Deutliches Übergewicht wirkt sich negativ auf die Gesundheit aus und begünstigt chronische Krankheiten wie Diabetes. Foto: dpa

Studie: Bis 2045 wird über ein Drittel der Deutschen stark übergewichtig sein. Auch die Volkskrankheit Diabetes greift weiter um sich.

Kopenhagen - Für Millionen von Menschen kommt’s richtig dicke. Laut einer dänischen Studie wird der weltweite Anteil fettleibiger Menschen bis zum Jahr 2045 dramatisch ansteigen. Derzeit sind rund 14 Prozent der Weltbevölkerung fettleibig. In knapp 30 Jahren sollen es laut einer Untersuchung von Novo Nordisk 22 Prozent sein. Der dänische Pharmakonzern ist einer der Weltmarkt­führer im Bereich der Diabetes-Pharmazie.

Als übergewichtig gelten Personen mit einem Body-Mass-Index (BMI) von 25 bis 30. Fettleibig ist die nächste Stufe mit BMI-Werten über 30. Deutliches Übergewicht wirke sich negativ auf die Gesundheit aus und begünstige chronische Krankheiten wie Diabetes, warnen die Verfasser der Studie.

So werden bis 2045 zwölf Prozent aller ­Erdenbewohner an Diabetes Typ 1 oder Typ 2 leiden. 2017 waren es noch neun Prozent. Rund 90 Prozent der Diabetiker leiden heute an Typ 2, der auch als Altersdiabetes bezeichnet wird.

Fettleibigkeit wird zu einem immer größeren Problem

Der Anteil der fettleibigen Deutschen wird demnach von 25,8 Prozent 2017 auf 36,6 Prozent 2045 ansteigen. Die Zahl der Diabetiker wird von 10,1 auf zwölf Prozent zunehmen. Hierzulande erkranken jedes Jahr bis zu 500 000 Menschen an Diabetes. In den USA wird diese Entwicklung noch gravierendere Folgen haben. Während 2017 noch 39 Prozent der US-Bürger fettleibig waren, sollen es 2045 bereits 55 Prozent sein. Die Zahl der an Diabetes Typ 2 Erkrankten wird von 14 auf 18 Prozent steigen.

Auch in den Entwicklungs- und Schwellenländern, wo die Menschen sich früher im Vergleich zu den Industrieländern relativ gesund ernährten, wird Fettleibigkeit zu einem immer größeren Problem. So wird in China die Rate der Fettleibigen sich von 9,2 (2017) auf 19,3 Prozent (2045) verdoppeln.

„Wir brauchen aggressive und koordinierte Einsätze, um diesen gefährlichen Trend umzukehren“, sagt Steffen Nielsen, Direktor der Gesundheitsinitiative Cities Changing Diabetes bei Novo Nordisk. Der Kampf gegen Diabetes müsse zuerst in den internationalen Metropolen ansetzen. Dort könne man die Menschen schneller erreichen als in ländlichen Gebieten, so Nielsen.

Einsame Menschen leben häufig ungesünder

Nach Aussage von Nielsen dauert es durchschnittlich zehn bis 15 Jahre, bis Übergewichtige an Diabetes erkranken. „Selbst wenn wir heute den Trend zum Dicksein umkehren, würde die Wende nur sehr langsam kommen.“ Studien hätten gezeigt, dass man sich neben den medizinischen Aspekten verstärkt auch auf die kulturellen und sozialen Faktoren im Kampf gegen Diabetes wie steigender Zeitdruck und Stress konzentrieren müsse.

Auch die Urbanisierung spielt dem Gesundheitsexperten zufolge eine wichtige Rolle. Menschen, die aus ländlichen Gebieten in Großstädte ziehen, ernähren sich dort oft ungesünder. Nielsen: „Auch einsame Menschen, vor allem Männer im mittleren Alter, leben häufig ungesünder.“

Für ihre Untersuchungen haben die ­dänischen Forscher Daten des weltweiten Gesundheitsdatennetzwerks NCD-Risk, das eng mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zusammenarbeitet, analysiert. Wie andere internationale Pharma-Unternehmen forscht auch Novo Nordisk an Diabetes-Medikamenten und betreibt Auf­klärungs- und Präventivprojekte.

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