Der Steinbruch in Marbach-Rielingshausen: die Erweiterungsfläche beginnt im vorderen Bildbereich. Foto: Werner Kuhnle

Wo viel gebaut wird, wird auch viel Material benötigt. Ein Teil davon kommt aus den Steinbrüchen der Region Stuttgart. Der Verband Region Stuttgart muss diese Areale in seinem Regionalplan ausweisen. Die Debatte wird mit Spannung erwartet, gerade von Bürgerinitiativen, die sich gegen Erweiterungen wehren.

Stuttgart - Schon seit mehr als drei Jahren gibt es Streit über die Erweiterung des Steinbruchs im Marbacher Ortsteil Rielingshausen. Die Pläne der Firma Klöpfer werden von einer örtlichen Bürgerinitiative, aber auch dem Ortschaftsrat und dem Marbacher Gemeinderat abgelehnt. Nun befasst sich am Mittwoch, 4. November, der Planungsausschuss der Regionalversammlung mit dem Thema. Er muss entscheiden, ob ein Verfahren zur Änderung des Regionalplans eingeleitet wird – mit offenem Ausgang, wie Planungschef Thomas Kiwitt betont. Das ist zwar noch keine Genehmigung, um den Steinbruch zu erweitern, die ohnehin vom Landratsamt Ludwigsburg erteilt werden müsste, aber es ist regionalplanerisch ein erster Schritt in diese Richtung. Ein Nein zur Änderung des Regionalplans würde die Erweiterung stoppen.

Bürgerproteste auch in Herrenberg

Deshalb wird das Votum des Gremiums mit Spannung erwartet. Im Frühjahr hatten die Regionalräte ohne Gegenstimmen der Erweiterung des Steinbruchs der Firma Schotterwerke Böttinger in Herrenberg-Haslach zugestimmt, allerdings war die Vergrößerung des Abbaugebiets um 5,7 Hektar bereits im Regionalplan enthalten. Auch hier macht eine Bürgerinitiative wegen der Lärm- und Staubbelastung Front gegen die Pläne. Die Herrenberger Stadtverwaltung übt ebenfalls Kritik und wollte das Vorhaben verhindern, scheiterte aber mit einem neu gefassten Bebauungsplan an den obersten Verwaltungsrichtern. Ohne die Erweiterung könne nur noch drei Jahre abgebaut werden, argumentiert die Firma, sie brauche aber Planungssicherheit, um in eine neue Anlage zu investieren. Mit der Erweiterung würde der Betrieb noch 30 bis 35 Jahre weitergehen.

Erweiterung in Rielingshausen umstritten

Nicht viel anders ist die Lage in Marbach-Rielingshausen. Auch dort macht die Firma Klöpfer Investitionen in die Anlage davon abhängig, dass sie den Steinbruch um fast zwölf Hektar erweitern und damit die nächsten 20 Jahre betreiben kann. Auch dort beklagen Anwohner, dass der Betrieb noch näher an ihre Häuser heranrücken würde. Schon heute würden sie durch Sprengungen, Lärm und Staub belastet. Sie lehnen es auch ab, die Erweiterung etwas zu verlagern und damit in ein Landschaftsschutzgebiet einzugreifen, was die Region vom Regierungspräsidium prüfen lässt.

Neue Pläne für Markgröningen und Weissach

Allerdings geht es am Mittwoch nicht nur um den Standort Marbach-Rielingshausen. Auch die Schotterwerke Markgröningen wollen sich den, noch nicht aktuellen Zugriff auf weitere Flächen, die sie gekauft haben, planungsrechtlich absichern lassen. Zudem soll bei Weissach (Kreis Böblingen) ein auf Reserve vorgehaltenes, 41 Hektar großes Gelände als mögliches Abbauareal aus dem Regionalplan gestrichen werden. Dort will das Regierungspräsidium Stuttgart ein Naturschutzgebiet ausweisen. Deshalb sei es ohnehin unwahrscheinlich, dass ein neuer Steinbruch genehmigt würde. Eine kleine Erweiterung ist beim Steinbruch Hohenstadt/Drackenstein (Kreis Göppingen) vorgesehen, doch die ist unter der Eingriffsschwelle der Regionalplanung.

Region soll Rohstoffabbau sichern

Die Regionalräte befassen sich deshalb mit diesen Plänen, weil der Verband Region Stuttgart für die „Sicherung abbauwürdiger Rohstoffvorkommen“ zuständig ist. Deshalb weist er in seinem Regionalplan die Flächen aus, wo Betriebe aktuell und künftig arbeiten, reserviert aber auch Areale, auf denen in einigen Jahren oder Jahrzehnten Gestein gebrochen werden kann. Ziel ist dabei, die Rohstoffversorgung mit Baumaterial in der Region dauerhaft zu sichern und den Abbaubetrieben Planungssicherheit zu geben. Der Bedarf könne durch Recyclingmaterial und andere Rohstoffe nicht ersetzt werden. Eine „verbrauchsnahe Gewinnung“ verkürze auch die Transportwege. Demgegenüber stehen die Beeinträchtigung der Anwohner und Ziele wie Natur- und Landschaftsschutz. Dabei machen Kiwitt und die Verbandsverwaltung keinen Hehl daraus, wie schwer es sei, heute neue, noch nicht genutzte Abbauareale zu erschließen. Deshalb müssten bestehende Steinbrüche so lang wie möglich genutzt, ihre Erweiterung aber gründlich abgewogen werden. Dem diene ein Verfahren zur Regionalplanänderung, in dem auch die Auswirkungen auf die Umwelt dargelegt werden.

21 Betriebe in der Region

Die Region hat großflächige Vorkommen mineralischer Rohstoffe, vor allem Muschelkalk, Ton und Sande. Im Regionalplan 2009 sind 31 Gebiete mit 420 Hektar festgelegt, auf denen abgebaut werden kann, und 30 mit 430 Hektar, die für künftigen Abbau gesichert werden. Seit 2009 hat sich die Abbaufläche um 20 Prozent verringert, die Stilllegung des Abbaus der Firma Fink in Bietigheim-Bissingen sorgt für eine weitere Reduzierung. Momentan gibt es 21 aktive Abbaustätten, davon 14 für Muschelkalk, Schotter, Kies und Natursteine. Sie fördern jährlich knapp 10 Millionen Tonnen Gestein.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: