Ein Fahrverbot-Schild in Stuttgart. Foto: dpa

Ärzte dürfen für Hausbesuche in Stuttgart keinen alten Diesel mehr benutzen. Lieferdienste für Kranke sind dagegen vom Fahrverbot befreit. Eine Regelung, die bei Ärzten auf großen Unmut stößt.

Stuttgart - Wer in Stuttgart so krank wird, dass er keine Arztpraxis aufsuchen kann, tut gut daran, keinen Arzt mit Euro-4-Diesel zu haben. Denn mit diesem darf der nicht zum Hausbesuch kommen. Eine Regelung, die bei Ärzten auf großen Unmut stößt.

Betroffen seien nicht nur Hausbesuche, sondern auch „Ärztinnen und Ärzte, die ihre Praxis oder Klinik erreichen wollen, und Mitarbeiter der Notfallpraxis, die nach Schicht­ende keine öffentlichen Verkehrsmittel mehr erreichen“, erklärt Wolfgang Miller, Präsident der Landesärztekammer. Der Unmut sei „verständlicherweise riesig“.

Land: Ärzte sollen E-Autos fahren

Ein Kollege versorge „neben seiner Praxis 200 Patienten in fünf Pflegeheimen und ärgert sich nicht nur über die Ablehnung seines Antrags auf Ausnahmegenehmigung, sondern auch darüber, dass sein Metzger mit dem Diesel weiterhin Wurst ausliefern darf“, so Miller. Auch Lieferdienste wie Essen auf Rädern sind vom Fahrverbot befreit.

Ein anderer Arzt müsse seinen Wagen außerhalb des Stadtgebietes parken und dann mit Bus und Bahn zur Praxis. Die Stadt habe ihm „nicht erklären können, wie er bei einem Notfall von der Praxis zeitgerecht zu seinen Patienten in Belegbetten am Krankenhaus gelangen soll“.

Millers Vorgänger Ulrich Clever hatte sich mit dem Anliegen, für Ärzte Ausnahmen vom Fahrverbot zu schaffen, bereits eine Abfuhr geholt. In seinem Antwortschreiben, das unserer Zeitung vorliegt, verweist Amtschef Uwe Lahl vom Verkehrsministerium sie auf die Möglichkeit, ihre „Flotte“ auf Elektroautos umzustellen. Fördergutscheine halte die Landesbank bereit.

Miller hält die Antwort für „mehr als ernüchternd“. Es handle sich um „Kanzleitrost“. Und Jochen Haußmann, verkehrspolitischer Sprecher der FDP im Landtag, erklärt, wenn Lahl von „Fahrzeugflotten“ bei Arztpraxen spreche, zeige dies „einmal mehr, wie weit sich der grüne Verkehrsminister von der Lebenswirklichkeit entfernt hat“.

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