Falschberatung Die Banken schalten auf stur

Von Sabine Marquard  

Die Zentrale der Investmentbank Lehman Brothers in New York, aufgenommen am 15. Sept. 2008. Zehn Tage zuvor meldete die Bank Insolvenz an, der Beginn der Finanzkrise. Foto: AP
Die Zentrale der Investmentbank Lehman Brothers in New York, aufgenommen am 15. Sept. 2008. Zehn Tage zuvor meldete die Bank Insolvenz an, der Beginn der Finanzkrise. Foto: AP

Bankberater verfolgen häufig ihr eigenes Interesse und nicht das ihrer Kunden.

Stuttgart - Bankberater verfolgen oft ihr eigenes Interesse und nicht das ihrer Kunden. Besonders kritisch ist, wenn der Anleger dadurch große Verluste erleidet. Wer sich geschädigt fühlt, kann gegen seine Bank vor Gericht ziehen. Er tut sich jedoch schwer, recht zu bekommen.

Spätestens seit der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers ist das Vertrauen zwischen Kunden und Banken auf dem Tiefpunkt. Damals stellte sich heraus, dass Zigtausenden Lehman-Zertifikate zur Altersvorsorge angedreht wurden, die nach der Insolvenz wertlos wurden. Das Desaster markiert einen Wendepunkt. "Viele Anleger sind durch den Niedergang von Lehman wachgerüttelt worden", sagt Marc Tüngler, Geschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Sie fragen sich, ob sie bei dem, was sie ins eigene Depot gepackt haben, gut beraten waren.

Totalverlust des Kapitals ist möglich

Die Verunsicherung hält seither an. "Wir haben 25.000 Anfragen pro Jahr wegen möglicher fehlerhafter Anlageberatung", sagt Tüngler. "Das Schicksal der anderen führt zur Kontrolle der eigenen Anlage", stellt der Rechtsanwalt fest.

Der Vertrieb von Lehman-Zertifikaten an unbedarfte Kunden war in vielen Kreditinstituten große Mode. Ebenso sind reihenweise geschlossene Immobilienfonds als Produkt zur Altersvorsorge losgeschlagen worden. Über 20.000 Anleger haben beispielsweise Anteile an DG-Immobilienfonds erworben, schätzt Petra Brockmann von der Kanzlei Hahn Rechtsanwälte. Zahlreiche DG-Fonds sind inzwischen insolvenzgefährdet. Viele Anleger, die glaubten, eine sichere und wertbeständige Anlage zu kaufen, "stehen vor dem Nichts", sagt Brockmann.

Den wenigsten war offenbar bewusst, dass es sich bei einem geschlossenen Immobilienfonds um eine Anlage mit unternehmerischen Risiken handelt, bei der ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals möglich ist. "Wenn geschlossene Fonds zur Altersvorsorge verkauft wurden, spricht einiges dafür, dass keine anlegergerechte Beratung stattfand", betont Brockmann.

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