Fußball-Bundesliga Der spezielle Weg des SC Freiburg

Von Marco Seliger 

Vertrautes Freiburger Duo: Stürmer Nils Petersen mit Trainer Christian Streich Foto: dpa
Vertrautes Freiburger Duo: Stürmer Nils Petersen mit Trainer Christian Streich Foto: dpa

Vor dem Bundesliga-Saisonstart träumt der SC Freiburg von einer sorgenfreien Spielzeit – und hat dafür gute Gründe.

Stuttgart - Die Startelf des SC Freiburg im ersten Pflichtspiel dieser Saison las sich auf den ersten Blick recht unspektakulär. Bei näherem Hinsehen wurde es dann aber verdammt speziell: Schwolow – Stenzel, Gulde, Heintz, Günter – Höfler – Frantz, Gondorf – Niederlechner, Petersen, Waldschmidt. Das war die Aufstellung. Wer es auch nach genauem Studieren noch nicht weiß: Christian Streich schickte im DFB-Pokal elf deutsche Profis auf den Platz. Und machte damit mal wieder das, was sie in Freiburg im Grunde schon immer machen: alles anders.

Die Startelf vom Montag in Cottbus ist auch ein Sinnbild für den speziellen südbadischen Weg, den der SC seit Jahren bestreitet. Zu dem gehört, dass er auf Nischen angewiesen ist beim Erwerb neuer Spieler. Gut und teuer, das gibt es vielleicht beim berühmten Wein aus der Region, aber nicht beim Sportclub. Da holt man meist entwicklungsfähige Jungs, von denen man weiß, dass sie sich sofort integrieren können– wie im Falle der Neuen aus der Cottbus-Startelf Dominque Heintz, Jerome Gondorf und Luca Waldschmidt.

Mit seinen Neuzugängen macht der Club dann das, was der Präsident Fritz Keller in seinem Alltag als Winzer mit seinen Trauben macht: Man gibt den Neuen Zeit zu reifen. So, dass am Ende vielleicht ein Spitzenprodukt herauskommt, das man dann über Jahre erst dem heimischen Publikum hinweg stolz präsentieren kann – und dann irgendwann im Zweifel für ordentliches Geld weiterverkaufen kann, um seinen Standort zu stärken.

Die Fußballschule als Fundament

Wie der Wein, so der Fußball: entwickeln, optimieren, so teuer wie möglich veräußern – wenn man so will, kickt und wirtschaftet der SC nach dieser Maxime. Mit einem Trainer, der dieses Prinzip qua seiner Vita vorlebt. Christian Streich, der ehemalige Jugendtrainer und Leiter der berühmten Freiburger Fußballschule, versteht sich im Wortsinn als Fußballlehrer. Was nichts anders heißt, als dass er immer darauf aus ist, seine Jungs tatsächlich besser zu machen. Ihnen etwas beizubringen.

Das muss er allein schon deshalb, weil der SC schon immer lieber in Steine anstatt in Beine investiert – und Streich so selten komplette, reife Profis auf dem Trainingsplatz versammeln kann. Das Fundament des Vereins, die seit Jahrzehnten gepflegte Jugendarbeit mit der Fußballschule, steht über allem – und eben keine nur kurzfristig gedachten teuren Transfers.

Neuzugang Gondorf schwärmt von den Kollegen

Der SC ist und bleibt ein Ausbildungsverein. So besteht stets die Gefahr, dass die zahlungskräftigere Konkurrenz die besten Profis wegkauft – und Streich wieder von vorne entwickeln muss. Zweimal war das in den vergangenen Jahren nicht so. Im Sommer 2012 und im Sommer 2016 konnte Freiburg sein Spielergerüst halten. Ein Jahr später stand jeweils der Einzug in den Europapokal.

Wenn der Lehrer Streich seine Fußballklasse also länger als ein Jahr betreuen kann, wenn er ihr die Lerninhalte dauerhaft einbläuen kann, dann sind Ausreißer nach oben möglich – so wie in dieser Saison? Kaum namhafte Abgänge gibt es in diesem Sommer. Das Gerüst steht weiter, die Leistungsträger blieben – ebenso wie der spezielle Zusammenhalt. Neuzugang Jerome Gondorf sagt: „So etwas habe ich noch nie erlebt, die Jungs hier sind alle wie Brüder.“ Der südbadische Weg könnte nach Platz 15 im Vorjahr wieder nach oben führen.

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