Wird aus drei eins? Lufthansa würde gerne große Teile von Air Berlin und deren Tochter Niki übernehmen, die EU-Kommission hat aber noch Bedenken. Foto: dpa

Die Übernahme der Air-Berlin-Töchter Niki und LGW durch die Lufthansa könnte den Wettbewerb in Europa einschränken, daher wird durch die EU-Kommission genau geprüft, welche Auswirkungen der Deal hat.

Frankfurt/Brüssel - Die Insolvenz des Konkurrenten Air Berlin bereitet der Lufthansa doch mehr Kopfzerbrechen als gedacht. Auf der einen Seite will die Brüsseler Wettbewerbsbehörde die angestrebte Übernahme der Air-Berlin-Töchter Nikki und LGW doch intensiver prüfen, auf der anderen Seite nimmt das Bundeskartellamt die Flugpreise innerhalb Deutschlands ins Visier. Man werde die Bedenken der Wettbewerbshüter aber ausräumen können, hieß es am Freitag bei der Lufthansa.

Bis zum 21. Dezember will die EU nun entscheiden, ob die Übernahme gegen das Wettbewerbsrecht verstößt. Am Donnerstag hatte die Kranichlinie ein Maßnahmenpaket in Brüssel vorgelegt, mit dem die Bedenken an einer zu großen Marktmacht zerstreut werden sollten. Dabei geht es dem Vernehmen nach vor allem um den Verzicht auf Start- und Landerechte (sogenannte Slots) auf bestimmten Strecken. Auf den ersten Blick konnte die Lufthansa die Brüsseler Kontrolleure damit jedoch offenbar nicht überzeugen, so dass nun eine weitere Prüfung stattfindet. In Brüssel werden die Chancen für die Lufthansa für eine erfolgreiche Übernahme eher skeptisch eingeschätzt. Wie in Brüssel zu hören ist, gebe es über 100 Überschneidungen bei den Streckennetzen der Airlines. Der Konzentrationsprozess auf dem Luftfahrtmarkt sei in Deutschland bereits weit fortgeschritten.

Kranich-Linie erhielt Zuschlag im Oktober

Die Kranich-Linie hatte im Oktober von Air Berlin den Zuschlag für die Töchter Niki und LGW für rund 210 Millionen Euro bekommen. Die Brüsseler Wettbewerbshüter können ihre Prüfung in schwierigen Fällen auf 90 Werktage verlängern. Im dem Fall würde die Lufthansa wohl die aktuelle Zwischenfinanzierung von Niki einstellen. Dann wäre die Fluglinie wahrscheinlich ebenfalls pleite und der Flugbetrieb mit derzeit 35 Maschinen müsste eingestellt werden.

Experten rechnen damit, dass die EU-Kommission den sogenannten Markttest macht und zu den Vorschlägen der Lufthansa Stellungnahmen konkurrierender Airlines einholt. Offen ist, ob dabei auch das gesamte Geschäft mit Air Berlin ins Wanken gerät. Möglicherweise müsste Lufthansa die Übernahme von LGW erneut bei der EU anmelden. Die Lufthansa hat wiederholt bekräftigt, dass sie auch ohne den Zuschlag bei Air Berlin ihre eigene Billigflugtochter Eurowings ausbauen will, dafür will Konzernchef Carsten Spohr rund 1,5 Milliarden Euro einplanen. 3000 neue Stellen sollen geschaffen werden.

Vorwurf zurückgewiesen

Den Vorwurf, dass sich der Marktführer durch den Ausfall von Air Berlin zumindest auf innerdeutschen Strecken einen Vorteil verschafft und die Preise erhöht habe, weist das Unternehmen entschieden zurück. Man habe im März 2016 das Preissystem mit 17 unterschiedlichen Tarifen für innerdeutsche Flüge zuletzt festgelegt, sagte ein Lufthansa-Manager. Seitdem habe man die Preise „nicht angefasst“. Je nachdem, wann ein Passagier sein Ticket bucht und damit die Auslastung der Maschinen steigt, erhöhe sich auch der Preis. Durch den Ausfall von Air Berlin habe sich zwar der Zeitpunkt, wann die Zahl der Restplätze sinkt, in den letzten sechs Wochen vor Abflug schon nach vorne verschoben, das System habe sich aber nicht geändert.

Um den Ausfall von Air Berlin auszugleichen – nicht zuletzt auch wegen der vielen Umsteiger auf interkontinentale Flüge – habe die Lufthansa seit Oktober größere Flugzeuge eingesetzt. Dies sei nicht immer betriebswirtschaftlich sinnvoll, wie etwa beim Jumbo-Jet 474, der doppelt so hohe Kosten verursacht wie ein üblicher Inlandsflieger, sei aber eine bewusste Strategie des Konzerns, um die Gäste zu halten beziehungsweise neue zu gewinnen.

Tickets in günstigster Klasse schnell ausgebucht

Der Konzern hat nach eigenen Angaben mit seinen Netzwerk-Airlines Lufthansa, Austrian und Swiss rund 50 Prozent der Air-Berlin-Kapazität auf den zehn wichtigsten Strecken im deutschsprachigen Raum ausgeglichen. Es sei aber wegen der erhöhten Nachfrage im Dezember weiterhin so, dass günstige Klassen für die jeweilige Verbindung wesentlich früher ausverkauft seien und dann nur noch entsprechend teurere Tickets angeboten würden, erklärte ein Sprecher. Die jeweilige Größe der insgesamt 17 Buchungsklassen sei ebenfalls nicht verändert worden, so dass der Erlös für einen voll besetzten Flieger gleich bleibe. Das sei eine bewusste Entscheidung gewesen, um wichtige Kundengruppen nicht zu vergraulen oder an den Konkurrenten Bahn zu verlieren. Höhere Durchschnittspreise erziele man allein dadurch, dass man zusätzliche Kapazitäten in den Markt gegeben habe, um die von Air Berlin nicht mehr angebotenen Flugleistungen zu ersetzen. Diese zusätzlichen Plätze seien wegen der kurzen Fristen zwischen Angebot und Flug in durchschnittlich höheren Preisklassen verkauft worden.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: