Kristina Oldenburg organisiert und moderiert die Beteiligung am Stöckach. Foto:  

Nach dem Experiment der digitalen Bürger-Werkstatt im Mai wird jetzt wieder direkt diskutiert – mit begrenzter Teilnehmerzahl und mit neuer Moderatorin.

Stuttgart-Ost - Im Stöckach-Areal der Energie Baden-Württemberg (EnBW) werden am Mittwoch, 22. Juli, 35 Stuttgarter in der nächsten Bürger-Werkstatt über die Entwicklung des Quartiers diskutieren. Dabei erleben sie zum ersten Mal die neue Moderatorin des Beteiligungsprozesses, Kristina Oldenburg, live. Sie wurde Anfang des Jahres engagiert, war von der Corona-Pandemie erst einmal ausgebremst – und wagte mit der digitalen Bürger-Werkstatt im Mai ein Experiment.

 

Bürgerbeteiligung ist seit Stuttgart 21 eine Selbstverständlichkeit. Egal ob es um ein Bauprojekt, ein Sanierungsgebiet oder um die Entwicklung eines neuen Stadtviertels geht, Anwohner wollen mitsprechen. Für die EnBW war klar, dass die Stuttgarter die Verwandlung des Betriebsgeländes an der Hackstraße zu einem Vorzeige-Stadtviertel mitgestalten sollten. Dafür richtete die EnBW an der Hackstraße einen Raum mit Informationsmaterial und kleiner Bibliothek als Treffpunkt ein, es wurden zum Teil ganztägige Bürgerwerkstätten veranstaltet.

Nach der Entscheidung im städtebaulichen Wettbewerb Ende vergangenen Jahres hätten die Bürger-Werkstätten eigentlich im Frühjahr fortgesetzt werden sollen. Aber dann breitete sich das Corona-Virus aus, das Land wurde lahmgelegt – und die EnBW stand vor der Frage, wie sie den Beteiligungsprozess fortsetzen könnte, schließlich liefen die Planungen für das Quartier weiter. Die digitale Bürger-Werkstatt im Mai, per Video mit 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, war eine Herausforderung für alle Beteiligten, vor allem für die Moderatorin.

„Wir waren alle total aufgeregt“, beschreibt Kristina Oldenburg die Atmosphäre vor Beginn der Online-Werkstatt. „Wir haben das alle ja zum ersten Mal gemacht.“ Die gebürtige Mainzerin beschäftigt sich seit vielen Jahren mit unterschiedlichen Beteiligungsmöglichkeiten, erst vor Kurzem hat sie sich zum Thema Online-Hosting fortgebildet und dabei mit Menschen aus ganz Europa überlegt, wie Netzwerken in Workshop-Form virtuell funktionieren kann.

Kristina Oldenburg, Jahrgang 1969, ist Diplom-Ingenieurin in Raum- und Umweltplanung, hat ein Diplom in Mediation der Fachhochschule Aargau in der Schweiz sowie einen Master in Supervision und Coaching. Im Jahr 2002 gründete sie ihr eigenes Büro Kokonsult mit Sitz in Offenbach. Ihr erstes Projekt war eine Beauftragung im Rahmen des Programms „Die soziale Stadt“, das damals neu war und wo sie in einem Frankfurter Stadtteil die Bürger mit einbezog.

Permanente Weiterbildung ist für die Kokonsult-Chefin eine Selbstverständlichkeit. In den Ausschreibungen von Bund, Ländern, Kommunen oder Unternehmen tauchten viele unterschiedliche Begriffe von Mode-Erscheinungen in der Beteiligungsbranche auf, egal ob Design Thinking oder die längst etablierte Workshop-Methode World Café, sagt sie und spricht von einem „Wettstreit der tolleren und innovativeren Methoden in der Hoffnung, dass damit alle Probleme gelöst“ würden. Oldenburg: „Ich muss immer wissen, von was alle reden.“ Die Fortbildungen helfen, die Dinge einschätzen und sinnvoll einsetzen zu können.

Von dem, was sie am Stöckach vorfand, war sie beeindruckt. „Was ich übernommen habe, ist so professionell gemacht! Dass man den Aufwand betreibt, finde ich wirklich bemerkenswert. Und ich habe den Eindruck, dass das wirklich ernst gemeint ist.“ Dass der Beteiligungsprozess ausgerechnet in einer Phase, in der das Projekt neu aufgestellt worden war, durch Corona unterbrochen wurde, war eine Herausforderung. Kristina Oldenburg: „So ein Prozess braucht Kontinuität. Wenn lange nichts passiert, entsteht eine Blackbox mit Gerüchten.“ Die gab es, obwohl es in der digitalen Bürger-Werkstatt vor allem darum ging, die neuen Gesichter vorzustellen. Möglichkeiten zur Interaktion gab es in den 90 Minuten – damals noch technisch bedingt – kaum. Genau das wurde von den Bürgern, vor allem von Mitgliedern des Bezirksbeirats, die sich am Stöckach engagieren, kritisiert, ungeachtet der Ausnahmesituation. Da war von Frontalunterricht die Rede, von unkritischen Nachfragen – und davon, dass die EnBW den Beteiligungsprozess wohl zurückfahren wolle.

Genau mit der Diskussion über diese Kritikpunkte startet am Mittwoch, 22. Juli, um 17 Uhr die nächste Bürger-Werkstatt, diesmal wieder im IdeenRaum an der Hackstraße, allerdings wegen der aktuellen Bestimmungen nur mit maximal 35 Teilnehmern. Danach werden die Ziele der Bürgerbeteiligung in den kommenden Monaten erörtert, bevor es anschließend in kleinen Gruppen ganz konkret um die Themen „Mobilität“, „privater Bereich“ und „Gemeinsam im Quartier“ gehen wird. Eine Live-Übertragung per Video wird es nicht geben. Die Ergebnisse werden in den Tagen danach auf der Webseite www.enbw.com/stoeckach vorgestellt.