Zum internationalen Frauentag gab es in Leonberg eine ungewöhnliche Veranstaltung: eine Mischung aus Bierverkostung und Infoabend über weibliche Persönlichkeiten aus 2000 Jahren Kirchengeschichte.
Bier, Frauen und weibliche Persönlichkeiten in der Kirchengeschichte – das mag auf den ersten Blick nicht sofort zusammenpassen. Doch es passt perfekt, wie eine Veranstaltung zum internationalen Frauentag gezeigt hat. Die evangelische Kirchengemeinde in Höfingen und die evangelische Erwachsenenbildung haben eingeladen zu einer Mischung aus Bierverkostung und religiösem Infoabend. Während der Pfarrer Jochen Haas interessante Frauen aus 2000 Jahren Kirchengeschichte vorstellte, probierten mehr als 60 Gäste im katholischen Gemeindehaus – viele Frauen und einige Männer – verschiedene Biere, hinter denen allesamt weibliche Brauerinnen stehen.
Biersommelière und Theologe wechseln sich ab
Präsentiert werden sie von der Biersommelière Vanessa Pantoudis. Ihre persönliche Bierreise fing in den irischen Pubs an, erzählt die 34-jährige Ludwigsburgerin, die in ihrer Heimatstadt einen Laden mit Bieren aus aller Welt betreibt. Ihr Motto „hop around the world“ spricht für ihre Leidenschaft für Bier – hop steht hier für Hopfen – und fürs Reisen. Ihren Job als Werbetechnikerin gab sie auf und ließ sich an der Deutschen Bierakademie in Bamberg zur internationalen Biersommelière ausbilden. Und Jochen Haas freut sich, „dass ich heute viel über Kirchengeschichte erzählen kann, das hat mich immer fasziniert“.
So spielen sich die Sommelière und der Theologe die Bälle zu und das Publikum merkt schnell, wie gut Bier und Frauen zusammenpassen. Allerdings, so Jochen Haas, komme Wein in der Bibel rund 1500 Mal vor, Bier hingegen nur sechsmal. Dennoch habe der Gerstensaft in der Kirchengeschichte große Bedeutung gehabt, etwa jahrhundertelang in den Klöstern, in denen sich Nonnen und Mönche selbst mit Bier versorgt und dies auch verkauft haben. Noch viel weiter zurück, nämlich ins vorchristliche Babylonien, reicht eine Gesetzessammlung, der Codex Hammurabi. Darin ist genau geregelt, wie Frauen mit Bier umgehen sollen.
Nicht jedes Bier schmeckt den Gästen
Das erklärt Vanessa Pantoudis nun auch den Gästen. „Erst mal das Bier im Glas anschauen, welche Farbe hat es, wie riecht es, dann langsam trinken.“ Auf den Tischen gibt es nicht nur große Vesperplatten, sondern auch Bierdeckel mit Farbpaletten von Blond bis Schwarz und möglichen Aromen von Gewürz über Malz bis Südfrucht.
Die Vielfalt merken die Bierfreundinnen und -freunde schon beim ersten Bier; einer Berliner Weisse. Ist die Farbe nun „blond“ oder „hell“ – die Karten werden ans Glas gehalten, riecht es nach Sekt oder fruchtig. „Es schmeckt nach Zitrone“, sagt eine Tischgenossin. Ein Mann meint, es schmecke wie schlechter Sekt. „Diese traditionell mit Gerste und Weizen gebraute Berliner Weiße wurde von Napoleon entdeckt und als Champagner des Nordens bezeichnet“, sagt Pantoudis. Es sei ein durchaus polarisierendes Bier.
Auch Lydia aus Thyatira hat ihren Gästen womöglich Bier ausgeschenkt. Sie war wohl der erste Mensch, der sich in Europa vom Apostel Paulus taufen ließ. Ob sie das Bier selbst gebraut hat, ist nicht bekannt. Aber Vanessa Pantoudis stellt nun ihr erstes eigenes Bier vor, das sie mit der schwäbischen Singh-Brauerei kreiert hat und das die Hopfendolde in der Weltkugel zeigt. „Einfach nur ein Helles zu brauen, war mir zu langweilig. Ich habe noch neuseeländischen Hopfen dazugegeben“, erklärt sie. Dieses Land habe sie am meisten geprägt.
Die Wahl des beliebtesten Bier ist eindeutig
Während sie das bernsteinfarbene Bier trinken, erfahren die Gäste Interessantes über Mechthild von Magdeburg, die im 13. Jahrhundert mystische Schriften verfasst hat. Weiter spricht Jochen Haas über Argula von Grumbach, eine bedeutende Frau der Reformationsgeschichte, über die Pietistin Beata Sturm, eine Laientheologin im 18. Jahrhundert, und über Charlotte Reihlen, die unter anderem die Gründung der Diakonissenanstalt in Stuttgart gefördert hat.
Die Gäste probieren derweil weitere Biere, von denen die Sommelière Herkunft und Besonderheiten in Geschmack und Herstellung weiß: ein sehr malzbetontes Rotbier von der Schwäbischen Alb, dann das Dinkel Ale mit Aroma-Hopfen und dem schönen Namen „Holla die Bierfee“ aus Franken, auf das das kaltgehopfte Dark Ale mit dem Namen „Emma, Biere ohne Bart“ folgt. Zu guter Letzt testen die Besucherinnen und ihre Begleiter das „Tricky Triple“, das für einen höheren Alkoholgehalt von den Brauerinnen aus Amsterdam dreifach fermentiert wird.
Als Vanessa Pantoudis das Publikum nach seinen Sympathien für die einzelnen Biere fragt, erhält sie für ihr eigenes mit Abstand den meisten Applaus. „Aber jedes Bier hat heute Stimmen bekommen“, sagt sie versöhnlich. „Ihr seht, die Geschmäcker sind verschieden.“