Mit Einweihung der neuen Ortsmitte führt Frickenhausen Parkgebühren ein. Foto: Ines Rudel

Die Gemeinde Frickenhausen im Kreis Esslingen kassiert Autofahrer künftig über die Parkster-App ab. Nicht nur die Stellplätze in der neuen Tiefgarage werden gebührenpflichtig. Das sind die Gründe dafür.

In wenigen Wochen soll die neugestaltete Ortsmitte Frickenhausen eingeweiht werden. Sie wird den Einzelhandelsstandort erheblich stärken, ist Simon Blessing, der Bürgermeister der gut 9300 Einwohner zählenden Kreisgemeinde, überzeugt. Die höhere Anziehungskraft hat aber ihren Preis: Das Parken an den Straßenrändern im Ortskern sowie in der neuen Tiefgarage wird künftig nicht mehr gratis sein. Von Montag bis Samstag, jeweils von 8 bis 18 Uhr, wird künftig abkassiert.

 

Die Einführung eines Parkraummanagements sei nötig, um einen Teil der Investitionskosten zu decken, erläutert Blessing in einer Mitteilung. Die Gemeinde habe in der Tiefgarage 50 Stellplätze für die Öffentlichkeit gekauft. Abzüglich des Zuschusses aus dem Fördertopf des Landes für Sanierungsgebiete – immerhin 450 000 Euro – habe das knapp 1,4 Millionen Euro gekostet. „Dieser Preis war es dem Gemeinderat und mir wert, die Parksituation in der Ortsmitte deutlich zu verbessern und der Bürgerschaft ein hervorragendes Nahversorgungsangebot zu sichern.“

Finanziert wird das Ganze über den Eigenbetrieb Wasser. Doch damit „letztendlich der bezahlt, der den Parkplatz nutzt und nicht der Gebührenzahler über die Wassergebühren“, seien Parkgebühren zwingend notwendig. Blessing rechnet vor: Ein Verzicht auf diese Einnahmen würde bedeuten, das pro Kubikmeter Wasser 15 Cent vom Verbraucher erhoben werden müssten. „Unsere neue Tiefgarage würde eine vierköpfige Familie über die Wassergebühr zwei Euro im Monat kosten.“

Doch das ist nicht der einzige Grund für die Einführung einer flächendeckenden Parkraumbewirtschaftung. „Gebühren sind ein sehr wirksames Mittel, um Parkraumverkehr zu lenken“, räumt Blessing ein. Würde man nur für die Tiefgarage Geld verlangen, würden Autofahrer die oberirdischen Gratis-Stellplätze bevorzugen. „Gerade in der Ortsmitte haben wir täglich verkehrliche Situationen, die durch sinnvolleres Parken vermieden werden könnten“, sagt der Bürgermeister.

App gilt als preisgünstigste Option

Auf Parkscheinautomaten will die Gemeinde verzichten. Denn die sind teuer – laut Blessing kostet ein herkömmliches Gerät mindestens 15 000 Euro plus Lizenz- und Unterhaltungskosten. Deshalb setzt man auf die Parkster-App, die „eine der günstigsten Optionen“ sei: An die Firma müsse nur ein kleiner prozentualer Anteil abgeführt werden, der Großteil der eingenommenen Gebühren ginge an die Kommune, erläutert der Schultes. Um aber auch jenen Menschen ein Angebot zu machen, die nicht so fit sind mit dem Smartphone, soll zumindest in der Tiefgarage ein einfacher Parkscheinautomat aufgestellt werden, den man mit Münzen füttern kann.

Was wird das Parken künftig kosten? Das steht noch nicht konkret fest. Denn dem Gemeinderat, der dem Konzept grundsätzlich zugestimmt hat, waren die Gebührenvorschläge des Bürgermeisters zu niedrig. Diese sahen 50 Cent für zwei Stunden vor, ein halber Tag sollte ein Euro kosten, ein Anwohnerparkausweis fünf Euro im Monat und einen Tiefgaragenstellplatz hätte man für monatlich 60 Euro anmieten können. Die erste halbe Stunde auf den oberirdischen Parkplätzen sollte laut Blessing frei sein, in der Tiefgarage sogar eine ganze Stunde.

Der Gemeinderat plädiert dafür, dass das Parken künftig generell ein Euro pro Stunde kostet und nur in der Tiefgarage die ersten 30 Minuten umsonst ist. Die Gebühren für die Anwohnerparkausweise und die Stellplatzvermietung in der Tiefgarage sollen ebenso leicht nach oben korrigiert werden, fordert das Gremium. Jetzt erarbeitet die Verwaltung neue Gebührenvorschläge. Entschieden wird über die Tarife in einer der nächsten Ratssitzungen.