Hier wurden Tatsachen geschaffen: die Suntracker im Garten der beiden Mietshäuser in Gomaringen. Foto: Judith A. Sägesser

Willi Kemmler hat zwei Mietshäuser in Gomaringen mit Wärmepumpen und einer Solaranlage auf dem Dach ausgestattet. Zudem stehen zehn Suntracker im Garten. Doch mit den beweglichen Modulen gibt es ein Problem.

Wenn Willi Kemmler beweisen möchte, dass er für die Energiewende ist, dann muss er nur in den Garten seiner beiden nebeneinander stehenden Mietshäuser einladen. Was er dort auf dem Rasen hat installieren lassen, stellt übliche Solaranlagen klar in den Schatten. Zehn Suntracker warten hier auf den Netzanschluss, die meisten sind montiert, ein Rest der Module liegt noch auf einem Stapel. Seit Juli 2023, damals verhängte das Landratsamt Tübingen einen Baustopp.

 

Suntracker sind mehrere Solarmodule auf einem einbetonierten Fuß, sie richten sich automatisch nach der Sonne aus. Willi Kemmler, 83, hat sie gekauft, weil die Dachanlage den Berechnungen nach den Strombedarf der insgesamt drei Wärmepumpen für die beiden Häuser plus zwei E-Fahrzeuge nicht einmal zur Hälfte deckt. Mit den zehn beweglichen Solarmodulen und alles in allem geschätzten 45 Kilowattpeak Leistung in der Spitze würde es ziemlich genau reichen, sagt der Vermieter.

Brief an den Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann

Doch die Energiebaustelle in Willi Kemmlers Garten liegt eben seit vergangenem Sommer brach. Er sagt, er verstehe die Welt nicht mehr. „Ich habe einfach gemacht, was man macht, wenn die Regierung sagt, man soll schauen, dass man so viel eigenen Strom wie möglich erzeugt.“ Weil er sich im Recht sieht, hat selbst der Ministerpräsident Winfried Kretschmann vor Kurzem Post aus Gomaringen bekommen.

„Ich investierte und wollte eigenen Strom erzeugen“, schreibt Kemmler an Kretschmann. Er berichtet vom Baustopp und dass er seinen Strom derzeit nach wie vor von der EnBW beziehen müsse. „Bitte kümmern Sie sich darum.“ Mitte März 2024 hatte der Gomaringer Hausbesitzer auch an den Tübinger Landrat Joachim Walter geschrieben. Der antwortete wenige Tage später. Die Suntracker seien aus Sicht des Landratsamts als Schwarzbauten errichtet worden, und auch wenn inzwischen ein Bauantrag eingereicht wurde, so brauche es doch geforderte Nachweise, heißt es in dem Brief, der der Redaktion vorliegt.

Können Suntracker blenden?

Der Landrat meint damit die Sache mit dem Blendgutachten. Was Willi Kemmler daran so ärgert: Das Landratsamt hatte den Bauantrag im November 2023 für vollständig erklärt und erst anschließend zusätzlich das Blendgutachten eingefordert. Für ihn reine Schikane. Das Raffinierte an den Suntrackern sei doch, dass sie sich immer im günstigsten Winkel zur Sonne befinden, sagt Kemmler. „Mit dem System kann man gar nicht geblendet werden.“

Das würde Andreas Schlumberger, Geschäftsführer des Solar-Clusters Baden-Württemberg, so nicht unterschreiben. Blenden könnten Suntracker ebenso, meist dann, während sie sich bewegen. Immerhin: „Damit ist die Blendwirkung bei Suntrackern zeitlich kürzer“, so Schlumberger.

„Aufgrund des besonderen Standorts der Anlagen – mitten im Wohngebiet umgeben von direkt angrenzender Wohnbebauung – fordern wir vom Bauherrn im Rahmen des Verfahrens, Aussagen zur möglichen Blendwirkung der Anlagen mit Blick auf die Nachbarschaft“, erklärt Bastian Spellenberg, Sprecher des Landratsamts Tübingen auf Nachfrage. „Im Interesse einer rechtssicheren Entscheidung, an der Herr Kemmler ja sicherlich auch interessiert ist, halten wir an unserer Forderung fest.“

Inzwischen wurde ein Gericht eingeschaltet

Man habe letztlich erst durch Hinweise aus der Nachbarschaft von dem Projekt erfahren, sagt Spellenberg. „Hätte Herr Kemmler uns als zuständige Behörde frühzeitig eingebunden, hätte man ihn im Sinne eines konstruktiven Miteinanders entsprechend beraten und wäre sicherlich heute schon einen Schritt weiter.“ Die Energiewende in Kemmlers Garten ist inzwischen auch zum Rechtsstreit geworden, der beim Verwaltungsgericht Sigmaringen liegt.