Der Fellbacher Ralf Santelli, zuletzt vier Jahre bei den Würzburger Kickers angestellt, hat im Sommer beim Traditionsklub TSV 1860 München angeheuert. Dort wurde eigens für den 55-Jährigen eine neue Stelle im Jugendbereich geschaffen.
Eines muss man Ralf Santelli lassen: Der in Waiblingen geborene und in Fellbach aufgewachsene, inzwischen 55-Jährige, ist im vergangenen Vierteljahrhundert wegen seiner hauptberuflichen Arbeit im Fußballgeschäft weit herumgekommen. Dies nicht nur in den unterschiedlichen Regionen Deutschlands, sondern auch im benachbarten Ausland. So war er beim SSV 1846 Ulm und bei Hannover 96 an der Seite der Cheftrainer Martin Andermatt und Ralf Rangnick, der zurzeit die österreichische Nationalmannschaft trainiert, als Torwarttrainer in der Zweiten Bundesliga im Einsatz. Mit beiden Klubs stieg Santelli auch in die Erste Bundesliga auf.
Für die Entwicklung von rund 40 Nachwuchstrainern verantwortlich
Bei Arminia Bielefeld, beim SSV Jahn Regensburg und beim FC Carl Zeiss Jena war der mittlerweile fünffache Vater als Co-Trainer beschäftigt; beim SV Wacker Burghausen und beim TSV 1860 Rosenheim war er Chefcoach der jeweiligen Vorzeigeteams. Zuletzt war Santelli vier Jahre lang Junioren-Cheftrainer der Würzburger Kickers, davon zwei Jahre lang Leiter von deren Nachwuchsleistungszentrum.
Im vergangenen Sommer hat es den Fellbacher nun von Unterfranken aus 250 Kilometer in den Süden Bayerns verschlagen. Genaugenommen in die Landeshauptstadt München. Beim Traditionsklub TSV 1860 München (Deutscher Meister 1966, Europapokal-Finalist 1965, DFB-Pokalsieger 1942 und 1964) hat der 55-Jährige einen Vertrag bis 2025 unterschrieben. Wie schon in Würzburg ist er auch bei den „Löwen“ für den Jugendbereich engagiert worden. Diesmal allerdings mit einer besonderen Aufgabe, für die eigens für ihn eine neue Stelle geschaffen wurde: „Ich bin hier für die Entwicklung von etwa 40 Nachwuchstrainern von der U9 bis zur U19 zuständig. So etwas gibt es im deutschen Profifußball noch nicht sehr lange. Nur etwa zehn Vereine haben einen solchen Verantwortlichen“, sagt Ralf Santelli.
Es geht nicht um taktische Dinge
Konkret kümmert sich der diplomierte Sportlehrer und Inhaber der UEFA-Trainer-Pro-Lizenz in Giesing rund um die Uhr um die individuelle Förderung der Jugend- und Juniorentrainer. Dazu zählen beispielsweise deren Beobachtung im Training und während der Spiele an der Seitenlinie und die gemeinsame Analyse mit Verbesserungsvorschlägen im Anschluss. „Ich führe sehr viele Einzel- und Gruppengespräche. Dabei geht es aber nicht um taktische Dinge, dafür sind die Sportlichen Leiter zuständig. Meine Aufgabe ist es, die Trainer und Co-Trainer in ihrer Kommunikation und bei ihren Angewohnheiten zu stärken und zu verbessern“, sagt Ralf Santelli.
Die Arbeit an der Seitenlinie vermisst er nicht
Hilfreich ist für ihn dabei nicht nur sein Studium der Sportwissenschaften, sondern es sind auch die eigenen Erfahrungen auf der Trainerbank. Zuletzt, 2021 und 2022, hatte er in Würzburg jeweils nach den Entlassungen der Cheftrainer Bernhard Trares und Danny Schwarz mehrere Wochen lang interimsweise die Leitung der Profiteams in der zweiten und dritten Liga übernommen. „Die Arbeit an der Seitenlinie vermisse ich gar nicht. Ich kann meine Zeit jetzt frei einteilen. Außerdem ist die Aufgabe spannend, ich kann viele meiner Erfahrungen aus unterschiedlichen Sportbereichen einbringen“, sagt Santelli.
Angebote, wieder als Cheftrainer einzusteigen, hatte er vor der Vertragsunterzeichnung in München einige erhalten: aus dem Nachwuchsbereich eines saudi-arabischen Erstligisten ebenso wie aus der U-17-Bundesliga und aus der Bayernliga der Männer. Der ehemalige Torwart und Jugendkoordinator des SV Fellbach hat aber alle abgelehnt. „Bisher habe ich alles, was ich angefangen habe, auch zu Ende gemacht. Mein Vertrag beim TSV 1860 läuft bis 2025, und ich fühle mich hier schon sehr wohl und in meiner Arbeit sehr geschätzt. Sowohl von den Vereinsverantwortlichen als auch von meinen Trainern“, sagt Ralf Santelli, der jüngst mit seinen in Osnabrück und Ludwigsburg lebenden Brüdern wieder einmal zu Besuch unter dem Kappelberg war. Der Grund: Sein Vater Lorenzo Santelli feierte seinen 80. Geburtstag.