Pro Kurzzug der S-Bahn-Reihe ET 430, die in der Region Stuttgart auf der S 1, S 2 und S 3 unterwegs ist, gibt es zwölf Sitzplätze erster Klasse. Foto: Michael Steinert

Immer mehr S-Bahnen in der Region Stuttgart gelten offiziell als ausgelastet – allerdings nicht die Abteile der 1. Klasse. Einige Fraktionen in der Regionalversammlung wollen diese auf jeden Fall abschaffen.

Stuttgart - Viele Fahrgäste beklagen, dass die S-Bahnen im Ballungsraum in der Hauptverkehrszeit zu voll sind. Das ist auch eine Frage der Perspektive: Der Hersteller Bombardier etwa sagt, dass ein Langzug der Baureihe ET 430 mit drei Einheiten und 552 Sitzplätzen, wie er auf der S 1, S 2 und S 3 verkehrt, noch 822 stehende Fahrgäste verträgt. Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) geht von 341 Stehplätzen aus, während der Fahrgast im Verkehrsverbund Stuttgart (VVS) nach Umfragen nur 138 Stehplätze goutiert, bevor er es zu voll findet. Diese Marke hat sich der Verband Region Stuttgart zum Maßstab gemacht.

Sieben Prozent der S-Bahnen zu voll

Nach einer neuen Erhebung, die Infrastrukturdirektor Jürgen Wurmthaler in der jüngsten Sitzung des regionalen Verkehrsausschusses vorstellte, gibt es im Durchschnitt täglich 14 Züge, in denen etwa 280 Menschen stehen. Demnach geht es morgens zwischen 7 und 8 Uhr auf der S 1 zwischen Esslingen und Hauptbahnhof sowie der S 6 zwischen Korntal und Zuffenhausen zu. Laut Wurmthaler verfehlen 7 Prozent aller S-Bahnen die Anforderung der Region. Allerdings ist die 1. Klasse, die es an den beiden Köpfen einer Zugeinheit mit zusammen 16 Plätzen gibt, in der Hauptverkehrszeit zu 36 Prozent ausgelastet, über den Tag gesehen sogar nur zu 10 Prozent. Deshalb kommt das Thema vor der Anschaffung der nächsten Zuggeneration ab dem Jahr 2032 auf den Prüfstand.

Für Linke und SPD ist die Sache schon klar

Für Linken-Sprecher Wolfgang Hoepfner ist die Sache jetzt schon klar: „Wir wollen, dass die 1. Klasse künftig entfällt.“ Der Ditzinger OB und SPD-Regionalrat Michael Makurath, der sonst verbal gerne mit dem Florett ficht, holte diesmal den Säbel raus: „Wir sprechen hier von einer Zielgruppe, die nicht existiert“, sagte Makurath angesichts der geringen Auslastung und holte noch weiter aus: „So wenig wie eine Gesellschaft den Adel braucht, braucht die S-Bahn eine Tarifaristokratie. Wir brauchen Platz in der S-Bahn!“ CDU-Verkehrsexperte Rainer Ganske verwies darauf, dass man sich bereits an der Fahrgastsicht orientiere und brach eine Lanze für Geschäftsreisende, die die 1. Klasse auch bezahlten: „Bei der Lösung unserer Probleme helfen Klassenkampfparolen nicht“, sagte er Richtung Makurath.

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