im Fußball geschaffen – aber hundertprozentig zufrieden ist mit der Entwicklung kaum jemand. Weshalb sich der „FC Play Fair“ gemeinsam mit dem ehemaligen Fifa-Schiedsrichter Urs Meier Gedanken über Alternativen und Lösungen macht: Eine aus anderen Sportarten bekannte Möglichkeit wäre, die strittige Szene den Zuschauern im Stadion zu zeigen. Dieser Vorschlag wird von 76 Prozent der Umfrage-Teilnehmer befürwortet. Der „FC Play Fair“ fordert deshalb: „Die Entscheidung muss raus aus dem Keller und zurück ins Stadion.“ Zukünftig solle allein das Schiedsrichterteam vor Ort entscheiden, ob es sich eine Szene auf dem Bildschirm am Spielfeldrand – gemeinsam mit den Fans im Stadion – noch einmal anschaut. Die Mannschaften sollten zudem zwei Mal pro Spiel die Möglichkeit haben, eine strittige Szene durch den Schiedsrichter überprüfen zu lassen. Ähnlich läuft es zum Beispiel in der National Football League in den USA.

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