Vom Flughafen Frankfurt (Bild) soll es für einen Esslinger am Montag nach Miami gehen. Foto: dpa

Im US-Bundesstaat Florida wappnen sich die Bürger vor Hurrikan „Irma“. Urlauber von Übersee stellt der Hurrikan vor die Frage: Urlaub antreten, verschieben oder stornieren? So auch einen 27-jährigen Esslinger.

Esslingen - Während in der Karibik der Hurrikan „Irma“ tobt, Menschen ihre Häuser verriegeln und sich selbst in Sicherheit bringen, sind viele Europäer ironischerweise vor ein anderes Problem gestellt: ihre Urlaubsplanung.

Jens T. aus Esslingen ist einer von ihnen. Vor gut einem halben Jahr haben seine Freundin und er ihre gemeinsame Reise in die USA geplant. Da sie im November ihr Referendariat beginnt, sollte der dreiwöchige Roadtrip außerhalb der Ferienzeit liegen und fiel auf den September. Die beiden ergatterten günstige Flugtickets bei der Lufthansa: Hin- und Rückflug Frankfurt-Miami für 450 Euro pro Person. Abflug am Montag, 11. September um 10.45 Uhr in Frankfurt. Zielort: Miami im US-Bundesstaat Florida.

Dort herrscht nun – drei Tage vor Abflug der beiden Urlauber – absoluter Ausnahmezustand. Die Menschen vor Ort bereiten sich auf das Schlimmste vor, vernageln ihre Häuser mit Brettern und decken sich mit Grundnahrungsmitteln ein. In den vergangenen Tagen ist der Hurrikan „Irma“ mit einer Windgeschwindigkeit von bis zu 300 Kilometern pro Stunde über die Karibik gefegt und hat dabei zahlreiche Inseln verwüstet und mehrere Menschen getötet. Laut Meteorologen ist „Irma“ der am längsten jemals erfasste Hurrikan in der Maximalstärke 5. Am Freitag wurde der Sturm vom Nationalen Hurrikan-Zentrum (NHC) auf die zweithöchste Stufe vier herabgestuft, wird aber weiterhin als „extrem gefährlich“ bezeichnet.

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Zwischen persönlicher Betroffenheit und Mitgefühl

„Ich habe bei der Urlaubsplanung sogar darüber nachgedacht, dass es Hurrikans geben könnte“, erzählt Jens T. rückblickend, „aber da habe ich keine akute Gefahr gesehen“. Einen teuren Reiseveranstalter haben sich er und seine Freundin gespart und ihre Reise selbst durchgeplant: Von Miami aus soll es mit dem Mietwagen über Orlando, Charleston die Ostküste entlang bis nach Philadelphia gehen. Dort angekommen haben die beiden für Ende September einen Flug nach Nassau gebucht: sechs Tag Bahamas. Anfang Oktober dann der Rückflug von Miami nach Frankfurt. Flüge, Mietwagen und Unterkünfte: Im Falle einer Stornierung müsste nun alles einzeln abgewickelt werden.

Ihre Situation ist ein echtes Luxusproblem, das ist beiden völlig klar. Und trotzdem müssen sie eine Entscheidung treffen: fliegen oder nicht? Im Internet verfolgen der Esslinger und seine Freundin die Prognosen der Meteorologen. „Ehrlich gesagt wissen wir nicht genau, was wir machen“, sagt Jens T. ratlos. „Wir müssen jetzt gucken, was mit Miami passiert.“ In Gedanken ist der Ingenieur aus Esslingen auch bei den Menschen vor Ort: „Man kann nur hoffen, dass das glimpflich ausgeht“, sagt er.

Betroffene Passagiere sollen sich an ihre Airline wenden

Bei der Lufthansa hat man inzwischen erste Konsequenzen gezogen: Von Freitag bis einschließlich Sonntag hat die deutsche Airline alle Flüge nach Miami gestrichen. Orlando und Tampa können am Freitag noch angeflogen werden, am Wochenende bleiben die Flieger am Boden. „Von den Streichungen sind bisher 3500 Passagiere betroffen“, so Pressesprecher Helmut Tolksdorf, der nur für die Lufthansa sprechen kann. „Die von den Streichungen betroffenen Passagiere können ihre Flüge kostenlos umbuchen oder stornieren“, erklärt er.

Wie die Lage am Montag aussieht, kann der Pressesprecher nur orakeln. „Wir beobachten die Lage weiter sehr genau“, erklärt Tolksdorf. Die Entscheidung, ob geflogen wird oder nicht, trifft bei der Lufthansa die Verkehrszentrale. Betroffenen Passagieren empfiehlt der Pressesprecher, sich auf der Internetseite der jeweiligen Airline zu informieren. Das hat auch Jens T. bereits gemacht und erfahren, dass er den Flug Frankfurt-Miami zwar zeitlich umbuchen, also beispielsweise nach hinten verschieben kann, aber nicht den Zielflughafen ändern kann. „Uns wäre mehr geholfen, wenn wir auf einen anderen Flughafen umbuchen könnten“, erklärt er. „Dann würden wir den Plan ändern und an die Westküste fliegen“.

Bis Montag bleibt dem Paar nun vorerst nichts anders übrig, als die Medienberichte zu verfolgen und auf Informationen von der Lufthansa zu warten. Und die Koffer zu packen.

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