Porsches neue Modellreihe – das Elektromobil Mission E – soll von 2019 an in Zuffenhausen gefertigt werden. Foto: Hersteller

Der Sportwagenbauer rekrutiert Mitarbeiter für Entwicklung und Produktion des Elektromobils Mission E – Produktionsstart ist 2019.

Stuttgart - Neue Mitarbeiter für neue Arbeitswelten sucht der Stuttgarter Sportwagenbauer Porsche und hat dabei in erster Linie sein erstes reines Elektromobil Mission E im Sinn. Die neue Modellreihe soll von 2019 an in Zuffenhausen gefertigt werden, teils auf dem Gelände des Anfang Juli eröffneten neuen Motorenwerks. Dort wird unter anderem eine Batteriefabrik für den Mission E gebaut. Darüber hinaus entstehen in den nächsten Jahren eine neue Lackiererei sowie Montage-, Logistik- und Karosseriebauhallen.

Bereits jetzt beginnt das Unternehmen mit der Suche nach speziellen Fachkräften für die Entwicklung und Produktion des Mission E. Mindestens 1400 neue Arbeitsplätze werden dafür in der Region Stuttgart geschaffen. Allein 1200 neue Stellen sind am Standort Zuffenhausen vorgesehen, die übrigen sind Arbeitsplätze für Ingenieure in Weissach (Landkreis Böblingen), gab Andreas Haffner, Vorstand für Personal- und Sozialwesen beim Autobauer, am Dienstag in Zuffenhausen bekannt. Damit erhöht die Volkswagen-Tochter ihre bisherigen Pläne für Neueinstellungen, bisher war von rund 1000 neuen Jobs die Rede.

Gesucht würden Experten für Digitalisierung, E-Mobilität, Smart Mobility und vernetztes Auto. Was abstrakt klingt, beschreibt Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück mit zwei Beispielen von künftig stärker gefragten Ausbildungsberufen: So würden etwa mehr Lehrlinge zum Kfz-Mechaniker mit Schwerpunkt Hochvolt-Technik für Autos und zum Elektroniker für Betriebstechnologie ausgebildet. Der eine ist Spezialist für Ladetechnik von Batterien, der andere für die vernetzte Steuerung von Robotern. Die barrierefreie Zusammenarbeit von Mensch und Roboter in der sogenannten Fabrik 4.0 dürfte eines der Kernthemen in der Mission E-Fertigung sein. Allein 900 der 1400 neuen Arbeitsplätze entstehen in der Produktion. Auch die Zahl der Ausbildungsplätze erhöht Porsche – von bisher 150 auf 220.

Die Anforderungen an die Qualifikation der Beschäftigten ändert sich

Ein Teil der späteren Mission-E-Fachkräfte müsste von außen geholt werden, andere würden im Betrieb auf die neuen Aufgaben vorbereitet, erläuterte Hück. Das ändere aber nichts an der Zahl der Arbeitsplätze, die aufgebaut würden. Aktuell besonders gefragt seien Produktionsplaner mit Erfahrungen in den Bereichen Fabrik 4.0 und digitale Produktionswelt sowie mehr als 100 IT-Spezialisten. Die Anforderungen an die Qualifikationen der Beschäftigten würden sich in den kommenden Jahren deutlich verändern, erklärte Personalvorstand Haffner: Während heute rund 60 Prozent der Akademiker bei Porsche aus dem Maschinenbau kommen, werde sich deren Anteil künftig auf nur noch 25 Prozent verringern. Im Gegenzug werde der Anteil der IT-Experten (heute fünf Prozent) und Elektrotechniker (zehn Prozent) auf 30 beziehungsweise 25 Prozent ansteigen.

Die neu gegründete Unternehmenstochter Porsche Digital GmbH biete zusätzlich 50 Jobs „für kreative Menschen, die neueste Technologien und Mobilitätslösungen für das automobile Premiumsegment umsetzen wollen“, sagte Haffner. Insgesamt soll die Zahl der Mitarbeiter im Bereich Digitalisierung von heute rund 570 auf mehr als 900 im Jahr 2019 ansteigen. Zur Digital-Gesellschaft werde neben Standorten in Nordamerika, Asien und Berlin auch ein Digitalcampus in Ludwigsburg gehören, der später einmal Platz für bis zu 500 Mitarbeiter bieten soll. „Wir müssen den gerade überall gefragten ‚Nerds’ ein attraktives Arbeitsumfeld bieten“, so Haffner.

„Bei unserer weltweiten Suche nach Experten stehen wir in unmittelbarem Wettbewerb mit anderen Automobilherstellern, Zuliefer- oder IT-Firmen“, sagte der Personalchef und sprach sogar von einem „War for Talents“. Mit Geld allein ließen sich diese Köpfe nicht locken: „Es geht um packende Aufgaben, ein cooles Umfeld, möglichst viele Freiheiten für Kreativität und mehr denn je attraktive Angebote zur Work-Life-Balance.“ Mit der Fabrik für den Mission E läute Porsche ein „neues Zeitalter mit neuen Technologien“ ein, so Haffner.

Betriebsratschef spricht von Zeitenwende

Betriebsratschef Hück sieht in der Entwicklung des Mission E und den millionenschweren Investitionen drum herum ebenfalls eine „Zeitenwende“ eingeleitet. „Die neuen Technologien sind dabei der Schlüssel für die Zukunft“, sagte Hück am Dienstag. Sein Wunsch sei, dass „Stuttgart die deutsche Hauptstadt der Digitalisierung“ werde. Porsche müsse besser, kreativer und vor allem anders sein als seine Wettbewerber. „Die Fabrik 4.0 und der digitale Wandel werfen völlig neue Fragen auf – und wir wollen die besten und intelligentesten Antworten geben.“

Hück warnte allerdings davor, bei der Rekrutierung einseitig auf Akademiker zu setzen. An der Quote von 40 Prozent Lehrlingen mit Hauptschulabschluss werde festgehalten. Die Bemühungen, mehr weibliche Beschäftigte auch in technischen Berufen zu rekrutieren, würden intensiviert: „Die junge Generation geht ganz anders mit Themen wie Digitalisierung um und man muss nicht studiert haben, um dem digitalen Wandel gewachsen zu sein“, sagte Hück. Die Mitarbeiter – egal ob jung oder alt – müssten ihr Handwerk „in einer analogen und einer digitalen Welt“ beherrschen.

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