Für Migranten Der Staatsdienst ist Niemandsland

Von Arnold Rieger  

  Foto: dpa
Foto: dpa

Landtag fordert mehr Zuwanderer in öffentlicher Verwaltung - gelingt bisher nur Polizei.

Stuttgart - In Niedersachsen hat es die türkischstämmige Aygül Özkan bis in den Ministerrat geschafft. In Baden-Württemberg wäre man schon froh über ein paar Landesbedienstete mit Migrationshintergrund. Ihr Anteil in Schulen oder Verwaltung ist verschwindend gering.

Baden-Württemberg ist ein Einwanderungsland, das belegen die nackten Zahlen. Etwa ein Viertel der knapp elf Millionen Einwohner haben einen Migrationshintergrund, mit rund elf Prozent Ausländern hat der Südwesten unter den Flächenländern den höchsten Anteil.

Trotzdem spiegelt sich diese Zusammensetzung nicht im öffentlichen Dienst wider: Weder in der Justiz noch in der Finanzverwaltung oder in Schulen ist eine nennenswerte Zahl von Zuwanderern beschäftigt - ob mit oder ohne deutschen Pass. Ein Umstand, den Landespolitiker fast einhellig beklagen. Lediglich die Liberalen sehen hier keinen Nachholbedarf.

Der gute Wille ist da

"Es ist zwingend notwendig, dass wir den Anteil erhöhen, denn die Migranten zeigen damit, dass sie sich mit unserem Staat identifizieren", sagt der SPD-Landesvorsitzende Nils Schmid. Auch die Grünen legen viel Wert auf diese Vorbildfunktion und fordern, dass Zuwanderer angemessen im öffentlichen Dienst repräsentiert sind. "Wir brauchen einen Ausbauplan, denn sie sind eine unheimliche Bereicherung", forderte kürzlich die Grünen-Abgeordnete Renate Rastätter in einer Landtagsdebatte. Bei vielen Christdemokraten rennt sie damit offene Türen ein. "Überall sind Kraftanstrengungen nötig, um dieses Ziel zu erreichen", sagte in derselben Debatte Günther-Martin Pauli (CDU). Sein SPD-Kollege Nikolaos Sakellariou ergänzte, es sei wichtig, dass Migranten im Alltag Landsleute träfen, "die es zu was gebracht haben".

Der gute Wille ist also da. Doch in der Praxis scheitert diese Art der Integration nur allzu oft. Gerade mal 2,2 Prozent betrug laut Sakellariou der Anteil der Migranten im öffentlichen Dienst im Jahr 2001. Vier Jahre später habe er nur noch 1,7 Prozent betragen. An den Schulen im Land seien gegenwärtig weniger als ein Prozent beschäftigt, sagte Rastätter.

Dabei hat das Kultusministerium den Grünen schon Anfang vergangenen Jahres mitgeteilt, die Integration von Schülern mit Migrationshintergrund könne durch Lehrkräfte mit ähnlicher Biografie "entscheidend gefördert" werden. Man beabsichtige deshalb, zusammen mit den Konsulaten junge Migranten für ein Lehramtsstudium zu werben.

Lesen Sie jetzt