Karin Hopf (links) und Mary Kling sind von Anfang an dabei. Foto: Bernd Zeyer

Der Zuffenhäuser Weltladen an der Besigheimer Straße 19 hat Geburtstag: Seit 20 Jahren werden dort faire Produkte verkauft. Die erzielten Gewinne werden gespendet und kommen beispielsweise Opfern von Naturkatastrophen zu Gute.

Zuffenhausen - Von außen ist nicht viel zu sehen, und selbst Passanten, die direkt daran vorbeilaufen, müssen zweimal hinschauen, um ihn zu entdecken: Der Weltladen an der Besigheimer Straße 19 macht auf den ersten Blick nicht viel her. Wer sich aber die Mühe macht, ein paar Treppenstufen herunterzusteigen, den erwartet auf gerade einmal 13 Quadratmetern ein buntes Schatzkästchen mit fair gehandelten Waren aus aller Welt: Kolumbianischer Kaffee, Mangos von den Philippinen, Ananas aus Tansania oder mexikanischer Honig sind nur einige der Köstlichkeiten, die es zu entdecken gibt. Freilich kommen nicht nur Gourmets auf ihre Kosten. Ebenso im Angebot sind Körbe und Taschen, Kunstgegenstände, Spielsachen, Schmuck, Schals und vieles mehr.

Bewusstes Einkaufen wird immer wichtiger

„Bewusstes Einkaufen wird für viele Menschen immer wichtiger“, sagt Karin Hopf. Sie und Mary Kling sind seit dem 9. Juli 2001 mit dabei. Damals, auf den Tag genau vor 20 Jahren, wurde der Weltladen eröffnet. Ermöglicht wurde dies durch die damalige Einweihung des Franz-Josef-Fischer-Hauses der katholischen Kirchengemeinde. In dem großen Neubau gab es endlich genug Platz für ein Ladengeschäft.

Fair gehandelte Waren wurden in Zuffenhausen allerdings schon vorher verkauft – unter eher provisorischen Umständen. Bei der Sankt-Antonius-Gemeinde wurden Lebensmittel und Kunstgegenstände einmal im Monat nach dem Gottesdienst auf dem Kirchplatz feil geboten. Die evangelische Gemeinde hingegen bot ähnliche Produkte in der Pauluskirche oder im ehemaligen Gemeindehaus an der Langenburger Straße an. Mit Eröffnung des Weltladens konnten die Kräfte schließlich gebündelt und das Angebot erweitert werden.

„Mithelfen, dass Menschen leben können“, beschreibt Mary Kling ihre Motivation. Schon als junges Mädchen habe sie begriffen, wie schlecht es Kaffeepflückern in deren Heimatländern gehen würde. Den Leuten, die den Kaffee tranken, sei dies aber egal gewesen. Das wollte Kling so nicht akzeptieren. Den Menschen in den Herkunftsländern stehe es zu, fair behandelt und anständig bezahlt zu werden. Nur so könne man Hilfe zur Selbsthilfe leisten. Doch die Hilfe geht noch weiter: Die durch den Laden erzielten Gewinne werden gespendet – beispielsweise für Hochwasseropfer auf den Philippinen oder Erdbebenopfer in Nepal.

Trotz Corona hat die Nachfrage nicht nachgelassen

Momentan arbeiten 20 Personen ehrenamtlich im und für den Laden. Fast ein Dutzend davon sind seit 2001 mit im Boot. „Ich habe schon viel Zeit und Kraft investiert, bin aber immer noch mit Begeisterung dabei“, erzählt Kling. Mindestens zwei Drittel der Besucher seien Stammgäste, es kämen aber auch immer wieder neue Kunden hinzu.

Corona habe dem kleinen Laden nicht geschadet. Zwar musste zeitweilig geschlossen werden oder die Öffnungszeiten wurden verkürzt, die Nachfrage habe aber überhaupt nicht nachgelassen. Weltweit allerdings hat die Pandemie beim fairen Handel ihre Spuren hinterlassen, denn auch hier wurden Lieferketten unterbrochen und Waren konnten nicht produziert werden.

„Es wäre toll, wenn es eines Tages gar keinen Weltladen mehr braucht“, sagt Karin Hopf mit Blick in die Zukunft. Immerhin stehe aber jetzt schon fest, dass der faire Handel ein Erfolgsmodell sei. Und was Zuffenhausen betrifft, soll dies gefeiert werden: Zum 20. Geburtstag an diesem Freitag, 9. Juli, hat der Laden von 10 bis 18 Uhr offen und es gibt einen kleinen Stehempfang im Garten. Für 11 Uhr hat der Bezirksvorsteher Saliou Gueye sein Kommen angekündigt.

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