Ästhetisch für viele Architekturexperten und Besucher ein Hochgenuss, technisch dagegen ein Sorgenkind: die zentrale Stadtbibliothek am Mailänder Platz. Foto: Lichtgut/Verena Ecker

Die Geschichte will nicht enden: Auch sieben Jahre nach der Eröffnung kämpft die Stadtbibliothek am Mailänder Platz noch immer mit technischen Mängeln.

Stuttgart - Die Besucherin der Stuttgarter Stadtbibliothek erinnert sich mit spürbarem Unbehagen. „Das war eine schlimme Situation“, sagt sie. Sie spricht von einer Aufzugfahrt vor einigen Wochen im schicken Würfel am Mailänder Platz. Erst hatte es schon eine gefühlte Ewigkeit gedauert, bis überhaupt ein Aufzug kam, weil einer außer Betrieb gewesen ist. Als sich dann doch die Türen öffneten, war die kleine Kabine wie so häufig mit zehn Personen voll besetzt. Und blieb während der Fahrt plötzlich stehen. Nichts ging mehr.

„Wir haben den Notknopf betätigt, die Ansprechperson war auch total nett, aber einige Leute waren kurz davor, in Panik zu geraten“, erzählt die Frau. Irgendwann gelang es den Fahrgästen schließlich selbst, die Türen auseinanderzudrücken und das nahe nächste Stockwerk zu erreichen. „Einige sind in keinem guten Zustand gewesen. Und uns wurde erzählt, dass das nicht das erste Mal passiert ist“, so die Besucherin.

Das stimmt tatsächlich . „Zum Glück bleiben nicht so häufig Leute stecken, aber es kommt vor. Wir haben inzwischen selbst einige Mitarbeiter geschult, die Leute zu befreien“, sagt Christine Brunner. Die Direktorin der Stadtbibliothek macht keinen Hehl daraus, dass sie wenig davon begeistert ist, dass das Haus auch sieben Jahre nach seiner Eröffnung noch immer mit technischen Pannen zu kämpfen hat: „Wir sind schlicht zu erfolgreich. Das Haus ist auf eine Million Besucher jährlich ausgelegt, inzwischen haben wir 1,7 Millionen. Wir wollen aber niemanden aussperren. Also müssen wir schauen, dass das Haus verkehrssicher ist.“

70 Millionen Euro Baukosten

Besonders die Aufzüge sind von Anfang an ein Ärgernis, das sich die Stadt zum Teil selbst eingebrockt hat. Zwar hat der 70 Millionen Euro teure Bau des südkoreanischen Stararchitekten Eun Young Yi in Architekturkreisen für viel Aufsehen gesorgt und kommt auch bei vielen Besuchern gut an, doch in der Technik steckt der Wurm. Erst wurde der dritte Aufzug gestrichen. Dann musste er wegen des Besucherandrangs und langer Warteschlangen doch noch nachgerüstet werden – für deutlich mehr Geld. Auch die Mediensortieranlage ist laut Christine Brunner nach wie vor unterdimensioniert.

Immerhin soll es mit den Aufzügen jetzt vorangehen. „Sie haben in der Vergangenheit Schwierigkeiten gemacht, es ist auch zu Personeneinschlüssen gekommen“, heißt es beim Hochbauamt. Die Suche nach der Ursache habe sich „als sehr kompliziert dargestellt“. Es seien verschiedene Steuereinheiten und die Software betroffen gewesen. Die Aufzugsfirma habe immer wieder verschiedene Ursachen ausschließen müssen, doch jetzt seien die Fehler gefunden. Bis Ende November sollen alle betroffenen Teile ausgetauscht sein. Christine Brunner hofft, dass die Aufzüge dann nicht nur weniger störanfällig, sondern auch „ertüchtigt sind, damit sie schneller werden“.

Neue Türen von Januar an

Dabei wird es aber nicht bleiben. Große Probleme hat es von Anfang an auch mit den vier Zugangstüren zur Bibliothek gegeben. Die Schwingtüren sind so schwer, dass sie bei starkem Wind von den Besuchern kaum noch zu öffnen sind. An der Westseite schlug der Wind die Tür sogar so heftig zu, dass die Hand einer Frau eingeklemmt wurde und ärztlich behandelt werden musste.

Deshalb sind seit längerem Sicherheitsleute im Einsatz, die darauf achten sollen, dass bei starkem Wind nicht mehrere Türen geöffnet sind und sich der Effekt noch verstärkt. Außerdem ist einer der Zugänge probeweise mit automatischen Schiebetüren versehen worden. Das hat 200 000 Euro gekostet – und ist offenbar von Erfolg gekrönt. Denn die anderen drei Eingänge sollen nun folgen. „Die Türen im Norden, Osten und Süden sollen im nächsten Jahr ausgetauscht werden“, teilt das Hochbauamt mit. Begonnen werden die Arbeiten, die weitere 600 000 Euro kosten, im Januar. Bis Oktober soll alles abgeschlossen sein.

Besucher und Mitarbeiter der Stadtbibliothek hoffen, dass die größten technischen Probleme dann endlich behoben sind. „So lange“, sagt Christine Brunner, „müssen wir noch Geduld bewahren.“

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