Ein Flüchtling, eines der Fotos, die im Weissacher Rathaus zu sehen sind Foto: Stoppel

Am Sonntag ist im Rathaus von Weissach im Tal eine Fotoausstellung eröffnet worden, die vor allem ein Ziel hat: „Flüchtlingen ein Gesicht geben“.

Weissach im Tal - Ein vorsichtiges Lachen, viele nachdenkliche Blicke, Augen, aus denen oft eine Ahnung von Traurigkeit spricht. Im Rathaus von Unterweissach ist am Sonntag eine Fotoausstellung eröffnet worden, die laut dem Titel „Flüchtlingen ein Gesicht geben“ soll. Die 22 Aufnahmen hat der Kommunikations­student Sergio Oliveira im Rahmen eines Semesterprojektes gemacht und gestaltet. Er habe, sagte er bei der Ausstellungseröffnung am Sonntag, vor allem dies zeigen wollen: „Die Flüchtlinge sind kein Kollektiv. Das sind Menschen wie du und ich.“

Weissach im Tal ist kein beliebiger Ort , um ein solches Projekt zu starten. Ende ­August brannte in der Gemeinde ein Asylbewerberheim. Die Flammen wurden deutschlandweit zum Symbol für eine Welle von fremdenfeindlichen Übergriffen, für das sogenannte Dunkeldeutschland. „Das war ein eindrückliches Symbol“, sagt die Designprofessorin Michaela Köhler von der privaten Hochschule für Kommunikation und Gestaltung in Stuttgart. Ein Studienprojekt, das die Hochschule noch vor dem Brand mit der Gemeinde vereinbart hatte, änderte seine Ausrichtung. „Identität und Marke“ waren für den Ort quasi über Nacht ganz ­andere Begriffe. „Wir haben Weissach aber als eine sehr vielfältige, offene Gemeinde erlebt“, sagt Sybille Wohlfarth, ebenfalls Designprofessorin. Acht Studierende nahmen sich der Herausforderung an, dies darzustellen. Sergio Oliveira wählte sich selbst die Aufgabe, Flüchtlinge aus der Gemeinde zu fotografieren.

Über eigene Recherchen sei er auf das Basärle gestoßen, berichtet Sergio Oliveira, eine Art Flohmarkt, auf dem sich Flüchtlinge mit Kleidern und Alltagsgegenständen versorgen können. Über die Betreuer habe er deren Vertrauen gewonnen, an mehreren Tagen seien die Flüchtlinge dann zum Fototermin in das Basärle eingeladen worden. Keine gestellten Situationen habe er damit einfangen wollen, betont der Designstudent. Er habe vielmehr für die Aus­stellung Aufnahmen gewählt, welche die Flüchtlinge in normalen, spontanen ­Momenten zeigten.

Und dennoch spricht aus vielen der Gesichter eine Schwere, der sich die Betrachter nicht entziehen können. Besonders eindrucksvoll zu sehen ist das in den Augen eines sechsjährigen Mädchens, das den Blick einer Erwachsenen hat. Er habe das Foto ins Treppenhaus des Rathauses ­gehängt, sagt Sergio Oliveira. Bei der Vernissage am Sonntag sei er etliche Male ­darauf angesprochen worden, ob er dieses Dunkeldeutschland habe darstellen wollen. Nein, sagt Sergio Oliveira. Er habe nur hervorheben wollen, dass jeder der Flüchtlinge eine eigenständige, besondere Person sei. Das Thema habe ihn aber nicht unberührt gelassen – er könne sich vorstellen, es in einem anderen Rahmen zu wiederholen.

Die Ausstellung zeige, dass Weissach im Tal für Vielfalt stehe, sagt der Bürgermeister Ian Schölzel – und eben nicht nur für ­jenes brennende Haus. Die Ausstellungs­eröffnung, die bis zum letzten Platz gefüllt war, hat am Sonntag gezeigt, dass die Weissacher daran das größte Interesse haben.

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