Per Nummernschild werdenin Bogota zu bestimmten Tageszeiten Fahrverbote geregelt. Foto: dpa

Im Kampf gegen die Luftverschmutzung gelten in Bogota je nach Nummernschild zu bestimmten Zeiten Fahrverbote. Die hohe Luftverschmutzung liegt vor allem daran, dass in Bogotá viel zu viele alte Fahrzeuge mit katastrophalen Abgaswerten unterwegs sind.

Bogota. - Als im Februar die Temperaturen in Bogotá neue Rekordmarken erreichten, legte sich der Smog über die zweitgrößte Stadt Südamerikas. Tagelang hatte sich kein Lüftchen über der 2600 Meter hoch gelegenen Sieben-Millionen-Metropole in Kolumbien bewegt. Am 8. Februar erreichten die Temperaturen in Bogotá 26 Grad Celsius im Schatten, für die Stadt war das ein bis dato nie gemessener Wert, der auch die Debatten über Klimawandel und Luftverschmutzung neu in Gang setzte.

Der Februar ist auch der Monat, an dem die Stadt traditionell ihren autofreien Werktag veranstaltet. An diesem „Dia sin carro“ sind nur Busse, Taxis und Fahrzeuge mit Sondergenehmigung unterwegs. Hunderttausende Fahrradfahrer, freie Straßen und deutlich frischere Luft sind die Folge. „Die Feinstaubbelastung ist um 32 Prozent zurückgegangen“, berichtete Bogotás Umweltsekretär Francisco Cruz über die Messwerte dieses Tages. 2015 wurden im Jahresmittel 52 Mikrogramm erreicht. Zum Vergleich: Der EU-Grenzwert liegt bei 40 Mikrogramm, in Stuttgart wurden 2016 im Jahresmittel 38 Mikrogramm erreicht. Beim Stickstoffdioxid, für das Dieselabgase eine große Quelle sind, lautete der Jahresmittelwert für 2015 in Bogotá 89 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. In Stuttgart waren es 2016 82 Mikrogramm, zulässig sind 40.

Viele alte Fahrzeuge unterwegs

Einschränkungen wie am Dia sin carro sind die „Bogotanos“ ohnehin gewohnt. Denn zum Alltagsleben gehört auch die Vorgabe „Pico y Placa“ (Spitze und Schild), die regelt, wer wann mit dem Auto fahren darf. Maßgeblich dafür ist das Nummernschild des Fahrzeugs. Wer „Pico y Placa“ hat, also wessen Nummernschild mit einer bestimmten Ziffer endet, der darf zum Beispiel von 6 bis 8.30 Uhr morgens und 15 bis 19.30 Uhr abends sein Auto nicht benutzen. Damit soll einerseits der Blechlawine in der stetig wachsenden Stadt Einhalt geboten werden, die Fahrverbote sollen aber auch die Luftbelastung regulieren. Viele Kolumbianer betrachten dies als eine Einschränkung ihrer persönlichen Freiheit. Umweltschützer begrüßen diese Maßnahme.

Die hohe Luftverschmutzung liegt vor allem daran, dass in Bogotá viel zu viele alte Fahrzeuge mit katastrophalen Abgaswerten unterwegs sind. Selbst die verhältnismäßig neuen Busse des öffentlichen Nahverkehrssystems Transmilenio stoßen so viele Abgase aus, dass sich auf der Bustrasse eine millimeterdicke Staub- und Rußschicht gebildet hat.

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