Jürgen Kramny war Spieler und Trainer beim VfB Stuttgart, und er arbeitete im Nachwuchs bei Eintracht Frankfurt, wo er auch seinen talentierten Sohn Maurice trainierte. Was ist aus beiden geworden?
Vergangenen März war der Fußball für kurze Zeit noch mehr in den Hintergrund gerückt für Jürgen Kramny. Von dem verheerenden Brand in einem Mehrfamilienhaus in Markgröningen war auch seine Schwiegermutter betroffen. „Aber sie hat Glück gehabt“, sagt der arbeitslose Fußball-Lehrer. Er hat derzeit viel Zeit, sich um private Dinge zu kümmern.
Seit dem Ende seiner zweijährigen Tätigkeit bei der U 19 von Eintracht Frankfurt im Juni 2022 ist der 52-Jährige ohne Trainerjob. Er geht joggen, Golf spielen, mit Freunden hat er eine Darts-Runde ins Leben gerufen. Zwischendurch hat er hospitiert bei Vereinen im Ausland. Und er ist viel unterwegs auf Sportplätzen und in Stadien. „Vor allem in Stuttgart, aber auch in Mainz und in Frankfurt“, erzählt Kramny.
Natürlich sitzt er auch an diesem Samstag (18.30 Uhr/MHP-Arena) beim Bundesliga-Duell VfB gegen die Eintracht auf der Tribüne. Vielleicht gemeinsam mit seinem Sohn Maurice (22), der in der Jugend als großes Stürmertalent in Deutschland galt. Der dann aber nach zwei Bandscheibenvorfällen schon mit 19 Jahren seine Karriere beenden musste und nun ein duales Studium im Bereich Gesundheitsmanagement absolviert.
Locker, nicht verbittert
Das Beste aus der jeweiligen Situation zu machen – das gilt auch für den Papa. „Ich mache mir keinen Stress, ich warte, bis das Richtige kommt“, sagt Jürgen Kramny. Er wirkt locker, alles andere als verbittert. Auch wenn er weiß, dass er auf seinen beiden letzten Trainerstationen im Erwachsenenfußball keine Pluspunkte sammeln konnte: Er war in den letzten 18 Partien Trainer, als der VfB 2016 zum zweiten Mal nach 1975 den Gang in die zweite Liga antreten musste. Danach coachte er vom 15. November 2016 an für 14 Spiele den Zweitligisten Armina Bielefeld – ehe er dort am 14. März 2017 gefeuert wurde.
„Das waren alles nicht die besten Entscheidungen für mich“, meint Kramny im Rückblick. Deshalb rechnet er ganz realistisch, zumindest in nächster Zeit, nicht mit einem Engagement auf der großen Bühne: „Dass mir jetzt ein Erstligaangebot ins Haus flattert, ist eher unwahrscheinlich.“
Fachmann für Nachwuchs
Kramny gilt in der Branche als Fachmann für Nachwuchsfußball. Seine Stärken hat der frühere Junioren-Nationalspieler und deutsche Meister mit dem VfB (1989 mit der U 19, 1992 mit den Profis) vor allem im Übergangsbereich vom Jugend- in den Profibereich. Von 2011 bis 2015 hielt er die zweite Mannschaft des VfB stets recht souverän in der dritten Liga, zuvor hatte er die U 19 trainiert – in Stuttgart und auch bei Mainz 05. „Jeder weiß, wie es im Profizirkus zugeht, man wird brutal am Erfolg gemessen. In der Jugend lässt sich mit mehr Ruhe und nachhaltiger arbeiten“, betont Kramny.
Ruhe – die ist beim VfB derzeit hinter den Kulissen nicht vorhanden. Auf dem Spielfeld läuft es dagegen mehr als rund. „Der VfB spielt überragenden Fußball. Wenn er mal keinen Sahnetag erwischt, ist er immer noch gut und findet spielerische Lösungen. Das wird sicher für die Champions League reichen“, prophezeit der Ludwigsburger.
Umbruch bei SGE
Und die Eintracht? „Frankfurt hat die Europa League gewonnen, in der Königsklasse gespielt. Die Erwartungshaltung ist dadurch gestiegen. Doch einen Evan N’Dicka, einen Randal Kolo Muani ersetzt man nicht so leicht, zumal dann auch gleich Sasa Kalajdzic ausfiel und Sebastian Rode und Makoto Hasebe, die die Mannschaft getragen haben, älter geworden sind. Der Umbruch ist in vollem Gange, da ist der aktuelle Platz sechs keine schlechte Zwischenbilanz.“
Überhaupt sieht er den VfB und die Eintracht ähnlich aufgestellt. „Beide Vereine werden immer wieder mal Topspieler verkaufen müssen. Wichtig ist, danach nicht in ein Loch zu fallen“, sagt Kramny, der am Samstag mit einem Heimsieg der Weiß-Roten rechnet und für den der Fußball in diesen 90 Minuten auch als Zuschauer nicht in den Hintergrund rückt.