Wolfgang Epple und Hanno Gräßer vom Verein Deutsches Jazzmuseum, Stadtmuseums-Chef Hansjörg Albrecht und Buchgestalter Peter Wäschle (von links) mit ihrem Werk. Foto: Roberto Bulgrin

Der Bassist Eberhard Weber war auf den Bühnen dieser Welt zuhause, doch er blieb Esslingen stets verbunden. Das Stadtmuseum und der Verein Deutsches Jazzmuseum haben ihn mit einer Ausstellung gewürdigt, die nun in einem Buch dokumentiert wurde.

Wenn er zu erzählen beginnt, könnte man ihm stundenlang zuhören, denn sein Fundus an Erinnerungen ist schier unerschöpflich. Eberhard Weber hat als Bassist die großen Bühnen dieser Welt erobert, mit seinem ganz eigenen Stil hat er das Bassspiel revolutioniert. Doch trotz aller internationalen Erfolge blieb der heute 82-Jährige seiner Heimatstadt treu, auch wenn er seine Zelte inzwischen im Süden Frankreichs aufgeschlagen hat. Mit der Ausstellung „Eberhard Weber – Colours of Jazz“ haben ihm der Verein Deutsches Jazzmuseum und das Esslinger Stadtmuseum im vergangenen Jahr die Ehre erwiesen. Ein Buch hält die Ausstellung und ihre Exponate für die Ewigkeit fest.

 

Vielfältige Erinnerungen

Eigentlich sollte die Schau zu Webers 80. Geburtstag 2020 eröffnet werden, doch die Einschränkungen der Coronazeit bremsten die Macher aus: Alles war fertig, als die Pandemie dazwischenfunkte. Erst im Frühjahr 2021 konnte die Ausstellung eröffnet werden – und sie war ein Riesenerfolg. Die Macher des Vereins Deutsches Jazzmuseum um Hanno Gräßer, Wolfgang Epple, Bernhard Neubauer und Peter Wäschle hatten die Präsentation mit dem damaligen Stadtmuseums-Leiter Martin Beutelspacher in jahrelanger Kleinarbeit vorbereitet und jede Menge Exponate zusammengetragen. Dass Sammler Epple über einen reichhaltigen Fundus von Erinnerungsstücken verfügt, hat manches erleichtert.

Über das Konzept war sich der Verein Deutsches Jazzmuseum mit dem damaligen Museums-Leiter Martin Beutelspacher und seinem Stellvertreter Christian Rilling rasch einig: „Eine Präsentation, die von Esslingen ausgeht, aber Bezüge weit über die Stadt hinaus in die Welt zeigt – das war und ist nach unserer Auffassung das, was das Stadtmuseum in seinen Ausstellungen zeigen sollte“, umreißt Beutelspacher das Konzept. „So wuchs das Projekt und nahm große Formen an: Der deutsche Nachkriegsjazz, die Entwicklung und alle Platten Webers, seine Tourneen und Filmmusiken, der legendäre ‚Weber-Bass’, dazu ein interaktives Musikzimmer zum Zusammenspiel für interessierte Besucher und Webers Musik selbst in den Räumen der Dauerausstellung, die ihnen eine neue Stimmung gab. Für einige Monate war das Esslinger Stadtmuseum durch diese eindrucksvoll arrangierten Variationen tatsächlich ein Jazzmuseum.“

Ein Leben in Stationen

Der erste Teil der Ausstellung hat Webers Anfänge in Esslingen dokumentiert. Ein weiterer Raum war den 50er-Jahren gewidmet – und einem Blick zurück auf jene Zeit, als immer mehr Menschen zu verstehen begannen, dass Jazz nicht des Teufels, sondern eine ernst zu nehmende Musik ist, die Platz für viele Finessen bietet. Der dritte Saal erinnerte an Webers Umzug nach Wiesbaden, an seine Nähe zur damals führenden Frankfurter Szene und an die Freundschaft mit Kollegen wie Volker Kriegel. Der vierte Raum ließ Webers Karriere in den 70ern lebendig werden – zahlreiche Plattencover dokumentierten Sternstunden seiner Musik. Der fünfte Teil der Ausstellung rückte Webers internationale Karriere in den Fokus, als er mit der Jan Garbarek Group auf vielen Bühnen rund um den Globus zu Gast war. Und der sechste Saal war eine Hommage an den Musiker und Komponisten, der international hoch geschätzt wurde und wird, und der neben zahlreichen erfolgreichen Alben auch eine Reihe wichtiger Auszeichnungen erhalten hat.

Die Ausstellung „Eberhard Weber – Colours of Jazz“ ist aus dem Esslinger Stadtmuseum längst wieder verschwunden, doch in der von Peter Wäschle gestalteten und nun erschienenen Dokumentation bleiben die Exponate und die Stimmung der Präsentation zwischen zwei Buchdeckeln erhalten. Dass die Publikation erscheinen konnte, war nicht nur dem Stadtmuseum und seinem heutigen Leiter Hansjörg Albrecht zu verdanken, sondern auch der Zukunftsstiftung Heinz Weiler, die ihren Teil zum Gelingen beitrugen. Und wer noch tiefer in Leben und Werk von Eberhard Weber eintauchen möchte, kann sich den Soundtrack der Ausstellung auch selbst zusammenstellen: Die einzelnen Titel, die als Soundbeispiele im Stadtmuseum zu hören waren, sind ebenfalls in der Buch-Dokumentation akribisch aufgelistet.

Die Dokumentation der Ausstellung „Eberhard Weber – Colours of Jazz“ kann für 48 Euro unter info@jazzmuseum-ev.de bestellt werden.