Ein Bild aus dem Eröffnungsfilm des Festivals, „Viele Kinder, ein Affe und ein Schloss“ aus Spanien Foto: Festival

Neue Filme aus Spanien, aus Mittel- und Südamerika? Im normalen Kinoprogramm kommen sie nicht mehr vor. Das Festival Cinelatino schafft Abhilfe: ab 11. April auch wieder in Stuttgart.

Stuttgart - Ein einsamer Provinzort an der Küste Paraguays im ausgehenden 18. Jahrhundert im Film „Zama“. Ein Dorf an der bolivianischen Grenze zu Brasilien, begrenzt von einem so majestätischen wie gefährlichen Fluss in „El Rio“. Die brasilianische Metropole Sao Paulo, in der sich drei Graffiti-Künstler im öffentlichen Raum ausleben, in „Olhar instigado“. Diese und ähnliche Orte zeigt das Filmfestival Cinelatino, das sich ganz dem lateinamerikanischen Filmschaffen verschrieben hat und zeitgleich in Stuttgart, Reutlingen, Tübingen und Freiburg stattfindet.

Film im Widerstand

Bei aller Verschiedenheit der gezeigten Werke, die alle im Original mit Untertitel gezeigt werden, eint viele Filme, ob Drama, Psychothriller oder Komödie, dass sie sich mit dem Widerstand gegen totalitäre Strukturen in Lateinamerika befassen. Der künstlerische Leiter des Festivals, Paulo Roberto de Carvalho, erklärt die Rahmenbedingungen dafür: „Brasilien und Argentinien etwa sind heutzutage politisch relativ rechts orientiert, während noch in den 1980er-Jahren viele Menschen dort linker Gesinnung waren.“ In Brasilien sorgte jüngst die Wahl von Jair Bolsonaro zum Regierungschef für Schlagzeilen, vor allem, nachdem er ankündigte, unliebsame Minister aus ihren Ämtern entlassen zu wollen.

Auch das soziale Ungleichgewicht in Brasilien ist groß: „90 Prozent des Landes gehören lediglich drei Prozent der Bevölkerung“, sagt Pola Hahn, die gemeinsam mit Kathrin Frenz und Gabriele Elsässer das Festival koordiniert. Kritische Filmemacher wie Juan Pablo Richter, der in „El Rio“ die Odyssee eines 16-Jährigen durch eine von Gewalt und Diskriminierung geprägte Welt beschreibt, richten ihr Augenmerk auf die herrschenden Verhältnisse.

Glück und Probleme

Richter ist zugleich einer der wenigen männlichen Filmemacher beim Cinelatino. „Mehr als die Hälfte der Arbeiten, die wir zeigen, stammen von Regisseurinnen“, legt Kathrin Frenz dar. Was die Berlinale sich groß zum Ziel gesetzt habe, sei beim kleineren Cinelatino Festival im Grunde ein Zufallsprodukt.

Ein weiterer Themenschwerpunkt liegt bei der 26. Ausgabe des Festivals auf Costa Rica – und damit auf einen Staat, der auf der Weltkarte des Kinos leicht übersehen werden kann. „Die Filmindustrie dort ist sehr überschaubar“, sagt Hahn. Während Costa Rica auf der einen Seite für eine stabile Demokratie steht und seine Bevölkerung in Glücksstudien stets einen vorderen Rang einnimmt, ist das Land doch nicht frei von in Lateinamerika weit verbreiteten Problemen wie Arbeitslosigkeit und steigende Kriminalität.

Steigende Nachfrage

Cinelatino, dessen Keimzelle in Tübingen liegt und das seit dem Jahr 1999 auch in Stuttgart stattfindet, erfreue sich wachsender Beliebtheit, berichten die Organisatoren. Genaue Besucherzahlen nennen sie nicht, aber da an vielen Schulen Spanisch gelehrt wird, steige auch die Nachfrage nach Filmen aus spanischsprachigen Ländern. So liegen zu den Schulvorführungen, die als Ergänzung zum Sprachunterricht angeboten werden und vormittags stattfinden, bisher knapp 500 Anmeldungen vor.

Service Das Cinelatino-Filmfestival findet in Stuttgart vom 11. bis 17. April im Kino Delphi statt. Am Sonntag, 14. April, gibt es ab 15.30 Uhr einen Themennachmittag zu Mexiko mit Einblick in ein Jugendgefängnis-Projekt. Das vollständige Programm finden Interessierte im Internet.

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