Genießt die Zeit mit ihrer Familie: Angela Wehrmann, ihr Mann Johannes und die Söhne Jonas (vorne) und Leon. Foto: privat

Vor gut einem Jahr bekam Angela Wehrmann die Diagnose Leukämie, im Juli war die Stammzell-Transplantation: Wie geht es der ehemaligen Bürgerin von Korntal-Münchingen heute?

Rangendingen/Korntal-Münchingen - An den tiefsten Tiefpunkt seit ihrer Stammzell-Transplantation denkt Angela Wehrmann mit Schrecken zurück: Vor einigen Monaten, nachdem die Ärzte ihr wieder einmal Knochenmark entnommen hatten, stellten sie fest, dass ein Wert „minimal positiv“ ist. Das bedeutet: In ihrem Körper befindet sich eine geringe Menge an Krebszellen. „Ich hatte so Angst, dass die Leukämie wieder ausbricht, ich war echt fertig“, erzählt die 33-Jährige.

Knochenmark wird alle drei Monate untersucht

Drei Monate lang bangte die junge Frau aus Rangendingen (Zollernalbkreis), wo sie vor neun Jahren von Korntal-Münchingen hingezogen ist. „Ich musste bis zur nächsten Untersuchung warten. Wäre der Wert dann immer noch positiv, hätte ich Stammzellen benötigt oder Chemotabletten nehmen müssen“, sagt Angela Wehrmann.

Sie bekam Entwarnung. Jener Wert war unauffällig, das Immunsystem hat die Krebszellen erfolgreich bekämpft. Wären diese bereits ins Blut gelangt, hätte Angela Wehrmann einen Rückfall und wieder Leukämie gehabt. Um dies zu verhindern, lässt sie ihr Knochenmark alle drei Monate untersuchen. Nach zwei Wochen liegt das Ergebnis dann vor. „Ich bin kein Angstmensch“, sagt Angela Wehrmann, trotzdem sei die Beklemmung in der Wartezeit präsenter als sonst – zumal das erste Jahr nach der Transplantation am kritischsten ist. Wie gut genest der Patient mit den neuen Stammzellen? Das ist die bange Frage.

„Kampf erst nach fünf Jahren gewonnen“

„Mit der Situation komme ich zurecht. Es sieht gut bei mir aus, und ich habe keinen Krebs mehr, aber den Kampf habe ich erst nach fünf Jahren gewonnen“, meint Angela Wehrmann. Erst nach dieser Zeit ist ihre Wahrscheinlichkeit, an Krebs zu erkranken, so hoch wie bei gesunden Menschen.

Gut ein Jahr ist es her, dass die Mutter von zwei Söhnen die Diagnose akute lymphatische Leukämie erhielt. Das ist eine Form von Blutkrebs. Auf lange Klinikaufenthalte folgten anstrengende Chemotherapien – und Ende Juli eine Stammzell-Transplantation. Wenige Wochen später erklärten die Ärzte Angela Wehrmann für geheilt. Aus ihrer Sicht ist die 33-Jährige ein kleines Wunder: Sie ging krebsfrei in die Transplantation, die rasch anschlug.

Leben wenig planbar

Der Krebs ist zwar besiegt, doch ihr altes Leben hat Angela Wehrmann noch lange nicht zurück. Es sei nun vielmehr ein „anderes Leben“ mit Hochs und Tiefs. Sie sei auch nicht mehr die alte „Angi“.

Die 33-Jährige ist oft krank, weil ihr Immunsystem noch geschwächt ist. Hinzu kommt, dass ihre Kinder ständig Viren und Bakterien anschleppen. Ihr Immunsystem wird sich erst nach ein, zwei Jahren eingependelt haben. „Ich kann nur wenig planen. Dass ich wieder als Lehrerin arbeite oder Fitnesskurse gebe, ist deshalb momentan unvorstellbar“, sagt Angela Wehrmann.

Mal hundemüde, mal überaktiv

An manchen Tagen schlafe sie nur. An anderen Tagen sei sie dafür überaktiv. Sie tanzt dann Zumba, geht ins Fitnessstudio oder einkaufen. Grundsätzlich hat ihr Körper die Chemotherapie gut überstanden: Ihre Haare wachsen nach, die Zähne sind in Ordnung, die Wassereinlagerungen verschwunden. „Ich fühle mich wohl in meiner Haut“, sagt Angela Wehrmann, die Wert auf ihr Aussehen legt. Besonders wichtig waren ihr schon immer ihre Haare. Die will sie unbedingt wieder blondieren.

Die Familie aber steht an erster Stelle. „Ich bin zufrieden, dass ich wieder allein auf meine Kinder aufpassen kann, und will noch viel mit ihnen erleben“, sagt die 33-Jährige. Gleichwohl ist sie ruhiger geworden. Denn sie hält es für denkbar, dass sie ihrem Körper vor der Krankheit zu viel zugemutet hat. „Ich habe früher alles mitgemacht, wollte so viel wie möglich erleben, hatte immer Action. Irgendwas muss im Ungleichgewicht gewesen sein.“

Briewechsel mit der Spenderin

Inzwischen hat sie Post von ihrer Spenderin bekommen, eine junge Frau aus Deutschland. Persönlich treffen dürfen sich die beiden erst zwei Jahre nach der Stammzell-Spende. Bis dahin sind Spender für „ihre“ Patienten „reserviert“, falls diese erneut Zellen brauchen. „Sie schrieb, dass sie sofort wieder spenden würde“, berichtet Angela Wehrmann. Was sie ungemein beruhigt. „Das ist ein großer Segen.“

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