Extremisten Zahl der Salafisten im Südwesten steigt an

Von Nils Mayer 

Immer mehr Salafisten wohnen in Baden-Württemberg – 120 sind laut Verfassungsschutz gewaltorientiert. Foto: dpa
Immer mehr Salafisten wohnen in Baden-Württemberg – 120 sind laut Verfassungsschutz gewaltorientiert. Foto: dpa

Verfassungsschützer stufen 120 der insgesamt 620 in Baden-Württemberg lebenden Salafisten als gewaltorientiert ein. Das Land setzt unter anderem auf eine Beratungsstelle in Stuttgart, an die sich Angehörige von radikalisierten Personen wenden können.

Stuttgart - In Baden-Württemberg leben immer mehr Salafisten. Im ersten Quartal dieses Jahres zählte das Landesamt für Verfassungsschutz (LfV) rund 620 Personen mit einem entsprechenden ideologischen Hintergrund. Rund 120 von ihnen stufen die Verfassungsschützer als gewaltorientiert ein. Das geht aus einer Antwort des Innenministeriums auf eine Parlamentarische Anfrage des Landtagsabgeordneten Lars Patrick Berg (AfD) hervor, die unserer Zeitung exklusiv vorliegt. Im Verfassungsschutzbericht 2016 waren es landesweit noch 600 Salafisten gewesen. „Die salafistische Ideologie und Propaganda sind eine akute Bedrohung für unsere Demokratie“, sagte Berg, „ein wehrhafter Staat muss sich dieser Gefahr konsequent entgegenstellen.“

Rund ein Drittel der Salafisten im Land stammt aus Deutschland. Darüber hinaus kommen sie vor allem aus Marokko (14 Prozent) und dem Irak (6 Prozent).

„Lies!“-Bewegung verboten

Um Anwerbeversuchen von salafistischen Vereinigungen entgegenzuwirken, hatte das Innenministerium bereits vor zwei Jahren ein Kompetenzzentrum eingerichtet, das Präventionsangebote koordiniert, Aussteiger betreut und den Informationsfluss zwischen staatlichen und nicht staatlichen Einrichtungen und Akteuren im Präventionsnetzwerk gegen islamistischen Extremismus gewährleistet. Außerdem gibt es in der Stuttgarter Innenstadt eine Beratungsstelle, die radikalisierten Personen und deren Angehörigen hilft. „Wir tun präventiv und repressiv das Mögliche, um die aus dem Salafismus drohenden Gefahren zu bekämpfen“, sagte Innenminister Thomas Strobl (CDU).

Strobl wies darauf hin, dass man etwa die „Lies!“-Bewegung Ende des vergangenen Jahres verboten und in einer länderübergreifenden Aktion zerschlagen habe. „Vereine, die junge Menschen mit menschenverachtendem Hass und antidemokratischen Ideologien radikalisieren, haben bei uns nichts verloren“, betonte er.

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