Verkäuferin Brigitte Ley Brettschneider in der Filiale Ganesh, die bald schließt. Foto: H. Hechtel

Der Besitzer nennt die sinkende Attraktivität der City als Ursache für seinen Entschluss. Aber es gibt noch andere Gründe, die dem Besitzer den Abschied leicht gemacht haben.

Immer mehr Läden, die leer stehen, und immer öfter „Sale“-Schilder an Schaufenstern, die eine baldige Aufgabe des Geschäftes ankündigen: Immer wieder kommen entsprechende Meldungen aus dem Stuttgarter Einzelhandel. In der Innenstadt ebenso wie in den Außenbezirken, für Filialen großer Ketten genau wie für inhabergeführte Häuser. Mit der Boutique Ganesh in bester Innenstadt-Lage, in der Fußgängerzone Ecke Hirschstraße und Neue Brücke, kommt eine weitere Geschäftsaufgabe dazu. „Wir schließen Ende August“, bestätigt Inhaber Bernd Glöckler aus Ulm. „Nach 15 erfolgreichen Jahren“, heißt es in dem Danke-Kärtchen, das die Kunden bekommen. Warum dann das Aus? „Stuttgart hat deutlich an Attraktivität verloren“, sagt Glöckler unumwunden, „es macht keinen Spaß mehr.“

 

Ursprünglich kam die Kleidung überwiegend aus Indien

Der Ausverkauf läuft, im Laden ist Hochbetrieb, und die Kundinnen beklagen den drohenden Verzicht auf eine lieb gewordene Mode-Adresse: Mit Kleidung, die, wie der vom indischen Gott der Weisheit geliehene Name des Geschäftes verrät, ursprünglich tatsächlich überwiegend aus Indien und anderen asiatischen Ländern gekommen ist. „Aus Wolle, Baumwolle und Seide, nachhaltig und fair produziert, in kleinen Cooperativen, zu denen sich Frauen zusammengeschlossen haben“, wie Glöckler erzählt. Mittlerweile tragen Designer und Produzenten aus ganz Europa, darunter auch Skandinavien oder Ländern wie Litauen zur Vielfalt des Angebotes bei.

Aber auch Glöckler spürt die allgemeine Kaufzurückhaltung, die dem Einzelhandel zusetzt. Und er macht nicht nur Corona oder die Inflation, sondern die verschlechterte Situation seines Standortes dafür verantwortlich. Da er mit Ganesh auch in Ulm und Lindau vertreten ist, habe er den Vergleich. Seit Jahren sei sein Geschäft von Baustellen umgeben. Gerade wurde der Bürgersteig direkt vor seinen Schaufenstern aufgerissen und zwingt den Passanten einen Umweg auf.

„Die internationalen Besucher Stuttgarts, die früher zu uns gekommen sind, bleiben schon lange aus“, stellt Glöckler fest und folgerte: „Es macht keine Freude mehr.“ Den auslaufenden Mietvertrag nutzt er daher für den Abschied von Stuttgart. Freilich auch mit Blick auf sein Alter jenseits der 65. Seinen vier Mitarbeiterinnen im Verkauf, die in Teilzeit arbeiten, verspricht er einen sozial verträglichen Ausstieg. Eine davon ist Brigitte Ley Brettschneider, die als Eurythmielehrerin noch ein anderes berufliches Standbein hat. Dennoch sucht sie wieder einen ähnlichen Job: „Personal wird ja gesucht“, hofft sie auf Erfolg beim beruflichen Neuanfang.