Hier dürfen sich alle Skater, Boarder und sonstige Freestyler austoben Foto: factum/Bach

Ein Architekt aus Leonberg hat an der A 8 bei Rutesheim eine neue Pilgerstätte für Menschen hingestellt, die für ihr Leben gern Kunststücke mit Skateboard, Snowboard oder Ski vollführen. Er und ein Investor haben drei Millionen Euro in die Freestyle-Academy Stuttgart investiert.

Stuttgart/Rutesheim - Die Aussicht vom Sprungturm ist überwältigend. Neun Meter über dem Hallenboden beginnt die Sprungschanze, die Kenner Kicker nennen, weil sie einen am Ende fast senkrecht nach oben katapultiert. Dahinter liegt das laut Betreiber größte Luftkissen Europas, in dem der Snowboarder oder Freeskier nach einigen Metern Flug landet.

„Das ist richtig geil hier“

Vier Schanzen auch für alles, was Rollen hat, vom Bobby-Car bis zum BMX-Rad, eine etwa 30 Meter lange Trickskipiste, eine Kletterwand, eine Trampolinlandschaft, zwei große Bereiche für Skateboarder oder Inliner und das Ganze noch mal in Klein für Kinder breiten sich unter dem Beobachter aus. Ein Traum wohl für jeden, der schon einmal Tricks mit Brettern unter den Füßen gemacht hat, steht im Gewerbegebiet an der A 8 in Richtung Karlsruhe.

„Das ist richtig geil hier“, sagt Matthias Schwab. Der 25-Jährige springt mit seinem Skateboard in eine Art überdimensionale Salatschüssel mit mehreren Ausbuchtungen, Bowl genannt, rast durch den Boden und kehrt nach ein paar Kunststücken wieder zurück. Schwab ist 14 Jahre in der Skateboard-Halle Bad Cannstatt zu Hause gewesen – deren Zukunft ungewiss ist –, jetzt arbeitet er zusammen mit Merlin Ninkov, ebenfalls aus Stuttgart, als Skateboard-Lehrer in der Freestyle-Academy. Schwab fühlt sich bestens aufgehoben: „Die Anlage ist echt gut gemacht“, sagt er – und legt los.

Der Freestyle-Tempel ist nicht fürs Plaudern ausgelegt, hier ist Action. Das war das Thema, das den Leonberger Bauunternehmer Cliff Rohrbach auf die Idee brachte, mal was anderes zu bauen als Büros und Mehrfamilienhäuser. Der 44-Jährige war mit Frau und vier Kindern im Skiurlaub im schweizerischen Laax, als der Skilehrer der beiden Älteren an einem Tag mit lausigem Wetter vorschlug, in die Original-Freestyle-Academy zu gehen.

„Luis und Helen waren so begeistert, dass sie auch den Rest der Woche nur noch in die Halle wollten“, erinnert sich Rohrbach, „die waren nicht mehr rauszukriegen“. Mit Müh und Not konnte er mit dem Zwölfjährigen und der Neunjährigen vereinbaren, erst nach getaner Pisten-Arbeit auf die Teppich-Schanzen zu gehen. So ging das die restlichen vier Abende.

Das Ganze kostet drei Millionen Euro

Wieder zurück in Leonberg-Höfingen, reifte in Rohrbach der Entschluss, so was selbst auf die Beine zu stellen. Nicht nur wegen der eigenen Kinder, sondern weil er deren Reaktionen so oder so ähnlich in Laax bei weiteren 60 Besuchern beobachtete. Rohrbach ist selbst exzellenter Skifahrer und war Ende der 80er Jahre unter den ersten Snowboardern. Trendsportarten sind auch heute angesagt – je spektakulärer sie sind, desto mehr. Deshalb rechnet Rohrbach mit viel Zuspruch nicht nur der Jüngeren.

„Außerdem bin ich im Bauen zu Hause und muss mir das nicht von irgendjemandem hinstellen lassen“, sagt er, der von einem „kalkulierbaren Risiko“ spricht. Das Ganze kostet drei Millionen Euro: Ein Investor bezahlt Grundstücke und Halle, Rohrbach baut dieselbe mit 1600 Quadratmetern noch 200 größer als in Laax, steuert das Innenleben bei, das die Laaxer geplant haben, und ist auch Betreiber mit vier festangestellten und etwa 30 freien Mitarbeitern. Der 44-Jährige hat zudem die Rechte für weitere Ableger in Europa außerhalb der Schweiz.

Der Eintritt in die Halle wird einem nicht geschenkt. Wer das Angebot nutzen will, muss zunächst einen Einführungskurs besuchen, der 25 Euro für Kinder, 30 für Jugendliche und 35 für Erwachsene kostet. Dafür wird man von Trainern in allen Bereichen eingewiesen, kann zweieinhalb Stunden alles ausprobieren, und der Spaß kommt nicht zu kurz. Die Teilnehmer der ersten Probekurse in der vergangenen Woche waren sichtlich begeistert. Danach kostet der Einzeleintritt für alle Bereiche 13 bis 23 Euro für zweieinhalb Stunden. Man kann aber zum Beispiel auch nur skaten für vier bis sechs Euro. Oder man sitzt im Café hoch oben, guckt und zahlt lediglich das Getränk.

„Die Academy ist quasi das, was ich als Kind gern gehabt hätte“, gibt Cliff Rohrbach dem Ganzen zum Schluss eine emotionale Note. Die Jungen haben es von Sonntag an.

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