Es wird schwieriger, reguläre Preise aufrechtzuerhalten. Foto: dpa

Dank vieler Aufträge war 2017 für Handwerker und Dienstleister ein gutes Jahr – auch in Filderstadt und Leinfelden-Echterdingen. Der Einzelhandel tut sich hingegen nach wie vor schwer. Wir haben nachgefragt.

Filder - Die Umsätze im Jahr 2017 und das Weihnachtsgeschäft werden von Vertretern der Selbstständigen Filderstadts unterschiedlich beurteilt. Einig sind sich alle darüber, dass der Handel im Internet zu Lasten des Einzelhandels geht.

„Handwerker und Dienstleister hatten ein anstrengendes, aber gutes Jahr“, sagt Andreas Daumüller, der Vorsitzende des Gewerbe- und Handelsvereins Bernhausen. Dass der lokale Einzelhandel verstärkt wegbrechen werde, liege aber nicht nur am Internethandel. Zwar sei die Kaufkraft im Ort, das Geld werde aber außerorts ausgegeben.

Andreas Daumüllers Vereinskollege Uli Straub vom Bunten Bücherladen sagt: „Das Weihnachtsgeschäft ist im Zentrum schlechter gelaufen als 2016. Es fing spät an, hat sich dann aber gesteigert, deshalb ist die Diskrepanz zum Vorjahr nicht so groß. Die Ursache sei ein verändertes Kaufverhalten durch das Internet und die „schlechte Stadtplanung der vergangenen Jahre“. Innerorts gebe es Parkplatzprobleme, und das neue Filder-Center am Ortsrand ziehe Kunden aus Bernhausens Ortsmitte ab.

Ostern ist im Gegensatz zu Weihnachten seit Jahren keine große Umsatzspitze mehr

„Unser Weihnachtsgeschäft war durchwachsen. Es hat sich alles auf die letzten Tage im Jahr zusammengeballt“, sagt Herbert Köhn, der Vorsitzende des Bundes der Selbstständigen Bonlanden. Die Stadt solle durch mehr Parkplätze und bessere Aufenthaltsqualität ein günstiges Umfeld für die Geschäfte schaffen. Die Nähe der Galerie der Stadt und des Heimatmuseums mache sich positiv bemerkbar. Unter dem Jahr sei Weihnachten die einzige Umsatzspitze, Ostern spiele fast keine Rolle mehr.

„Wir sind zufrieden“, sagt Wolfgang Rupprecht, der Vorsitzende des Gewerbe- und Handelsvereins Harthausen. Die Harthäuser seien treue Kunden. Allerdings gehe der Einzelhandel immer mehr zurück. Für große Aktionen, um auf sich aufmerksam zu machen, habe sein Verein kein Geld. „Durch das Internet hat es der Einzelhandel nicht leicht“, sagt Gerhard Alber, der Vorsitzende des Bundes der Selbstständigen in Plattenhardt. Viele Einzelhändler würden altershalber aufgeben, Nachfolger seien nicht in Sicht. „Fehlende Parkplätze sind auch bei uns ein Thema, aber niemand kann sie herbeizaubern“, sagt Alber. Sein Verein erhebe keine Umsätze, deshalb könne er nichts über den Geschäftsverlauf aussagen.

Stuttgarter weichen wegen des Weihnachtstrubels zum Einkaufen nach Leinfelden aus

„Für die Handwerker sieht es gut aus, und ich denke, dass das Weihnachtsgeschäft für die Einzelhändler auch okay war“, sagt Günther Kraft, der Vorsitzende des Bundes der Selbstständigen in Sielmingen.

In Leinfelden zeigt sich Sascha Giessler vom Verbund Leinfelder Fachgeschäfte zufrieden. „Beim Weihnachtgeschäft haben uns in diesem Jahr zwei Tage gefehlt, aber dafür war am 23. Dezember mehr los als im vergangenen Jahr. Es kamen viele Männer, die ein Geschenk in letzter Minute gebraucht haben. Wir haben davon profitiert, dass die Stuttgarter Innenstadt zu dieser Zeit überfüllt war. Viele Einkäufer sind deshalb nach Leinfelden ausgewichen.

Das gesamte Geschäftsjahr 2017 bewege sich auf demselben Niveau wie 2016. Kritisch sieht Giessler die Situation am Neuen Markt: „Es ist dort ziemlich dunkel, und das wirkt trostlos.“ Der Verbund habe bei der Stadt angeregt, Kurzzeitparker zur Belebung auf dem Platz zuzulassen oder für hellere Beleuchtung zu sorgen. Bisher habe sich nichts getan.

„Im Weihnachtsverkauf bewegen wir uns auf Vorjahresniveau. Der Ansturm hat spät angefangen, aber dann ging es kräftig los“, sagt Rainer Kehrer, Mitglied der Werbegemeinschaft Echterdinger Fachgeschäfte. Auch das ganze Geschäftsjahr 2017 bewege sich auf dem Niveau des Vorjahres: „Das betrifft aber nur die Umsätze. Der Ertrag wird immer knapper, denn es wird schwieriger, reguläre Preise aufrechtzuhalten, weil immer früher rabattiert wird. So kannibalisiert sich der Handel selbst.“

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