Eva F. wohnt mit Mann und zwei Kindern im Frankfurter Stadtteil Westend. Das Foto zeigt sie in Berlin Foto: Privat

Wegen einer Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg wird am Sonntag ein Teil der Frankfurter Innenstadt evakuiert. Eva und ihre Familie wohnen im betroffenen Stadtteil. Sie erzählt, wie sie sich aufs Wochenende vorbereiten.

Frankfurt - Wegen einer Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg wird am Sonntag ein Teil der Innenstadt von Frankfurt am Main evakuiert. Eva F. und ihre Familie wohnen im betroffenen Stadtteil. Frau F. erzählt, wie sie sich aufs Wochenende vorbereiten.

Frau F., wie lange wohnen Sie im Frankfurter Westend?
Abgesehen von zwei Unterbrechungen – ich war zwei Jahre in London und drei Jahre in Köln – wohne ich bereits mein ganzes Leben lang hier im Westend – also mittlerweile seit 37 Jahren.
Was erscheint Ihnen im Moment merkwürdiger: dass sie am Sonntag evakuiert werden oder dass Sie seit Jahren in der Reichweite einer Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg wohnen?
Ehrlich gesagt, habe ich mir noch gar keine keine Gedanken darüber gemacht, wie lange wir hier schon auf einer potenziellen Gefahr wohnen. Mich beschäftigt momentan eher die Evakuierung an sich. Das ist schließlich sehr ungewöhnlich und natürlich auch etwas merkwürdig – alleine die Tatsache, dass eine derart große Anzahl von Menschen die Gegend hier am Sonntag verlassen soll. Das Viertel ist danach ja wie ausgestorben. Das finde ich etwas unheimlich.
Als zweifache Mutter: Wie erklären Sie das den Töchtern, ohne sie unnötig zu beunruhigen?
Die eine ist erst ein paar Monate alt, da ist das eher kein Thema. Die andere ist aber gerade in den Kindergarten gekommen: sie wird das alles mitbekommen. So genau weiß ich noch gar nicht, wie ich ihr das erkläre. Ich denke aber, ich werde ihr sagen, dass Bauarbeiten stattfinden und wir deshalb nicht in die Wohnung können.
Wissen Sie schon wie das alles ablaufen wird?
Es heißt, die Polizei beginnt ab sechs Uhr mit der Evakuierung und um acht Uhr sollen dann alle Bewohner den betroffenen Radius verlassen haben – was auch immer damit gemeint ist, beziehungsweise wie auch immer das gemacht wird. Ich vermute mal, die klingeln. Aber ich frage mich dann auch, was gemacht wird, wenn jemand beispielsweise die Tür nicht öffnet – oder wie das überhaupt überprüfbar ist, ob alle Menschen das Viertel verlassen haben.
Wo werden Sie am Sonntag hingehen?
Das ist alles noch etwas unklar und wird einem auch von der Stadt nicht aktiv mitgeteilt. Vieles erfährt man aus den Sozialen Medien. Meine Eltern, die auch hier leben, müssen sich komplett darauf verlassen, was wir ihnen erzählen.
Fühlen Sie sich alleingelassen?
Nein, eher etwas im Unklaren gelassen. Natürlich muss man sich als Bürger auch ein stückweit selbst informieren, doch gerade die Älteren, die keinen Zugang zu Facebook haben, fühlen sich wahrscheinlich etwas aufgeregter als wir und eben auch ein bisschen alleingelassen. Ich möchte der Stadt aber auch nicht Unrecht tun. Vielleicht hätte ich alle Informationen auch wenn ich regelmäßig „Hessenschau“ im Fernsehen anschauen würde.
Was wünschen Sie sich?
Informationsstände in der Nachbarschaft zum Beispiel. Da niemand hier Erfahrung in solchen Dingen hat, fände ich es schön, wenn man da auf der Straße einen persönlichen Ansprechpartner hätte, dem man all die Fragen stellen könnte.
Denken Sie darüber nach, was Sie mitnehmen, wenn Sie die Wohnung verlassen?
Nein, höchstens was ich für die Kinder einpacke. Mein Mann meinte gestern, wir sollten eventuell das Porzellan auf den Boden stellen, damit es nicht aus dem Schrank fällt, falls etwas schiefgeht. Aber ich habe mitbekommen, dass sich einige Menschen hier Gedanken wegen ihrer Kleintiere machen. Klar, einen Hund nimmt man mit, aber was mit den Kaninchen, Hamstern oder dem Wellensittich passieren soll, wird noch munter diskutiert. Ach, das alles wird sicherlich aufregend.
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