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Daimler weist Mitarbeiter nach Beleidigung des Vorstands in dem sozialen Netzwerk zurecht.

Stuttgart - Der Automobilhersteller Daimler hat fünf seiner Mitarbeiter des Werks Untertürkheim zur Personalabteilung zitiert, weil sie auf dem Social Media Portal Facebook Konzernchef Zetsche beleidigt hatten. "Wir haben einen Hinweis bekommen, dass einige unserer Beschäftigten unseren Vorstand als Lügenpack bezeichnet hatten", bestätigt ein Daimler-Sprecher. In dem Internetportal Facebook können Mitglieder sich in virtuellen Gruppen zusammenfinden, in denen sie über gemeinsame Interessen oder Ansichten diskutieren.

Stein des Anstoßes war die Gruppe "Daimler-Kollegen gegen Stuttgart 21", in der Gegner des Bahnhofsprojekts ihre Meinung sagten, nach Ansicht ihres Unternehmens aber zu weit gingen. Ein Mitarbeiter hatte den Konzernchef als Lügenpack bezeichnet und mehrere seiner Kollegen ihm zugestimmt. Bei Facebook geht das anhand eines "Gefällt mir"-Buttons. Fünf der Beschäftigten nutzten aber kein Pseudonym und waren deshalb namentlich erkennbar. "Wir haben dann gemeinsam mit dem Betriebsrat das Gespräch mit den Mitarbeitern gesucht", sagt der Daimler-Sprecher.

Der Betriebsratsvorsitzende des Werks Untertürkheim, Wolfgang Nieke, widerspricht: "Das Gegenteil war der Fall, es hat keine Absprache mit dem Betriebsrat gegeben." Nieke habe gegen die geplante Vorladung interveniert, da die Mitarbeiter in ihrer Freizeit das Recht hätten, sich kritisch zu Zetsches Engagement für Stuttgart 21 in der Öffentlichkeit zu äußern. "Weil wir ein Recht auf freie Meinungsäußerung in unserem Land haben, haben wir das erst kürzlich bei der Änderung der Verhaltensrichtlinie klargezogen." Vorher durften sich die Daimler-Beschäftigten nicht privat gegen die Meinung des Unternehmens stellen, jetzt gilt diese Regel nur noch bei offiziellen Auftritten. "Ich habe dann im Gespräch mit dem Vorstand erreicht, dass die Mitarbeiter, die lieber arbeiten wollen, statt zu dem Gespräch mit der Betriebsleitung zu gehen, das auch tun dürfen", so Nieke.

Zu dieser Zeit war aber schon ein Teil der Gespräche geführt. "Folgen für unsere Mitarbeiter gibt es nicht", so der Daimler-Sprecher, "wir haben sie lediglich auf Verhaltensrichtlinien in unserem Unternehmen hingewiesen." Es sei nicht in Ordnung, wenn Kollegen oder Chefs beschimpft würden.

Nach Wolfgang Niekes Einschätzung hat Daimler bei Facebook interveniert und die Abschaltung der Gruppe erwirkt. Das Unternehmen selbst wollte das nicht bestätigen, gibt aber zu, den Kontakt zu Facebook gesucht zu haben: "Wir haben das Portal auf die Inhalte aufmerksam gemacht", sagt der Sprecher. Was dann passiert ist, wisse er nicht. Daimler versuche aber nicht, Internetzensur zu betreiben.

Tatsächlich existiert eine neue Facebook-Gruppe von Daimler-Mitarbeitern zu S 21, mit dem gleichen Namen wie vorher, aber ohne Inhalte und mit nur einem Mitglied.

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