Flüchtlinge gut und nachhaltig integrieren? Der Kreis Göppingen sieht sich dieser Aufgabe beinahe nicht mehr gewappnet. Foto: imago//Michael Gottschalk

Der Kreis Göppingen hat bei der Unterbringung von Flüchtlingen mit Personalmangel zu kämpfen. Landrat Edgar Wolff warnt, dass eine nachhaltige Integration unter den aktuellen Bedingungen nur schwer möglich sei.

Landräte schlagen Alarm, aus den Städten und Gemeinden werden Hilferufe laut, über die Verteilung und die Kosten wird heftig gestritten – die Unterbringung von Flüchtlingen ist besonders seit dem Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine eines der bestimmenden Themen auf politischer Ebene in Deutschland. Die Region Stuttgart bildet dabei keine Ausnahme. Doch was sagen die Zahlen? Wie sieht die Situation in den Kreisen aus? Eine Übersicht zur vorläufigen Unterbringung im Kreis Göppingen.

 

Serie „Flüchtlinge: Das ist die Lage in den Landkreisen“


Wie viele Flüchtlinge sind in den Unterkünften derzeit vorläufig untergebracht?

Rund 2110 Flüchtlinge sind derzeit im Rahmen der vorläufigen Unterbringung im Kreis Göppingen auf 44 Gemeinschaftsunterkünfte verteilt. Zu den Hauptherkunftsländern zählen die Ukraine (38 Prozent), Syrien (15 Prozent), Türkei (9 Prozent), Afghanistan (9 Prozent), der Irak (8 Prozent) und Nigeria (7 Prozent). Für die Anschlussunterbringung – nach Abschluss des Asylverfahrens oder nach 24 Monaten, bei Ukrainern nach sechs Monaten – sind die einzelnen Städte und Gemeinden zuständig. Seit 2016 konnten im Kreis Göppingen rund 7000 Flüchtlinge in der Anschlussunterbringung untergebracht werden. Weil es an Wohnungen fehlt, müssen derzeit noch etwa 500 Menschen in den vorläufigen Unterkünften bleiben – obwohl sie bereits die Voraussetzungen für die Anschlussunterbringung erfüllen.

Wie viel Kapazität hat der Kreis noch?

Rund 430 Plätze sind im Landkreis Göppingen in den Unterkünften für die vorläufige Unterbringung noch verfügbar, damit sind etwa 83 Prozent der verfügbaren Kapazität belegt. „Dies ist keineswegs eine entspannte Situation“, sagt eine Sprecherin der Kreisbehörde. Denn monatlich müssten im Durchschnitt 185 Personen untergebracht werden. „Daher kann der Puffer recht schnell aufgebraucht sein, wenn nicht im gleichen Umfang die Verlegung in die Anschlussunterbringung gelingt“, heißt es. Zudem seien Notunterkünfte wie Sporthallen nur kurzfristig als Unterkunft für Geflüchtete nutzbar.

Wo sind neue Unterkünfte geplant?

Derzeit prüft die Göppinger Landkreisverwaltung verschiedene Standorte. Wo sich diese genau befinden, will das Landratsamt allerdings noch nicht bekannt geben. Wie eine Sprecherin der Behörde mitteilte, konzentriere man sich vor allem darauf, Notunterkünfte wie Sporthallen zu ersetzen – durch besser geeignete und langfristig nutzbare Unterkünfte.

Welche Probleme gibt es?

Zurzeit stellt die Suche nach Wohnungen oder Grundstücken, in denen die Flüchtlinge langfristig untergebracht werden können, den Kreis Göppingen vor große Herausforderungen. Zudem macht sich auch der Fachkräftemangel bemerkbar: Wie eine Sprecherin mitteilte, werde es immer schwieriger, genügend Personal für den Betrieb der Unterkünfte zu finden, etwa Wohnheimleiter, Hausmeister, Sozialarbeiter, Integrationsmanager sowie Verwaltungspersonal. „Ohne ausreichend geeignete Unterbringungsplätze in der vorläufigen Unterbringung und in der Anschlussunterbringung und ohne das notwendige Personal ist eine humanitäre Geflüchtetenaufnahme kaum möglich“, heißt es aus dem Landratsamt.

Was sagen die Städte und Gemeinden?

Aus Ebersbach an der Fils kommen dramatische Töne: „Nachdem es uns sehr lange gelungen war, ausreichend Unterbringungsplätze vorzuhalten, sind auch bei uns seit Kurzem keine Kapazitäten mehr vorhanden“, sagt ein Sprecher der Stadtverwaltung. Gleichzeitig steige jedoch die Zahl der Menschen, die die Kommune aufnehmen müsse, weiter an. Auch aus Uhingen berichtet der dortige Bürgermeister Matthias Wittlinger: „Leider gibt es nicht genügend geeignete Wohnungen in Uhingen, um Geflüchtete unterzubringen.“

Göppingens Landrat Edgar Wolff Foto: Landratsamt

Wie beurteilt der Landrat Edgar Wolff die Flüchtlingssituation?

„Aufgrund des anhaltend großen Zustroms an Schutz suchenden Menschen geraten der Landkreis in der vorläufigen Unterbringung sowie die Städte und Gemeinden in der Anschlussunterbringung immer mehr in eine Situation, in welcher eine Aufgabenerfüllung nicht mehr gewährleistet werden kann und somit auch die Rahmenbedingungen für eine gute und nachhaltige Integration nicht mehr gegeben sind. Es ist daher dringend notwendig, dass es in der Bundes- und Landespolitik bald zu Entscheidungen kommt, welche die kommunale Situation spürbar und nachhaltig entlasten.“