Der „faire Handel“ mit Agrarprodukten aus Entwicklungsländern wächst weiter. Foto: dpa

Der „faire Handel“ mit Agrarprodukten aus Entwicklungsländern wächst weiter. Doch es gibt eine Branche, in der das Modell noch nicht funktioniert.

Berlin - Unter den Agrarprodukten mit einem Siegel für fairen Handel hat der Kakao einen Sprung nach vorn gemacht. Im vergangenen Jahr kauften die deutschen Süßwarenhersteller gut 30 000 Tonnen Fairtrade-Kakao für 114 Millionen Euro, wie der Verein Transfair am Montag mitteilte. Das war mehr als doppelt so viel wie 2015.

Der Marktanteil am gesamten deutschen Kakao-Import lag damit bei rund 6 Prozent. Grund für diese Entwicklung sei, dass große Handelsketten bei Eigenmarken inzwischen auf Fairtrade-Kakao setzten und große Hersteller ihr Engagement ausgebaut hätten, sagte Transfair-Vorstandschef Dieter Overath.

Für Produkte mit dem Fairtrade-Siegel, zum größten Teil Nahrungsmittel, gaben Verbraucher in Deutschland im vorigen Jahr 1,16 Milliarden Euro aus, 18 Prozent mehr als 2015. Der Verbund Fairtrade International unterstützt benachteiligte Produzentengruppen in 75 Entwicklungsländern. Der Begriff „fairer Handel“ ist allerdings nicht gesetzlich geschützt.

Absatzplus bei Kaffee

Das Fairtrade-Siegel garantiert unter anderem, dass die Bauern für dieses Produkt einen Mindestpreis bekommen haben, über den sie mitbestimmen durften. „Fairtrade“ steht für gut 80 Prozent des Gesamtumsatzes mit fair gehandelten Produkten.

Beim Klassiker unter den Fairtrade-Produkten, dem Kaffee, gab es ein ein Absatzplus von 25 Prozent auf 17 000 Tonnen, der Umsatz stieg wegen niedrigerer Preise lediglich um 17 Prozent auf 416 Millionen Euro. Der Marktanteil von Fairtrade-Kaffee liegt bei 3,8 Prozewnt.

Den einzigen Rückschlag gab es bei Textilien. Die Zahl der in Deutschland verkauften Fairtrade-Kleidungsstücke sank um 7 Prozent auf 8,4 Millionen, der Umsatz stieg dennoch um 9 Prozent, weil mehr hochwertige Berufskleidung vertrieben wurde.

Das von Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) initiierte Bündnis für nachhaltige Textilen haben noch nicht den gewünschten Erfolg gebracht, sagte Transfair-Aufsichtsratschef Heinz Fuchs in Berlin. Es sei zu fragen, „ob dieses Bündnis einen praktikablen Standard fördert oder verhindert“. Die Politik dürfe „nicht nur moderieren, es muss auch konkret gestaltet werden“.

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