Begegnungen des Volks mit dem Militärwerden zum Ortsjubiläum in Szene gesetzt – so wie auf diesem Foto, das während der 700-Jahr-Feier von Harthausen im Jahr 2011 entstanden sind. Foto: Archiv Alexandra Kratz

Der Filderstädter Stadtteil Plattenhardt feiert sein 750-jähriges Bestehen farbenfroh. Auf den Straßen sind in „lebendigen Bildern“ Szenen aus mehreren Jahrhunderten zu sehen.

Plattenhardt - Wenn in Plattenhardt Ende Mai das 750-jährige Bestehen des Ortes gefeiert wird, dann dürfte es auf den Straßen hoch hergehen. Viele, viele Freiwillige werden Szenen aus der Plattenhardter Geschichte nachspielen. Und das beste daran: Jeder, der will, kann mitmachen. Theatererfahrung benötigt niemand.

Das Besondere an dem Schauspiel ist, dass sich die Darsteller nicht bewegen. Dafür das Publikum. Gezeigt werden sogenannte lebendige Bilder. Dabei stellen Menschen Szenen nach. 14 solcher Bilder sind im Ortskern zu sehen. Aus der Zeit der Kelten oder Römer und aus dem Mittelalter. Die Reformation, der Dreißigjährige Krieg und das bäuerliche Leben werden präsentiert. Der Spitzname der Plattenhardter „Messerstecher“ wird allerdings nicht thematisiert. Der Flugpionier Jacob Brodbeck und der Dichter Eduard Mörike, die beide in Plattenhardt gelebt haben, werden mit extra Szenen geehrt und herausgestellt.

Schauspiel im Abendlicht

Am letzten Tag im Mai ist es soweit. Im Abendlicht bei angenehmen Temperaturen steigt das Spektakel. Begleitet von klassischer Musik ziehen dann die Zuschauer durch den Ortskern. In den Höfen prägender Gebäude präsentieren sich die Laiendarsteller in ihren historischen Kostümen. Acht Minuten lang verharren sie in einer bestimmten Position. „Dann dürfen sie sich zwei Minuten lang ausschütteln“, sagt Friederike Mäckle, die bei der Stadt für die Partnerschaften mit den französischen Partnerstädten La Souterraine und Dombasle verantwortlich ist.

Mäckle hat schon im Jahr 2011 zusammen mit der Deutsch-Französischen Gesellschaft ein vergleichbares Schauspiel bei der Waldorfschule auf der Gutenhalde organisiert. Damals wurde das 700-jährige Bestehen von Harthausen gefeiert – ebenfalls mit lebendigen Bildern.

Schon damals war das Schauspiel ein Geschenk aus der Filderstädter Partnerstadt La Souterraine. Jean Noël Pinaud, der bei der dortigen Stadtverwaltung die Öffentlichkeitsarbeit macht, hatte die Idee und führte die Regie. So wie jetzt auch. Der Vorsitzende des Plattenhardter Vereinsrings, Johannes Jauch, war von der Vorstellung auf der Gutenhalde so begeistert, dass er sich auch für Plattenhardt solch ein Spektakel wünschte. Er spielte damals einen Pfarrer aus Bernhausen. „Die Veranstaltung war ein Erlebnis, das werde ich mein Leben lang nicht vergessen“, sagt er. Deshalb habe er bei der Stadtverwaltung gefragt, ob die lebendigen Bilder auch in Plattenhardt gezeigt werden können.

Kostüme aus Frankreich

Und das können sie. Einige Szenen von damals sind auch in Plattenhardt verwendbar. Beispielsweise die Darstellungen von Mörike und Brodbeck. Es gibt aber noch mehr Synergie-Effekte. Um Himmelfahrt reisen dieses Jahr wieder im üblichen Zwei-Jahres Rhythmus Einwohner aus La Souterraine nach Filderstadt. Einige der Besucher haben schon auf der Gutenhalde bei den lebendigen Bildern mitgespielt. Hinzu kommt, dass auch diesmal Jean Noël Pinaud für die Kostüme sorgt. Deshalb muss er auch möglichst bald wissen, wer aus Filderstadt mitspielen will. Gesucht werden 50 Aktivisten. „Ich muss Herrn Pinaud möglichst bald melden, wie alt die hiesigen Schauspieler sind und welche Kleidergrößen sie haben“, sagt Friederike Mäckle. Zusätzlich zu den Franzosen aus La Souterraine beteiligen sich übrigens auch deren Landsleute aus dem elsässischen Seebach und Freunde aus Filderstadts englischer Partnerstadt Selby an dem Schauspiel.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: