Die Pia hat im Frauenhaus wieder lachen gelernt Foto: Frauen helfen Frauen e. V. / Regina Winter

Kinder, die mit ihren Müttern vor dem prügelnden Vater ins Frauenhaus flüchten, sind oft traumatisiert. Das Buch „Pia zieht ins Frauenhaus“ soll ihnen helfen, mit der Situation klar zu kommen.

Stuttgart - Auf dem Umschlag des Bilderbuchs sieht man Pia, wie sie vor dem Frauenhaus herumtobt. Sie ist ein fröhliches, ausgelassenes Kind. Doch Pia, die achtjährige Buchheldin, hat einen langen Leidensweg hinter sich – wie alle Jungen und Mädchen, die mit ihren Müttern im Frauenhaus leben. Sie war immer wieder dabei, als der Vater die Mutter verprügelte, wurde selbst geschlagen und hat erlebt, wie die Polizei den Vater schließlich abholte. Obwohl der Vater einen Wohnungsverweis hat, fühlt sich Pias Mutter zu Hause nicht mehr sicher und zieht mit der Tochter ins Frauenhaus.

„Das Leben im Frauenhaus und häusliche Gewalt ist ein Tabuthema“, sagt Barbara Rossmann vom Frauenhaus Stuttgart. Sie ist Mitautorin des Bilderbuchs, das die Geschichte Pias vom Einzug ins Frauenhaus bis zum Neuanfang in der eigenen Wohnung erzählt. Was sie dabei durchlebt, wissen die vier Autorinnen, alles langjährige Mitarbeiterinnen in Frauenhäusern in Baden-Württemberg und Bayern, aus ihrer täglichen Erfahrung: „Die Jungen und Mädchen sind in ihren Gefühlen gegenüber den Vätern sehr ambivalent. Einerseits lieben sie sie, andererseits haben sie aber auch große Angst vor ihnen“, sagt Rossmann. Der größte Wunsch aller Kinder sei, dass der Vater die Verantwortung für sein Tun übernimmt und die Bereitschaft zeigt, sich zu ändern.

Im Buch wird das aufgegriffen, als Pia ihren Mut zusammennimmt, dem Vater gesteht: „Ich hatte viel Angst“, und ihn fragt, ob er nicht „so einen Kurs wie Pedros Vater“ machen möchte. Der lehnt die Therapie ab.

Mit Optimismus in die Zukunft

Thematisiert in Wort und Bild sind in dem Buch auch die Behördengänge zu Jugendamt und Gericht. Die Illustration im Buch zeigt eine ganz kleine Pia mit Teddy auf dem Arm und einen langen Flur mit vielen Türen. „Die Gerichte sind angehalten, innerhalb von vier Wochen den Umgang zwischen dem gewalttätigen Elternteil und dem Kind zu klären“, sagt Bettina Lindner, Fachanwältin für Familienrecht in Stuttgart, und verweist auf wissenschaftliche Untersuchungen, die belegen, dass Gewalt zwischen den Eltern psychische Schäden bei den Kindern zur Folge hat. Die Expertinnen sind sich einig, dass die zügige Bearbeitung Mütter und ihre Kinder kurz nach dem Einzug ins Frauenhaus unter Druck setzt und ihnen keine Zeit lässt, sich zu stabilisieren.

Mitunter könne es für das Kindeswohl besser sein, den Umgang mit dem prügelnden Vater eine Zeit lang auszusetzen, sagt Lindner. Im Falle Pias wird ein durchaus realistischer Kompromiss gefunden: Pias Vater darf die Tochter vorläufig nur treffen, wenn eine Mitarbeiterin vom Kinderschutzbund dabei ist. „Väter, die sich nicht für ihr Kind interessieren, sondern über das Kind Druck auf die Mutter ausüben wollen, werden die Termine bald nicht mehr einhalten und aufgeben“, stellt Lindner fest.

Im Buch ist nach vier Monaten die Zeit im Frauenhaus vorbei. Pia zieht mit ihrer Mutter in eine eigene Wohnung. Mit flauem Gefühl im Bauch, aber auch einer großen Portion Optimismus schlagen Mutter und Tochter ein neues Kapitel in ihrem Leben auf. Wir hoffen, dass das Buch viele betroffene Kinder erreicht und ihnen hilft, Handlungsmöglichkeiten zu entdecken“, sagt Rossmann.

Das Buch ist zum Vorlesen und Angucken für fünf- bis zwölfjährige Kinder in Schulen, Kindergärten und Frauenhäusern gedacht. Kosten: fünf Euro plus Versand. Zu bestellen unter info@interventionsstelle-heidelberg.de

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