Auf der Baustelle müssten Zauneidechsen umgesiedelt werden. Foto: dpa/Lino Mirgeler

Bevor im Sommer die Maschinen zum Bau der Eislinger Mühlbachtrasse anrücken, muss viel vorbereitet werden. Neue Pläne der Bahn und kleine Tiere wirken sich auf den Ablauf aus.

Was lange geplant wurde, nimmt bald auch als Baustelle Fahrt auf: Die Arbeiten zum Bau der Mühlbachtrasse in Eislingen werden im Zeitraum „Juni/Juli“ beginnen, berichtete der Leiter des Tiefbauamts, Martin Fischer, im Gemeinderat. Auch Eidechsen spielen beim Trassenbau eine Rolle.

 

Zu diesem Großprojekt, das eine neue zentrale Verkehrsachse zwischen Eislingen-Nord und -Süd schaffen wird, plant die Stadt eine umfangreiche Öffentlichkeitsarbeit, kündigten Fischer und der Oberbürgermeister Klaus Heininger an. „Die Öffentlichkeitsarbeit soll etwa drei Monate vor dem Baubeginn starten“, sagte Fischer: „Wir werden eine zentrale Auskunftsstelle einrichten, wo Fragen oder Beschwerden eingehen können.“ Es sei auch geplant, im Internet über den Bau zu informieren: „Was passiert gerade?“ Zudem werde die Stadt einen oder zwei Tage der offenen Baustelle anbieten.

Beginn des Abrisses ist für 2027 vorgesehen

Das Rathausteam machte aber auch deutlich, dass hinter dem Zeitplan für den Abriss der vierspurigen Hauptstraßenbrücke, die über Fils und Bahngleise führt, ein Fragezeichen gesetzt werden muss. Die Stadt hatte den Beginn des Abrisses für das Jahr 2027 vorgesehen und möchte dafür auch „Gleissperrpausen“ beantragen. Dies bedeutet, dass zu bestimmten Zeiten, wenn die Brücke über dem Bahndamm abgebrochen wird, keine Züge durch Eislingen fahren dürfen.

Dem könnten jedoch eigene Baupläne der Deutschen Bahn im Wege stehen. Der Konzern habe angekündigt, im Jahr 2029 die Strecke Stuttgart – Ulm sanieren zu wollen. „Wir werden voraussichtlich erst 2029 die Gleissperrpausen bekommen“, befürchtet Fischer. Die Verwaltung vermutet, dass die Bahn nicht bereit ist, die Filstalstrecke innerhalb kurzer Zeit mehrfach zu unterbrechen. Die Stadt arbeite daher an einem „Plan B“, kündigte Fischer an.

Hans-Jörg Autenrieth (CDU) sprach daraufhin über drohende Folgen: „Wenn die Mühlbachtrasse fertig ist und die Überführung nicht abgerissen wird, können wir alle Eislingen verlassen.“

Deswegen werde an Plan B gearbeitet, antwortete Fischer. Es soll versucht werden, mit einem Teilabriss von den Seiten her zu beginnen, um die Bahnlinie nicht zu beeinträchtigen. Das Mittelstück über den Gleisen käme in dem Fall erst weg, wenn die Bahn ihre Sperrpausen macht.

An Baubesprechungen seien oft 20 Personen beteiligt

Im vorigen Juli haben Stadt und Bahn den Bauauftrag für die neue Trasse an die Leonhard Weiss GmbH vergeben. Schon davor musste die Stadt Sperrpausen bei der Bahn beantragen. Das habe üblicherweise zweieinhalb Jahre Vorlaufzeit, berichteten Fischer und Heininger. Weil sich der Zeitplan des Projekts verzögert hatte, musste die Stadt schon früher beantragte Gleissperrpausen zurückgeben, berichtete der Oberbürgermeister. Seiner Ansicht nach hätte die Bahn nicht mehr mitgespielt, falls sich der Trassenbau erneut verzögern würde. „Es ist nicht einfach mit der Deutschen Bahn als Partner“, stellte Heininger fest.

Fischer hatte berichtet, dass seit der Auftragsvergabe viele Gespräche zwischen Stadt, Baufirma und Bahn über die Ausführungsplanung geführt wurden. „Es gibt mehr als 200 einzelne Ausführungspläne. Da sieht man, wie groß diese Maßnahme ist“, erklärte der Chef des Tiefbauamts. Alle Beteiligten hätten die Pläne begutachtet und bei der Bahn müsse „jeder Plan noch einen Prüflauf machen“. An Baubesprechungen seien oft 20 Personen beteiligt. „Sie sehen die Komplexität der Baumaßnahme“, sagte der OB.

Dazu gehört auch ein ökologischer Begleitplan. Dieser Plan ist erforderlich, weil Eidechsen im Gleisbett leben. Laut Fischer sind darunter Echsen, die aus Italien eingewandert sind und Zauneidechsen. Die Tiere werden hinausgetragen, danach soll ein Reptilienzaun verhindern, dass die Eidechsen zurück ins Baufeld kommen. „Es ist tatsächlich so, dass die Eidechsen einen relativ hohen Aufwand erfordern“, berichtete der Amtsleiter.

Hohe Kosten und hohe Förderung

Kosten
Das Projekt Mühlbachtrasse besteht aus mehreren Komponenten. Dazu zählt der eigentliche Trassenbau, der rund 17,6 Millionen Euro kostet. Der Abriss der Überführung ist mit 2,2 Millionen Euro veranschlagt. Zudem wird wegen der neuen Verkehrsachse die Hindenburgstraße umgebaut. Es kommt ein Kreisverkehr. Dafür sind zwei Millionen Euro veranschlagt.

Förderung
Die Stadt Eislingen erhält für die Einzelprojekte mehrere Zuschüsse. In der Summe kalkuliert die Stadtverwaltung mit einer Gesamtförderung in Höhe von etwa 8,4 Millionen Euro.