René Madeleyn hat vor vier Jahren die Gesamtleitung der Kindermedizin abgegeben und sich seither unter anderem auf die Regenbogen-Station konzentriert. Foto: Ursula Vollmer

Sie ist die kleinste Abteilung in der Filderklinik in Filderstadt: die Regenbogen-Station für Kinder mit chronischen Krankheiten. Die Diagnosen haben sich verändert während der 20 Jahre, seit es die Station gibt.

Filderstadt - Auf den ersten Blick ist die Abteilung Regenbogen eine Station wie jede andere: Es gibt Patientenzimmer, Behandlungsräume, eine Küche, Pflegepersonal und Ärzte. Beim zweiten Hinsehen fällt die künstlerische Gestaltung ins Auge: Märchenmotive und sanfte Farben schaffen eine wohltuende Atmosphäre. „Die Bemalung ist noch original erhalten“, sagt René Madeleyn und freut sich über die offenbar nachhaltige Ausstrahlung auch auf junge Patienten: Spuren mutwilliger Beschädigung waren seit der Eröffnung jedenfalls keine zu beklagen.

Seine Nachfolgerin heißt Christine Sigler

Vor 20 Jahren hat der langjährige Leiter der Kinder- und Jugendmedizin an der Filderklinik die neuropädiatrische Station aufgebaut. Sie nimmt Kinder mit hirnorganischen Beeinträchtigungen auf, mit Anfallsleiden, mehrfacher Behinderung und unterschiedlichen Entwicklungsstörungen. Vor vier Jahren hat der Facharzt die Gesamtleitung der Kindermedizin abgegeben und sich seither auf die Kinderambulanz sowie die Regenbogen-Station konzentriert. Zum Jahreswechsel will er sich in einem fließenden Übergang weiter zurückziehen: Christine Sigler, seine Nachfolgerin, ist bereits im Haus. „Familien mit chronisch kranken Kindern brauchen den persönlichen Bezug“, sagt die Oberärztin. „Es ist deshalb wichtig, dass man sich kennt.“

Das anthroposophisch ausgerichtete Behandlungskonzept wird sich „unter dem Regenbogen“ kaum verändern. Die mit sechs Zimmern kleinste Abteilung der Klinik pflegt einen familienorientierten Ansatz: Ein Elternteil ist meist mit im Patientenzimmer untergebracht und übernimmt die Grundpflege. Technische Medien bleiben weitgehend außen vor. Zum strukturierten Tagesablauf gehören vielmehr Morgen- und Abendkreise und gemeinsame Mahlzeiten sowie der enge Bezug zu den Pflegekräften. Kinder- und Jugendpsychologen, Heilpädagogen und Kunsttherapeuten sind unverzichtbare Mitglieder des Teams, das sich im Übrigen als beständig erweist: Fünf Mitarbeiter der ersten Stunde sind auch nach 20 Jahren noch dabei.

Schulkinder sind von Ängsten geplagt

Dass sich die Umweltbedingungen geändert haben, ist für Madeleyn, der auf 40 Jahre klinische Erfahrung zurückblicken kann, auch an Diagnosen festzumachen: Schulkinder werden von Ängsten geplagt, Schrei-Babys stellen die Nerven ihrer Eltern auf die Probe, Teenager hungern vor vollen Tellern. „Komplexe psychosomatische Probleme haben deutlich zugenommen“, lautet die Beobachtung des 66-Jährigen. Die jüngsten Patienten sind kaum ein paar Wochen alt, andere brauchen Hilfe beim Erwachsenwerden.

Über deren Leiden hinaus richtet sich der ganzheitliche Blick oft auf das familiäre Umfeld; nicht selten ist auch da therapeutische Unterstützung gefragt. Praktische Anleitung gibt es in der Stationsküche, etwa bei der Zubereitung einer anfall-hemmenden Diät, die nach Überzeugung des Facharztes gute Erfolge bei Epilepsie verspricht. Rund 200 junge Menschen werden pro Jahr behandelt, oft in mehreren Kurzzeit-Aufenthalten mit verbindender ambulanter Betreuung. „Auch bei uns sind die Liegezeiten kürzer geworden, dafür steigen die Fallzahlen“, sagt Madeleyn. Er schaut dennoch guten Mutes nach vorn: „Wir sind gut aufgestellt.“

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