Sie haben Hygienekonzepte ausgearbeitet und versucht, den Betrieb so gut es geht am Laufen zu halten. Es hat nichts genutzt. Restaurants, Fitnessstudios und Kultureinrichtungen müssen erneut schließen. Was bedeutet das für sie?
Ludwigsburg - Der Einzelhandel darf geöffnet bleiben, Friseursalons bleiben ungeschoren. Ansonsten wird das öffentliche Leben in Ludwigsburg und im Kreis ein zweites Mal heruntergefahren. Betroffen sind viele. Ein Stimmungsbild.
Der Innenstadtverein
Speziell für die Ludwigsburger Innenstadt seien die Beschlüsse ein „mittleres bis großes Desaster“, sagt Markus Fischer, Vorsitzender des Innenstadtvereins Luis. „Das Zusammenspiel von Gastronomie und Einzelhandel ist ein wesentlicher Bestandteil bei uns.“ Heißt: Wer zum Einkaufen kommt, geht hinterher gern auch noch etwas essen – wer ein Restaurant besucht, macht gelegentlich auch einen Abstecher in einen Laden. Der Innenstadtverein trifft sich in der kommenden Woche mit den Gemeinderatsfraktionen und Oberbürgermeister Matthias Knecht, um zu eruieren, wie man den Händlern und Gastronomen helfen kann. Fischer kritisiert vor allem, dass die Maßnahmen „pauschal allen aufgedrückt werden“. Sowohl Einzelhandel als auch Restaurantbetreiber hätten sich vorbildlich verhalten, die Vorgaben mit ihren Hygienekonzepten teilweise sogar übererfüllt. Fischer befürchtet längerfristige Auswirkungen: Die Regierung sende mit den angeordneten Schließungen das Signal, dass von den Restaurants die Gefahr ausgehe, sich dort anzustecken. „Ich befürchte, das bleibt bei den Gästen hängen.“
Der Gastronom
Peter Buhl, Inhaber des Post-Cantz, versteht die Welt nicht mehr. Er hatte gehofft, dass seine Branche das Gröbste hinter sich hatte. „Wir hatten eigentlich alles gut im Griff“, sagt der Wirt. Wie bei seinen Kollegen auch, stapeln sich bei ihm die Kontaktnachweise der Gäste, die ihn in den vergangenen Wochen besucht haben. Die penible Dokumentation hat die erneute Schließung genauso wenig verhindert wie die Hygienekonzepte. Buhl hofft nun, dass die Maßnahmen wirken und er im Dezember wieder öffnen kann. „Wenn die Schließung auch dann noch gelten, könnte es eng werden“, so Buhl.
Von seinen Kollegen hat er bislang nichts Gegenteiliges gehört. Viele Gastronomen machen in den letzten beiden Monaten des Jahres rund die Hälfte ihres Umsatzes. Für viele stellt sich nun auch die Frage, ob sie wieder einen Abhol- oder Lieferservice anbieten. „Diejenigen, die gute Erfahrungen im Frühjahr damit gemacht haben, werden es wohl wieder anbieten“, sagt Markus Fischer vom Innenstadtverein. Die Entscheidung Essen zum Mitnehmen anzubieten, sei in erster Linie eine wirtschaftliche.
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Der Kinobetreiber
Wie die Restaurant- sind auch die Kinobetreiber auf die Hilfen vom Staat angewiesen. Bisher ist geplant, dass sie 75 Prozent der Einnahmen, die sie im November 2019 gemacht haben, erhalten. „Das ist überlebenswichtig“, sagt Claus Wollenschläger. Denn er muss weiter Miete und Versicherung zahlen, auch Snacks und Getränke verderben, weil er sie nicht verkaufen kann. Seine Mitarbeiter schickt er ab Montag wieder komplett in Kurzarbeit, das Union ist ohnehin seit April geschlossen. Weil auch die deutlich reduzierten Kapazitäten im Central kaum ausgeschöpft wurden und viel zu wenig Besucher in den vergangenen Wochen kamen, verzeichnet Wollschläger schwere Einbußen. Im September und Oktober ging sein Umsatz um mehr als 70 Prozent zurück. Solang es staatliche Hilfe bekommt, kann sein Kino aber überleben. Die erneuten Einschränkungen kann Wollschläger trotzdem nicht nachvollziehen. „Mir ist weltweit kein einziger Fall bekannt, dass sich jemand im Kino mit Corona angesteckt hat.“
Die Sportstudiobetreiber
David Wenningmann leitet ein Fitnesstudio auf dem Salamander-Areal in Kornwestheim. Auch er zeigt nur wenig Verständnis dafür, dass er schließen muss. Man habe nicht nur alle Vorgaben erfüllt, sondern deutlich mehr getan als gefordert. So dürften das viele seiner Kollegen auch sehen. Großen Sportvereinen wie dem MTV Ludwigsburg, dem TSV Bietigheim oder dem SV Kornwestheim, die eigene Studios betreiben, geht es nicht anders. SVK-Geschäftsführer Thomas Eeg hat zwar Verständnis dafür, dass alles unternommen wird, um die Infektionszahlen wieder herunterzuschrauben. Aber ob das mit eine Schließung der Fitnessstudios erreicht wird, da hat er Zweifel. Man habe sich strikt an die Regeln gehalten, viel gelüftet und zusätzlich in Luftreinigungsgeräte investiert. Immer wieder hätten ihm die Mitglieder versichert, dass sie sich sicher fühlten, so Eeg.
Auch der Vereinssport leidet. Die Freiberger Schwimmer haben diese Woche erst mit einem mühsam ausgetüftelten Hygienekonzept das Training im Stadtbad nach einer mehr als halbjährigen Pause wieder aufgenommen. Am Samstag dürfen sie noch einmal ins Wasser hüpfen – danach ist erneut Zugseiltraining an Land angesagt. Wie lange die Abstinenz vom feuchten Element diesmal dauern wird, das wollen sich die Schwimmer lieber nicht ausmalen. Zumal im bevorstehenden Winter sommerliche Alternativen wie Badeseen eher ungeeignet für längere Schwimmeinheiten sind.
Die Kultureinrichtungen
Konzerte, Theateraufführungen, Workshops, eben alles, was drinnen stattfindet, muss abgesagt werden. Das Scala hat damit begonnen umzuplanen. Wie genau man mit der Situation umgeht, was noch zu retten ist, kann Chef Edgar Lichtner aber noch nicht sagen. Nur so viel: „Das ist natürlich für die komplette Kulturszene ein Schock.“ Besonders die Situation von freien Künstlern und Selbstständigen, die für die Branche arbeiten, sei „dramatisch und existenzbedrohend“, sagt Betina Gonsiorek, Leiterin der Tanz- und Theaterwerkstatt (TTW). „Da geht es jetzt wirklich um die Miete, ums Essen.“ Denn sie würden häufig nicht von den Hilfen profitieren. Und wenn es Geld gebe, dauere das. Die TTW selbst muss nun alle Kurse, Workshops und Veranstaltungen absagen. „Wir werden aber weiter an Formaten arbeiten, die wir auch unter Pandemiebedingungen durchführen können“, so Gonsiorek.
Diejenigen Veranstalter, die mit ihren Livestreams von Konzerten oder Theatern bisher erfolgreich waren, werden sie beibehalten. Ein Beispiel ist die Luke, die bereits mehrere Veranstaltungen für die kommenden Tage angekündigt hat.