Die durchschnittlich stabile Sparquote verdeckt erhebliche Unterschiede. Foto: imago stock&people

Laut einer Umfrage legen 25 Prozent der Deutschen keinerlei Geld zurück. Noch vor einem Jahr lag der Anteil der Nichtsparer mit 17 Prozent deutlich niedriger. Besonders betroffen sind Geringverdiener.

Frankfurt - Immer mehr Deutsche legen keinerlei Geld zurück. 25 Prozent der Bundesbürger gaben in der jüngsten Umfrage des Bundes der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) an, „nichts“ zu sparen. In der Vorgänger-Umfrage 2016 hatten sich nur 17 Prozent der Befragten entsprechend geäußert.

Besonders deutlich falle der Anstieg in den unteren Einkommensklassen aus, schrieb der BVR am Donnerstag in einer Analyse zum bevorstehenden Weltspartag. Unter den Befragten mit einem Nettoeinkommen unter 1000 Euro habe sich der Anteil der Nichtsparer von 29 auf 36 Prozent erhöht. In der Gruppe mit Einkommen zwischen 1000 und 2000 Euro stieg er von 16 auf 23 Prozent. Bei den Beziehern von Nettoeinkommen zwischen 2000 und 3000 Euro gab immerhin noch jeder Zehnte an, nichts zu sparen. Die Zahlen stammen aus einer Umfrage unter 2500 Bundesbürgern vom Mai, die erst jetzt in Auszügen veröffentlicht wurde.

Verband sieht Ursache in den niedrigen Zinsen

Die Ergebnisse zeigten, dass sich „ein zunehmender Anteil der Bevölkerung wegen der anhaltend niedrigen Verzinsung von konservativen Sparprodukten vom Sparen abwendet“, schreibt der BVR. Allerdings wurden die Motive der Befragten nicht ausgewertet. Inwieweit die Abkehr vom Sparen tatsächlich mit den Zinsen oder etwa mit den steigenden Lebenshaltungskosten zusammenhängt, ist daher ungewiss. Im Bevölkerungsschnitt ist die Sparquote, also das Verhältnis der Ersparnisse zum verfügbaren Einkommen, kaum gesunken. Sie lag 2016 bei 9,7 Prozent und damit nur knapp unter dem Niveau von zehn Prozent in den Jahren vor der Finanzkrise, auf die Notenbanken weltweit mit drastischen Zinssenkungen reagierten. Offenbar legen diejenigen Deutschen, die sparen, steigende Summen zurück.

Unternehmen ziehen Geld von Bankkonten ab

Unternehmen wiederum reagieren auf Mini- und Strafzinsen, indem sie einen Teil ihres Geldes von Bankkonten in andere Anlageformen umschichten. Das geht aus einer Umfrage der Fachhochschule des Mittelstands (FHM) im Auftrag der Commerzbank hervor. Der Anteil mittelständischer Betriebe, die größere Summen als Sichteinlagen bei Banken verwahren, ist demnach von 75 Prozent im Jahr 2015 auf 54 Prozent gesunken. Auch die Beliebtheit von Termineinlagen und Festgeld hat deutlich abgenommen. Viele Banken, auch die Commerzbank, verlangen für solche Einlagen von Unternehmen derzeit Gebühren. Der Grund ist, dass die Geldhäuser selbst für das Parken von Überschüssen bei der Europäischen Zentralbank Strafzinsen zahlen müssen.

Der Umfrage zufolge sinkt der Anteil der Unternehmen, die aktuell noch Geld neu anlegen wollen. Nur 39 Prozent der 130 befragten Entscheider sehen derzeit Anlagebedarf , 2016 waren es noch 58 Prozent. Laut Interviews mit einzelnen Managern hätten viele Unternehmen ihre Investitionstätigkeit erhöht, heißt es in der Studie.

  
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