Einst war der Fuchshof komplett ohne Autos geplant. Umgesetzt wird das zwar nicht so konsequent, mit den Planungen sind dennoch nicht alle zufrieden. Bis zuletzt geht es um die Zahl der Parkplätze.
Der Wohnpark im Fuchshof, das Vorzeigeprojekt in Ludwigsburg, kommt. Den Flächennutzungsplan und den Bebauungsplan hat der Gemeinderat nun beschlossen, die Stadt hat alle Grundstücke, die sie für die Realisierung braucht, inzwischen gekauft. Vor gut 15 Jahren war die Idee erstmals aufgekommen, 2015 entschied der Gemeinderat das Areal einer Gärtnerei als Wohngebiet zu entwickeln. Am Ende ging es aber wieder einmal weniger ums Wohnen sondern vor allem ums Parken.
Oberbürgermeister Matthias Knecht sprach von einem „Meilenstein“; Baubürgermeisterin Andrea Schwarz war bemüht, die Vorzüge des Projekts hervorzuheben: verschiedene Wohnformen – insgesamt sind 530 Wohnungen für bis zu 1300 Menschen angedacht – mit Angeboten für verschieden große Geldbeutel, viel Grün, Freiflächen für Kinder zum Spielen, das Prinzip der Schwammstadt, das umgesetzt wird, Klimaneutralität. Ursprünglich war ein komplett autofreies Quartier geplant, davon ist man ein Stück weit abgerückt. Nun wird es aber immerhin ein „autoarmes“ Wohngebiet.
Das eigentliche Problem: wo parken Sportler und Zuschauer?
Apropos Autos: Wie viele Abstellmöglichkeiten es für sie geben sollte, das ist ein ewiger Streitpunkt. Je nachdem, wen man fragt, sind es deutlich zu wenige (CDU, FDP) oder immer noch viel zu viele (Grüne). Je nach Wohnungsgröße ist ein Stellplatzschlüssel zwischen 0,6 und 1,2 festgeschrieben. Über das komplette Gebiet gerechnet sind es laut Schwarz 0,9 Stellplätze pro Wohnung. Christine Knoß (Grüne) sprach von einem „guten Kompromiss“, ihre Fraktion hätte gerne mehr vergünstigten Wohnraum gehabt. Der CDU hielt sie vor, für Stillstand zu stehen. Deren Vertreter Maik Braumann argumentierte mit steigenden Zulassungszahlen und wies daraufhin, dass seine Fraktion bereits Abstriche gemacht habe. Jochen Eisele (FDP) wollte wissen, warum denn nicht weitere Tiefgaragen gebaut werden – geplant ist für die Öffentlichkeit „nur“ eine Quartiersgarage. Liberale und Christdemokraten votierten am Ende sogar wegen der Parkplatzfrage gegen den Bebauungsplan.
Margit Liepins (SPD) nannte es „grenzwertig“ wegen 0,1 Stellplätzen pro Wohnung so ein Fass aufzumachen. Es gelte, nicht das nächste Großprojekt in Ludwigsburg zu vertrödeln. Das Kernprobleme sei das Sportareal auf der anderen Seite der Fuchshofstraße. Dort entsteht unter anderem ein neues Großspielfeld und eine Sporthalle. „Mehr Stellplätze im Wohngebiet lösen die Probleme dort nicht“, so Liepins.
Tiefgaragenplätze würden Wohnungen verteuern
Eigentlich geplante Parkhäuser werden erst einmal nicht gebaut (Berliner Platz) oder abgespeckt (Wegfall einer Ebene an der neuen Oststadthalle), weil sie nicht mehr finanzierbar sind. Der Mobilitätsausschuss hat unlängst weitere 50 Stellplätze am neuen Großspielfeld beschlossen, zudem müssen Autofahrer für bisher kostenlose Parkplätze bald zahlen. Aus Sicht der Verwaltung reichen die Stellplätze nun aus.
Bernhard Remmele (Freie Wähler) befürchtet, dass Sportler und Zuschauer letztlich ins Wohngebiet ausweichen werden. Für seine Fraktion gab es „zu viele offene Fragen“, weshalb sie sich geschlossen enthielt.
Dass man sich gegen mehr Tiefgaragenplätze für die Öffentlichkeit im Wohngebiet entschieden hat, liegt laut Andrea Schwarz daran, dass sie die Wohnungen drastisch verteuern würden. Wohnung günstig anbieten könne man so nicht mehr. Jürgen Müller (Linke) betonte diesen Umstand auch, er forderte, schon bei der Vermarktung „klipp und klar“ zu kommunizieren, dass es wenige Parkplätze im Viertel gibt.