Woher der Strom in Baden-Württemberg kommt, hat sich 2023 stark verändert. Daten zeigen: Neben dem Atomkraft-Aus haben Kohlekraftwerke deutlich weniger, Wind und Solar dagegen mehr produziert. Woran liegt das?
In Baden-Württemberg wurde im Jahr 2023 mehr Strom aus Solar- und Windkraft erzeugt als im Vorjahr, während deutlich weniger Kohle verstromt wurde. Das zeigen Daten der Bundesnetzagentur für das Gebiet der TransnetBW, die das Hochspannungsnetz in Baden-Württemberg betreibt. Demnach stieg die Erzeugung aus Windenergie von 3,1 auf knapp vier Terawattstunden (TWh), Solaranlagen lieferten 7,5 TWh (Vorjahr: 7,4 TWh).
Insgesamt deckten heimische Erneuerbare Energien 37 Prozent des baden-württembergischen Stromverbrauchs, in ganz Deutschland waren es rund 57 Prozent. Im Bundesvergleich macht in Baden-Württemberg dabei vor allem Windkraft einen deutlich geringeren Anteil aus.
Mehr Wind, mehr Sonne – Atomkraft fällt weg
Ein Sprecher der EnBW, die als wichtigster Kraftwerksbetreiber im Südwesten auch Wind- und Solaranlagen betreibt, bezeichnete 2023 auf Anfrage als „ein gutes Windjahr in Deutschland“. Das habe sich auch beim Ertrag der EnBW-Anlagen bemerkbar gemacht. „Bei der Stromerzeugung aus Photovoltaik konnte die im Vergleich zu 2022 geringere Sonneneinstrahlung durch einen deutlichen Ausbau kompensiert werden“, erklärte der Sprecher weiter. Insgesamt kamen im Südwesten 2023 rund 140 000 Anlagen hinzu – ob das Tempo zum Erreichen der Klimaziele reicht, ist jedoch umstritten.
Auch der Atomausstieg ist in den Daten deutlich zu sehen. Bis zum Ende des letzten baden-württembergischen Kernkraftwerks in Neckarwestheim am 15. April trug der Meiler nur noch etwa 1,7 TWh zur Erzeugung im Südwesten bei, in den Vorjahren waren es noch etwa zehn TWh gewesen.
Die baden-württembergischen Kohlekraftwerke liefen dagegen 2023 deutlich weniger, die Erzeugung sank von von 15,4 auf 9,3 Terawattstunden und damit um knapp vierzig Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Deutschlandweit wurde so wenig Kohle verstromt wie seit den Wirtschaftswunderjahren nicht mehr.
Der EnBW-Sprecher wies darauf hin, dass in Deutschland insgesamt weniger konventioneller Strom erzeugt wurde, weil der Import gerade von erneuerbarem Strom aus dem Ausland oft günstiger gewesen sei – und dass die Nachfrage nach deutschem Kohlestrom auch deshalb geringer ausgefallen sei, weil in Frankreich wieder mehr Kernkraftwerke verfügbar waren als noch 2022. Im Südwesten kam hinzu, dass im Kraftwerk Heilbronn seit Januar 2023 der zweitgrößte Kohleblock der EnBW im Südwesten ausgefallen ist, weil er nach einem Einsturz im Kesselhaus noch repariert wird.
Baden-Württemberg importiert Strom – neue Leitungen nötig
Nicht nur in Deutschland, sondern auch in Baden-Württemberg wurde 2023 insgesamt deutlich weniger Strom erzeugt als im Vorjahr. Demgegenüber ist der Stromverbrauch sowohl im Südwesten als auch bundesweit leicht gesunken. Häufig wird dabei auf eine nachlassende wirtschaftliche Konjunktur verwiesen.
Neu war für Deutschland, dass die Importe die Exporte überwogen. In Baden-Württemberg hingegen wurde laut den Bundesnetzagentur-Daten in den vergangenen Jahren stets weniger Strom erzeugt als verbraucht. Die Pläne der Übertragungsnetzbetreiber gehen davon aus, dass das auch langfristig so bleiben wird. Dort, wo viel Wind weht oder die Sonne scheint, soll Strom günstig erzeugt und über Netz- und Ländergrenzen transportiert werden. Um große Strommengen von Norden nach Süden zu bringen, sind jedoch mehr Stromleitungen wie die Südlink-Trasse nötig. Bereits heute kommt es immer wieder vor, dass im Norden mehr Windstrom zur Verfügung steht, als die Leitungen transportieren können – und Windräder abgeriegelt werden müssen, während im Südwesten zum Ausgleich konventionelle Kraftwerke hochgefahren werden.