Essener Tafel Hilfe nur noch für Deutsche

Von AFP/mb 

Die Essener Tafel nimmt vorerst nur noch Bedürftige mit deutschem Pass neu in ihre Kartei auf. Foto: dpa
Die Essener Tafel nimmt vorerst nur noch Bedürftige mit deutschem Pass neu in ihre Kartei auf. Foto: dpa

Die Essener Tafel nimmt wegen des großen Andrangs vor allem von Flüchtlingen vorerst nur noch Deutsche als Neukunden auf. Der Ausschluss stößt bei Sozialverbänden und anderen Tafeln auf Kritik.

Essen - Auf scharfe Kritik ist die Entscheidung der Essener Tafel gestoßen, wegen der hohen Zahl an Flüchtlingen unter ihren Kunden derzeit nur noch Deutsche aufzunehmen. Die Sprecherin der Berliner Tafel, Antje Trölsch, lehnte ein solches Vorgehen klar ab: „Das Kriterium bei uns ist die Bedürftigkeit, und niemals die Nationalität“, sagte Trölsch am Donnerstag (22. Februar).

„Die Trennung nach deutschem oder nicht-deutschem Pass ist sehr, sehr ungünstig“, kritisierte auch Inka Jatta, Mitglied der Geschäftsführung von Pro Asyl Essen. Die Maßnahme widerspreche dem allgemeinen Gleichbehandlungsgrundsatz.

Kritiker: Fatale öffentliche Wirkung

Der Vorsitzende der Freien Wohlfahrtspflege NRW, Christian Heine-Göttelmann, erklärte, Bedürftigkeit entscheide sich nicht an der Herkunft. Die öffentliche Wirkung des Aufnahmestopps für Ausländer sei „fatal, weil sie dem Rechtspopulismus Nahrung gibt“. Wenn es einen hohen Andrang auf eine Tafel gebe, könnten Wartelisten geführt oder die Bedürftigkeit geprüft werden, wie dies beispielsweise in Düsseldorf und Dortmund der Fall sei, so Heine-Göttelmann. Auch in den sozialen Netzwerken wurde die Entscheidung der Essener Tafel heftig diskutiert.

Essener Tafel: 75 Prozent Ausländer

Die Essener Tafel hatte den geplanten Ausschluss im Dezember auf ihrer Webseite verkündet. „Da aufgrund der Flüchtlingszunahme in den letzten Jahre, der Anteil ausländischer Mitbürger bei unseren Kunden auf 75 Prozent angestiegen ist, sehen wir uns gezwungen um eine vernünftige Integration zu gewährleisten, zurzeit nur Kunden mit deutschem Personalausweis aufzunehmen“, hieß es zur Begründung.

Der Vorsitzende des Vereins der Essener Tafel, Jörg Sartor, verteidigte den Ausschluss von Nicht-Deutschen bei den Neuzugängen. Demnach seien zuletzt immer weniger Einheimische gekommen. Nachfragen hätten ergeben, dass sich gerade ältere Frauen von den jungen, fremdsprachigen Männer abgeschreckt gefühlt hätten. Auch alleinerziehende Mütter seien immer häufiger weggeblieben.

Sartor sieht einen Zusammenhang zwischen den Beschwerden und dem „mangelnden Respekt gegenüber Frauen“ einiger der Männer. „Wenn wir morgens die Tür aufgeschlossen haben, gab es Geschubse und Gedrängel ohne Rücksicht auf die Oma in der Schlange.“

1,5 Millionen Tafel-Kunden

934 Tafeln mit mehr als 2100 Tafel-Läden und Ausgabestellen sind im Bundesverband Deutsche Tafel e. V. organisiert, davon allein circa 140 in Baden-Württemberg. Sie verteilen Lebensmittel, die beispielsweise Supermärkte gespendet haben. Wer Kunde bei einer Tafel werden will, muss seine Bedürftigkeit nachweisen, etwa über einen Hartz-IV-Bescheid.

Die erste Tafel wurde 1993 von der Unternehmerin Sabine Werth in Berlin gegründet. Heute ist das Bundesgebiet weitgehend aufgeteilt. Fast jede Stadt über 50 000 Einwohner beherbergt inzwischen eine Tafel. Mehrere Zehntausend Tonnen überschüssige Lebensmittel werden nach Angaben des Bundesverbandes der Tafeln jedes Jahr verteilt.

Für mehr als 1,5 Millionen Menschen sind die Billigangebote ein wichtiger Teil ihrer Ernährung, davon sind nach Angaben des Bundesverbands 23 Prozent Kinder und Jugendliche, 53 Prozent Erwachsene im erwerbsfähigen Alter, 23 Prozentrentner und 19 Prozent Alleinerziehende.

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