Immer mit viel Engagement an der Seitenlinie: Füchse-Trainer Velimir Petkovic. Foto: dpa

Es geht gegen seinen Ex-Club, es geht gegen seinen Dauerrivalen Rolf Brack – und es ist die Neuauflage des EHF-Pokal-Finales vom vergangenen Mai: Für Velimir Petkovic, den Trainer von Handball-Bundesliga-Primus Füchse Berlin, ist das Duell bei Frisch Auf Göppingen aus mehreren Gründen ein besonderes Spiel.

Göppingen - In der Handball-Bundesliga steigt an diesem Donnerstag um 19 Uhr das mit Spannung erwartete Duell Frisch Auf Göppingen gegen die Füchse Berlin. Das Team von Trainer Velimir Petkovic (61) kommt als Spitzenreiter in die EWS-Arena. Bei Frisch Auf zeigte die Formkurve unter Rolf Brack (63) vor der Länderspielpause klar nach oben.

Herr Petkovic, sagen Sie bloß nicht, die Partie an diesem Donnerstag ist für Sie ein Spiel wie jedes andere.
(schmunzelt). Egal wie lange ich in meinem Leben noch Trainer sein werde, ein Spiel in Göppingen wird für mich nie ein normales Spiel sein. Ich war von 2004 bis 2013 Frisch-Auf-Trainer und habe mit diesem Verein und für diesen Verein zwei EHF-Pokal-Titel geholt. Da ist es doch völlig klar, dass Emotionen mitspielen.
Und dann treffen Sie auch noch auf Ihren langjährigen Weggefährten Rolf Brack.
Ich gebe ganz offen zu, dass es mir ein bisschen wohler wäre, wenn es bei Frisch Auf nicht zum Trainerwechsel gekommen wäre. Seit Rolf Trainer ist, zeigt die Formkurve nach oben. Er ist ein absoluter Handball-Fachmann, der 24 Stunden Handball am Tag lebt, und sich immer etwas Besonderes einfallen lässt.
Viele Jahre war Ihr Verhältnis zu Rolf Brack zerrüttet. Von Ihnen stammt sogar der Satz „Ich schüttle keine schmutzigen Hände“.
Rolf Brack hat mich 1991 als Trainer nach Deutschland geholt. Und mich nach vier Monaten beim TSV Scharnhausen in seiner Funktion als Sportdirektor entlassen. Ich fürchtete mit zwei kleinen Kindern um meine Existenz, musste in Wernau Schrauben sortieren. Das habe ich ihm lange nicht verziehen. Inzwischen haben wir eine gute, ja sogar herzliche Beziehung. Unsere Frauen sitzen beim Spiel am Donnerstag nebeneinander.
Der dritte Aspekt, der das Spiel zu etwas Speziellem macht, ist die überraschende 22:30-Niederlage Ihres Teams im EHF-Pokal-Finale vergangenen Mai gegen Frisch Auf.
Das tat weh, und das habe ich auch nicht vergessen. Doch ich werde das mit meinen Spielern nicht thematisieren. Wir wollen gewinnen, oben bleiben, doch wir brauchen einen kühlen Kopf, alles andere wäre nicht gut für mich und das Team.
Sie sind Tabellenführer, die Konkurrenz hat zum Teil schon einige Punkte gelassen, zudem verlassen am Saisonende die Schlüsselspieler Petar Nenadic und Steffen Fäth die Füchse. Müssen Sie nicht die Gunst der Stunde nutzen und diese Saison Meister werden?
Wer sagt denn, dass die Spieler definitiv weg sind? Was ist im Sport schon sicher? Klar ist, wir haben viel Qualität, und ich will in jeder Halle in Europa angreifen. Doch dass wir aktuell Tabellenführer sind, interessiert mich nicht. Ich vergleiche das mit der Tour de France: Wer anfangs die eine oder andere Etappe gewinnt, ist am Ende noch lange nicht der Champion.
Ihr Vertrag endet am Saisonende. Bleiben Sie?
Es gab noch keine Gespräche und ich verspüre auch keinerlei Druck.
Wie lautet Ihr Tipp für Donnerstag?

Wir gewinnen mit zwei Toren Unterschied.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: