Das Klinikum Friedrichshafen stellt im Mittelpunkt juristischer Ermittlungen. Foto: imago/Westend61/imago stock&people

Die Staatsanwaltschaft ermittelt im Klinikum Friedrichshafen unter anderem wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung. Nun hat der kommunal gesteuerte Aufsichtsrat entschiedener als bisher reagiert.

Der Aufsichtsrat des Klinikums Friedrichshafen stellt mit sofortiger Wirkung einen Chefarzt frei. Das kündigte eine Sprecherin des Krankenhauses am Mittwoch Abend im Anschluss an eine Sitzung des Gremiums in einer Pressemitteilung an. Grund ist die Einleitung von Ermittlungen der zuständigen Staatsanwaltschaft Ravensburg vergangene Woche gegen den Arzt und noch vier weitere Mediziner, unter anderem wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung und des Abrechnungsbetrugs. Vorangegangen war eine Durchsuchung und Aktenbeschlagnahmung innerhalb des Krankenhauses durch Kriminalbeamte. Die Ermittlungen, hieß es, würden wohl noch länger dauern.

 

Die Freistellung steht im Zusammenhang mit dem Suizid der Oberärztin Elke K. Ende November vergangenen Jahres. Sie hatte intern über Monate schwere angebliche Mängel in der Versorgung von Patienten angeprangert, zu Lebzeiten schriftlich auch den Tod von Menschen durch mangelhafte oder als Folge risikobehafteter ärztlicher Eingriffe beschrieben. Sie starb an dem Tag, als sie von einer geplanten fristlosen Kündigung durch die Klinikleitung erfuhr. Die Kripo Friedrichshafen gründete in der Folge einer Sonderermittlungsgruppe.

Freigestellter Chefarzt operiert nun auch nicht mehr

Der Arzt war in der ersten Januarhälfte durch den Aufsichtsrat von seinem hochrangigen Posten in der Klinikverwaltung freigestellt worden. Was nicht kommuniziert wurde: Der Arzt operierte dennoch weiter, ohne Chefamt. Nun ist es auch damit vorbei. In der Mitteilung vom Mittwoch Abend lässt sich der parteilose Friedrichshafener Oberbürgermeister Andreas Brand, zugleich Aufsichtsratschef des städtischen Krankenhauses, folgendermaßen zitieren: „Aufsichtsrat und Geschäftsführung müssen in dieser Situation handlungsfähig bleiben. Ein so langer Schwebezustand ist weder dem Haus und seinen Mitarbeitenden noch den beschuldigten Ärzten zuzumuten“.

Der Ex-Chefarzt habe selber angeboten, seine Tätigkeit ruhen zu lassen. Brand weiter: „Wir haben im Aufsichtsrat darüber gesprochen und uns entschieden, diesen Weg zu gehen. Damit wird den im Raum stehenden Verdachtsmomenten, dem Interesse des Hauses und seiner Mitarbeitenden an einer Beruhigung der Situation und der auch für den Chefarzt geltenden Unschuldsvermutung angemessen Rechnung getragen.“

Auch der Aufsichtsrat selber bemüht sich nach eigener Darstellung um Aufklärung, hat Anfang des Jahres die Frankfurter Compliance-Kanzlei Feigen Graf mit internen Untersuchungen beauftragt. Zunächst hieß es, Ergebnisse unter anderem von umfangreichen Mitarbeiterbefragungen sollten bis Ende März vorliegen. Anfang des Monats wurde ein Abschlussbericht für Ende Juni avisiert. Bis dahin dürften die neuesten Ermittlungen der Staatsanwaltschaft allerdings längst nicht beendet sein.

Sie haben suizidale Gedanken? Hilfe bietet die Telefonseelsorge. Sie ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr unter 0 800 / 111 0 111 und 0 800 / 111 0 222 und unter https://ts-im-internet.de/ erreichbar. Eine Liste mit Hilfsangeboten findet sich auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention: https://www.suizidprophylaxe.de/