Für die Kinderbetreuung werden zusätzliche Plätze gebraucht Foto: picture alliance/dpa/Monika Skolimowska

Filderstadt sucht nach Lösungen. Allein im Krippenbereich stehen 200 Kinder auf der städtischen Warteliste. Im Herbst wollen die Stadträte über die Vorschläge der Verwaltung entscheiden.

Filderstadt - Der Bedarf an Betreuungsplätzen ist weitaus größer als das Angebot. Selbst der geplante Neubau einer Kindertagesstätte beim Elisabeth-Selbert-Gymnasium (ESG) in Bernhausen kann die Situation nur teilweise verbessern. Im Mai 2022 werden trotzdem 60 Plätze für Kinder über drei Jahren fehlen. Schon jetzt kann der Wunsch nach einer Betreuung im eigenen Stadtteil im Fall von Bernhausen, Sielmingen und Harthausen nicht immer erfüllt werden.

20 Stellen nicht besetzt

Noch dramatischer sieht es im Krippenbereich aus. Für Kinder unter drei Jahren fehlen schon jetzt 200 Betreuungsplätze. „Wir können den Rechtsanspruch für Kinder zwischen einem und drei Jahren nicht erfüllen“, sagte Bürgermeister Jens Theobaldt im Gemeinderat. Es müssten kurz- und mittelfristig neue Plätze geschaffen werden. Hinzu komme, dass es an Personal mangele. „Wir haben 20 Stellen nicht besetzt“, sagte Theobaldt. Weil es nicht genug Erzieherinnen gibt, müssen einige Einrichtungen nachmittags früher schließen oder an einigen Tagen ganz dicht machen. Sehr großen Betreuungsbedarf gebe es seitens der Eltern im Ganztagsbereich, sagte Theobaldt.

Man versuche die Personalnot durch die Ausbildung junger Leute zu lindern. „Wir entwickeln außerdem Modelle zur Personalfindung“, erklärte Oberbürgermeister Christoph Traub. Gleichzeitig würden alle potenziellen Grundstücke der Stadt, auf denen ein Kindergarten entstehen könnte, unter die Lupe genommen.

SPD-Antrag abgelehnt

Die SPD-Fraktion hatte dazu einen Antrag eingebracht. Sie wollte neben dem bereits geplanten Kinderhaus beim ESG, das 40 Kindergarten- und 20 Krippenplätze mit einer Ganztagsbetreuung vorsieht, einen weiteren Kindergarten bauen. „Der Vorteil ist, dass der Platz bereits erschlossen ist“, sagte Walter Bauer (SPD).

Die Idee fand zum jetzigen Zeitpunkt bei den anderen Fraktionen jedoch wenig Gefallen. „Wir sollten keinen Schnellschuss machen“, lautete der Tenor. Der Antrag wurde schließlich abgelehnt. Lediglich die fünf SPD-Stadträte unterstützten ihn. Auch die anderen Sprecher der Fraktionen betonten jedoch, dass dringend gehandelt werden müsse. „Ich freue mich deshalb auf die Klausur zu diesem Thema im September“, sagte Wolfgang Pascher (CDU). Dennis Birnstock (FDP) und Ute Weinmann (Grüne) plädierten dafür, es wieder zu ermöglichen, dass die Eltern ihre Kinder im Wunschstadtteil betreuen lassen können. „Wir brauchen uns sonst nicht über Elterntaxis zu wundern“, sagte Weinmann. Stefan Hermann (FW) unterstrich die Bedeutung der Freien Träger bei der Kitabetreuung. „Ohne sie würde es überhaupt nicht gehen“, sagte er.

Zusätzliche Stellen für Praktika

Dazu passend beschloss der Gemeinderat schließlich, dass die Evangelische Kirche und der Waldorfkindergarten weitere Stellen für Anerkennungspraktika schaffen können, die von der Stadt finanziert werden. Außerdem wurden zusätzliche Stellen für Hauswirtschaftskräfte in städtischen Einrichtungen beschlossen.

Schließlich änderten die Stadträte auch die Satzung für die Gebühren in den Kindertagesstätten. Dadurch wurde sanktioniert, dass wegen der Corona-Pandemie die bereits gezahlten Gebühren für März und April zurückgezahlt werden. Für die Notbetreuung sollen von Mai an nur die tatsächlich beanspruchten Stunden berechnet werden. Wie bei künftigen Schließungen, die durch Infektionen verursacht werden, vorgegangen wird, wollen die Stadträte, anders als vom Bildungs-, Kultur- und Sozialausschuss empfohlen, erst im Herbst entscheiden.

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