Im Herbst stoppte die Polizei im Rems-Murr-Kreis eine motorisierte Bierkiste – die Meldung schaffte es bundesweit in die Medien. Wir haben den jungen Mann getroffen, der das abgefahrene Vehikel gebaut hat.

Berglen - Mit infernalischem Lärm springt der Motor der Schussenrieder-Kiste an. Als Malte Zimmermann mit seinen Fingerspitzen den Gashebel betätigt, macht das winzige Gefährt einen Satz vorwärts, die Vorderreifen heben vom Boden ab. Gut zehn PS bei weniger als 15 Kilogramm Gewicht – dahinter steckt ordentlich Power.

Das Vehikel ist eine richtige Berühmtheit: Im Oktober war Zimmermann mit seiner fahrenden Bierkiste auf einer öffentlichen Straße in Winnenden von der Polizei erwischt worden. Die schickte eine Pressemitteilung mit einem Foto des abgefahrenen, aber natürlich nicht für die Straße zugelassenen Fahrzeugs los. Die kuriose Meldung landete bundesweit in den Medien.

Der Erbauer der fahrenden Bierkiste kam mit einem blauen Auge davon

Bevor der 22-jährige Bastler aus Berglen-Oppelsbohm sich mit unserer Zeitung verabredet hat, musste er noch abwarten, wie die Sache für ihn ausgehen würde. Immerhin stand ein Strafverfahren im Raum. Schlussendlich kam er mit einem blauen Auge davon: „Der Staatsanwalt hat die Sache recht schnell fallen gelassen. Ich musste dann wegen der Ordnungswidrigkeit hundert Euro zahlen und bekam einen Punkt in Flensburg“, erzählt Zimmermann erleichtert.

Überhaupt seien die Polizisten, die ihn anhielten, sehr umgänglich gewesen: „Die haben erst mal große Augen gemacht und waren extrem nett.“ An jenem Tag habe er seine fahrende Bierkiste nur zu einem Kumpel fahren wollen, um den Rahmen zu lackieren. „Dabei fuhr ich den Polizisten zufällig über den Weg.“ An Flucht habe er nicht gedacht. Zumal die Kiste damals nur etwa 30 bis 50 Stundenkilometer geschafft hätte.

Inzwischen fährt die Kiste fast 70 Stundenkilometer schnell

Diese Zeiten sind vorbei: Die Kiste ist inzwischen wesentlich schneller. „Meine höchste gemessene Geschwindigkeit waren 67 Stundenkilometer. Aber da fängt das Lenkrad an zu flattern“, meint Zimmermann und grinst. Die rasende Bierkiste ist sein Baby, in das er über Monate hinweg viele Stunden Arbeit gesteckt hat. „Irgendwann habe ich im Internet Videos mit fahrenden Bierkisten gesehen und wollte auch eine bauen“, sagt der Berglener.

Gesagt, getan. Nachdem Zimmermann von einem Freund den 125-Kubikzentimeter-Motor eines sogenannten Pitbikes bekommen hatte, plante er das Gefährt um einen Kasten Schussenrieder herum. Diese Biermarke ist übrigens kein Zufall: „Erstens ist deren Kiste ganz einfach aufgebaut, es passen nur zwölf Flaschen rein. Und zweitens trinke ich vor allem das Radler gern“, meint er augenzwinkernd. Natürlich nach dem Fahren.

Eine Bierkiste, ein Pitbike-Motor, Gokart-Reifen

Zimmermann ist nicht nur Auszubildender zum Industriemechaniker, sondern trägt auch Schrauber-Gene in sich. „Mein Vater sammelt und repariert leidenschaftlich Oldtimer, wir haben eine recht gut ausgestattete Metallwerkstatt“, sagt Zimmermann. Der grellgelb lackierte Metallrahmen, der sein Gefährt zusammenhält, ist komplett selbst entworfen und gefertigt, selbst die Hinterachse hat der 22-Jährige selbst gedreht. Eine winziges Sitzpolster auf dem Boden der umgedrehten Bierkiste, die den Motor und den 7-Liter-Tank beherbergt, Gokart-Reifen, eine Pitbike-Bremse, ein Schalt- und ein Gashebel, ein Lenkrad, ein Motorradauspuff. Aus viel mehr besteht das Vehikel nicht.

Das hat Malte Zimmermann mit der rasenden Bierkiste vor:

Ein paar Modifikationen will Zimmermann an seiner rasenden Kiste noch vornehmen: Um das Lenkerflattern zu beheben, soll eine Dämpfung her. Und seine Schuhe, Größe 46, kommen immer wieder gefährlich nahe an den Asphalt. „Vielleicht baue ich deswegen noch eine Schaltwippe ein, wie bei einer Schwalbe“, erklärt der begeisterte Technikfreak.

Auf der Straße fahre er inzwischen nicht mehr mit seiner Bierkiste. „Ein Kumpel hat einen Hof mit großem Grundstück. Und irgendwann will ich damit auch mal auf die Rennbahn.“ Denn – man kann es kaum glauben – es gibt da draußen noch andere Männer mit rasenden Kisten. Und vielleicht, hat Zimmermann sich überlegt, interessiert sich auch eine Brauerei für sein berühmtes Vehikel. Als Werbeträger.

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